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Dienstag, 22.08.2017
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Rätsel um wachsende Karakorum-Gletscher gelöst

Großflächiges Zirkulationssystem sorgt im Sommer für Kühleffekt

Dem Trend zum Trotz: Während der Klimawandel fast überall auf der Erde die Gletscher schrumpfen lässt, sind die Eiskappen des Karakorum-Gebirges in Zentralasien erstaunlich stabil und wachsen sogar. Warum das so ist, haben Forscher nun herausgefunden: Demnach wirkt sich ein großflächiges Zirkulationssystem im Sommer kühlend auf die Region aus. Als Folge herrschen über dem Himalaya-Ausläufer ungewöhnlich niedrige Temperaturen - der Rest der Gebirgskette aber schwitzt.
Blick auf den Baltoro-Gletscher im höchsten Teil des östlichen Karakorums

Blick auf den Baltoro-Gletscher im höchsten Teil des östlichen Karakorums

Neben den großen Eisschilden Grönlands und der Antarktis sind die Gletscher der polaren Küsten und der Gebirge die Hauptreservoire für Eis auf unserem Planeten. Sie spielen daher für den Wasserhaushalt auf der Erde, aber auch für das Klima eine wichtige Rolle. Anstatt wie normalerweise üblich im gleichmäßigen Wechsel zu wachsen und zu schrumpfen, geraten die Gletscher durch die Erderwärmung jedoch zunehmend aus dem Gleichgewicht. Es schmilzt mehr Eis als wieder hinzukommt - die Gletscher werden immer kleiner.

Diese Entwicklung ist auch im Himalaya, dem größten irdischen Eisreservoir außerhalb der Polargebiete, zu beobachten. Allerdings gibt es Ausnahmen: Während die meisten Regionen in den letzten Jahren einen deutlichen Gletscherrückgang zeigten, scheint das Karakorum-Gebirge der Eisschmelze zu trotzen. Entgegen des allgemeinen Trends legten die Eiskappen des Himalaya-Ausläufers im vergangenen Jahrzehnt teilweise sogar an Masse zu.

Unerklärliches Phänomen


Warum sich der Karakorum so ungewöhnlich verhält, war lange Zeit unklar. "Denn die meisten Klimamodelle gehen davon aus, dass sich die gesamte Region sowohl im Sommer als auch im Winter erwärmt", sagt Hayley Fowler von der Newcastle University. Die Klimawissenschaftlerin und ihre Kollegen haben nun jedoch eine Erklärung für das rätselhafte Phänomen gefunden.


Um dem anormalen Verhalten der Gletscher auf den Grund zu gehen, schauten sich die Forscher die über der Himalaya-Region herrschenden Zirkulationsmuster genauer an. Sie wollten wissen: Wie bewegen sich bestimmte Luftströme im Verlauf der Jahreszeiten über dem Gebiet und welchen Einfluss hat das auf die Temperaturen am Karakorum?

Luftzirkulation mit Kühleffekt


Dabei stellten sie fest: Schuld an der ungewöhnlichen Stabilität der Gletscher ist offenbar ein großflächiges Zirkulationssystem, das sein Zentrum genau über dem Karakorum-Gebirge hat. Dieses System beeinflusst im Winter fast die gesamte Gebirgskette des Himalayas - im Sommer aber zieht es sich zusammen und wirkt dann nur noch auf den Karakorum sowie das angrenzende westliche Pamirgebirge.

Als Folge ist es in diesen Regionen im Sommer anormal kühl, während der Rest des Himalayas zu schwitzen beginnt. Wie Fowler und ihre Kollegen berichten, interagiert das Zirkulationssystem dabei mit dem südasiatischen Monsun. Diese Interaktionen hätten in den vergangenen Jahrzehnten auch zu stürmischeren Bedingungen über dem Karakorum-Gebirge geführt.

"Wichtige Temperaturkontrolle"


"Zurzeit hat dieses Zirkulationssystem einen dämpfenden Effekt auf die Erderwärmung und reduziert die Gletscherschmelze in der Karakorum-Region deutlich", sagt Fowler. "Allerdings wissen wir nicht, ob und wie sich der Klimawandel künftig womöglich auf das System auswirkt." Das herauszufinden sei nun ein wichtiges Ziel: "Jede Veränderung hätte einen signifikanten Einfluss auf die Eisschmelze und würde zum Beispiel auch Auswirkungen auf die Flüsse in der Region haben", so die Forscherin.

"Dieses System fungiert als wichtige Temperaturkontrolle", ergänzt Fowlers Kollege Nathan Forsythe. "Es ist daher wichtig zu untersuchen, wie es sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts verändert und Einfluss auf die Temperaturen genommen hat. Auf diese Weise können wir besser verstehen, wie sich eine Änderung im System in Zukunft auf Wetter und Klima auswirken könnte." (Nature Climate Change, 2017; doi: 10.1038/nclimate3361)
(Newcastle University, 08.08.2017 - DAL)
 
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