Zuckern gesunder Lebensmittel geht nach hinten los Kinderernährung: Fataler "Zuckertrick" - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zuckern gesunder Lebensmittel geht nach hinten los

Kinderernährung: Fataler „Zuckertrick“

Wie lassen sich Kinder zu einer gesunden Ernährungsweise animieren? © evgenyatamanenko/ istock

Gut gemeinter Trick: Kindern gesunde Kost mithilfe von darüber gestreutem Zucker schmackhaft machen zu wollen, ist keine gute Idee. Denn durch den Konsum gezuckerter Früchte oder anderer derart „verfeinerter“ Speisen ernährt sich der Nachwuchs später mitnichten gesünder, wie eine Studie zeigt. Vielmehr greifen Kinder dadurch sogar vermehrt zu Süßem – und werden häufiger übergewichtig.

Die entscheidenden Weichen für einen gesunden Lebensstil werden bekanntermaßen in der Kindheit gestellt: Wer in jungen Jahren lernt, sich viel zu bewegen und ausgewogen zu ernähren, wird diese Gewohnheiten wahrscheinlich auch später beibehalten – und minimiert so sein Risiko für zahlreiche Erkrankungen.

In der Praxis ist dies allerdings oft gar nicht so leicht zu erreichen. So lassen sich viele Kinder beispielsweise nur schwer von gesunden Lebensmitteln auf dem Teller begeistern. Einige Eltern greifen daher in die Zuckerdose, um dem Nachwuchs ein bisschen süße Starthilfe auf dem Weg in eine gesunde Ernährungsweise zu geben: Sie stäuben Puderzucker auf die frischen Früchte, rühren Marmelade in den Naturjoghurt oder geben Kakaopulver in die Milch.

Mehr Übergewicht

Doch was bringt dieser Trick – ernähren sich Kinder dadurch später tatsächlich besser und bleiben gesünder? Dieser Frage sind nun Wissenschaftler um Antje Hebestreit vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen nachgegangen. Dafür werteten sie Daten von mehr als 16.000 Kindern aus, die an einer europäischen Studie zu kindlichem Übergewicht teilgenommen hatten.

Das Ergebnis: Kinder, die zu Studienbeginn mehr gezuckerte Früchte, gesüßte Milchprodukte und Smoothies konsumiert hatten, zeigten zwei Jahre später deutlich häufiger Anzeichen für Übergewicht und Fettleibigkeit als solche, bei denen weniger Zucker zum Einsatz gekommen war. Darüber hinaus war auch die Qualität ihrer Ernährung häufiger und stärker gesunken – also ungesünder geworden – als die der Kontrollgruppe.

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Auf Süßen verzichten

Den Forschern zufolge zeichnet sich somit ab: Das Zuckern von gesunden Lebensmitteln ist eher kontraproduktiv, auch wenn es gut gemeint sein mag. „Unsere Vermutung ist, dass hier die Prägung des Geschmacks eine wichtige Rolle spielt. Wer also schon als Kind häufig Süßes – und seien es auch nur kleine Mengen – zu sich nimmt, greift auch später häufiger zu zuckerhaltigen Lebensmitteln und erhöht damit sein Risiko, Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen wie Diabetes zu entwickeln“, sagt Hebestreit.

Die Wissenschaftler empfehlen daher, auf Zucker, Honig und Instantpulver zum Süßen von Früchten und Milchprodukten ganz zu verzichten. Sinnvoller sei es, den Kindern bewusst eine hohe Geschmacksvielfalt anzubieten, um der Langeweile am Esstisch und einer monotonen und damit auch ungesunden Lebensmittelauswahl in späteren Jahren vorzubeugen. „Wer auf Vielfalt statt Zucker setzt, liefert seinen Kindern zudem viel eher die breite Nährstoffpalette, die diese für ihr Wachstum und Wohlbefinden brauchen“, schließt Hebestreit.

(Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, 29.10.2018 – DAL)

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