• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 15.11.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Glyphosat in Hunde- und Katzenfutter

Umstrittenes Herbizid in allen getesteten Futtermitteln nachgewiesen

Herbizid für Hund und Katz: Das umstrittene Herbizid Glyphosat ist auch im Tierfutter angekommen. Forscher haben das Unkrautvernichtungsmittel in gekauftem Hunde- und Katzenfutter nachgewiesen. Alle 18 getesteten Sorten enthielten Glyphosat – wenn auch größtenteils unterhalb der für Lebensmittel geltenden Grenzwerte. Die Wissenschaftler vermuten, dass das Herbizid über pflanzliche Zutaten wie Getreide oder Ballaststoffe in das Tierfutter gelangt.
Mahlzeit! Auch das Futter für Hunde und Katzen ist mittlerweile mit Glyphosat kontaminiert.

Mahlzeit! Auch das Futter für Hunde und Katzen ist mittlerweile mit Glyphosat kontaminiert.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten gegen Unkräuter eingesetzte Herbizid – aber es ist hoch umstritten. Während die WHO das Mittel im Jahr 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte, sahen die EU-Behörden ECHA und EFSA dies anders. Im Herbst 2017 wurde EU-Zulassung trotz Kritik um weitere fünf Jahre verlängert. Brisant wird dies auch deshalb, weil Glyphosat inzwischen schon in Bier und sogar in unserem Urinnachweisbar ist.

Glyphosat in allen Proben


Aber nicht nur in unserer Nahrungskette ist Glyphosat inzwischen angekommen – auch unsere Haustiere speisen bereits mit Herbizid- Beigabe, wie Forscher um Anthony Hay von der Cornell University in Ithaca herausgefunden haben. für ihre Studie hatten sie in einer Zoohandlung und bei einem Großhändler 18 verschiedene Sorten Katzen- und Hundefutter gekauft und dieses auf Glyphosat analysiert.

Das Ergebnis: Alle getesteten Tierfutter enthielten Glyphosat. Die Konzentrationen variierten zwischen 80 Mikrogramm und zwei Milligramm pro Kilogramm. "Das Ausmaß der Glyphosatgehalte in dem Futter hat uns überrascht", sagt Hay. "Es ist schwer, ein Produkt zu finden, das gar kein Glyphosat enthält." Auch in einem als "gentechnikfrei" gekennzeichneten Futter wiesen die Forscher das Herbizid nach - sogar in höheren Mengen als in den restlichen Proben.


Das Herbizid Glyphosat wird auf rund einem Drittel der deutschen Äcker eingesetzt

Das Herbizid Glyphosat wird auf rund einem Drittel der deutschen Äcker eingesetzt

Wie bedenklich ist das?


Doch was bedeuten diese Werte konkret? "Wenn ein Mensch dieses Futter jeden Tag essen würde, läge seine Glyphosatbelastung noch immer unter den momentan als sicher geltenden Grenzwerten", erklärt Hay. In der EU gelten allerdings je nach Lebensmittel verschiedene Limits, für Weizen liegen sie bei zehn Milligramm pro Kilogramm Erntegut, für Reis bei 0,1 mg/kg. Wäre das Hunde- und Katzenfutter Reis, dürften demnach zumindest die am stärksten kontaminierten Sorten nicht von uns verzehrt werden.

Hinzu kommt: Da Hunde und Katzen deutlich weniger wiegen als ein Mensch, ist auch ihre Belastung höher. Welche Folgen niedrige, aber anhaltende Belastungen mit dem Herbizid für Hund und Katze haben, ist allerdings bislang kaum untersucht, wie die Forscher betonen. "Zwar scheint kein unmittelbares Risiko zu bestehen, aber über die chronischen Folgen niedriger Dosen herrscht noch Unsicherheit", sagt Hay.

Pflanzliche Ballaststoffe als Quelle


In das Tierfutter hineingekommen ist das Herbizid wahrscheinlich durch den Anteil an Getreide und Gemüse in den Produkten. Denn obwohl Hund und Katze eigentlich Fleischfresser sind, enthalten die meisten Futter heute Gemüse oder Getreide als Lieferanten für zusätzliche Ballaststoffe. Und je mehr Ballaststoffe ein Tierfutter enthielt, desto höher war auch sein Glyphosatgehalt, wie die Wissenschaftler berichten.


"Wir wissen, dass Glyphosat nur für den Einsatz auf Nutzpflanzen zugelassen ist und dass es sich nicht in Tieren anreichert", sagt Hay. "Daher stammt die Kontamination höchstwahrscheinlich nicht aus dem Fleischanteil. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass es aus dem Pflanzenmaterial kommt." Wenn Hunde- und Katzenbesitzer auf Nummer sicher gehen wollen, sollten sie entweder ihre Tiere entweder mit selbst zubereitetem Fleisch füttern oder aber Tierfutter wählen, das eher wenig Ballaststoffe enthält. (Environmental Pollution, 2018; doi: 10.1016/j.envpol.2018.08.100)
(Cornell University, 26.10.2018 - NPO)
 
Printer IconShare Icon