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Sonntag, 25.02.2018
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Arktisches Meereis auf erneutem Niedrigstand

Sommerliche Eisfläche ähnlich niedrig wie in den vergangenen Jahren

Schon wieder Eismangel im hohen Norden: Das arktische Meereis hat erneut seinen sommerlichen Tiefstand erreicht. Seine Fläche liegt bei nur rund 4,7 Millionen Quadratkilometern – das ist erneut deutlich unter dem langjährigen Mittel. Der Trend zum Eisschwund in der Arktis setzt sich damit fort, wie Forscher berichten. Die Nordost-Passage war in diesem Sommer für Schiffe sogar ohne Unterstützung von Eisbrechern befahrbar.
Diesem Eisbär schmilzt langsam der Lebensruam unter den Füßen weg.

Diesem Eisbär schmilzt langsam der Lebensruam unter den Füßen weg.

Der Klimawandel heizt die Arktis schneller auf als fast jede andere Region auf der Erde. Das hat Folgen: Die Ausdehnung der Meereisdecke schrumpft schon seit Jahren sowohl im Sommer als auch im Winter. Im Dezember 2016 hatte das arktische Meereis sogar die kleinste Ausdehnung, die je in diesem Monat gemessen wurde. Im gleichen Winter erlebte der hohe Norden gleich drei ungewöhnliche Hitzewellen.

Weiterhin auf niedrigem Niveau


Wie stark das sommerliche Tauwetter sich auf das arktische Meereis ausgewirkt hat, zeigen nun die jüngsten Satellitenmessungen. Demnach bedeckt das Meereis im Nordpolarmeer im September 2017 nur noch eine Fläche von rund 4,7 Millionen Quadratkilometern. Trotz des besonders warmen Winters erreicht das Meereis damit zwar kein neues Rekordminimum, der Eisverlust ist dennoch massiv.

"Wir befinden uns mit dem diesjährigen Wert weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau", sagt Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut (AWI). Die Eisfläche liegt erneut deutlich unter dem langjährigen Mittel. "Die jeweils im September gemessene Meereisfläche ist in den vergangenen elf Jahren geringer gewesen als in allen Jahren davor", so der Meereisphysiker. In den 1970er und 1980er Jahren lagen die sommerlichen Minimumwerte noch bei durchschnittlich rund sieben Millionen Quadratkilometern.


Ausdehnung des arktischen Meereieses Mitte September 2017

Ausdehnung des arktischen Meereieses Mitte September 2017

Kühler Sommer verhinderte Schlimmeres


Vor einem neuen Negativ-Rekord bewahrt wurde das Meereis wahrscheinlich durch einen eher kühlen Sommer. "In dem relativ kalten Sommer konnte sich das Meereis etwas erholen, doch das diesjährige Septemberminimum ist keinesfalls als Entwarnung zu verstehen“, betont Lars Kaleschke vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit an der Universität Hamburg. "Die Größe der Meereisfläche unterliegt zwar natürlichen Schwankungen, der langfristige abnehmende Trend ist aber eindeutig."

Eine Besonderheit ist die räumliche Verteilung des Meereises in diesem Jahr: Sie unterscheidet sich deutlich vom langjährigen Muster, wie die Forscher berichten. So gab es in diesem Sommer weniger Eis in der Tschuktschensee und der Ostsibirischen See. Dafür blieb mehr Eis nördlich von Spitzbergen und in der Beaufortsee erhalten. Nördlich der Framstraße, zwischen Grönland und Spitzbergen, war das Eis mit rund 1,70 Metern zudem etwa 50 Zentimeter dicker als im Jahr 2016.

Offenes Wasser: Torpedoförmige Messsonde über dem weitgehend offenen Nordpolarmeer.

Offenes Wasser: Torpedoförmige Messsonde über dem weitgehend offenen Nordpolarmeer.

Polare Schiffsrouten eisfrei


Auswirkungen hat das schwindende Meereis inzwischen auch auf die Schifffahrt: "Die Nordostpassage entlang der russischen Küste war in diesem Sommer ohne Eisbrecherunterstützung befahrbar und auch die Nordwest-Passage wurde von vielen Schiffen durchquert", berichtet Gunnar Spreen von der Universität Bremen. Prognosen gehen davon aus, dass schon im Jahr 2040 diese Routen und sogar der direkte Weg über den Nordpol in jeden Sommer eisfrei sein könnten.

Die Wissenschaftler resümieren: "Die geringe Ausdehnung des arktischen Meereises reiht sich in die niedrigen Werte der letzten Dekade ein. Wir rechnen nicht damit, dass es in den kommenden Jahrzehnten noch einmal Eisbedeckungen von sechs oder sieben Millionen Quadratkilometern geben wird, wie sie noch bis ins Jahr 2000 typisch waren."
(Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung/ Universität Hamburg, 15.09.2017 - NPO)
 
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