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Montag, 11.12.2017
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Antibiotika: Resistenz-Alarm an Chinas Küsten

Millionen Resistenzgene in jedem Gramm Schlamm der Mündungsgebiete

Alarmierender Fund: Die Küste Chinas ist mit resistenten Bakterien verseucht. Forscher haben in allen großen Mündungsgebieten entlang der Küste massenhaft Resistenzgene im Sediment nachgewiesen – pro Gramm Schlamm sind es Millionen Genkopien. Diese machen gegen nahezu alle bekannten Antibiotika-Klassen immun, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Microbiology" berichten.
Diese multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sind nur ein Beispiel von vielen gegen Antibiotika resistenten Bakterien

Diese multiresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sind nur ein Beispiel von vielen gegen Antibiotika resistenten Bakterien

Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit zu. Auch in Europa sind bereits viele Erreger immun gegen die einst schärfsten Waffen der Medizin. Als Hauptursache gilt neben unnötig verschriebenen Antibiotika der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Vor allem China gilt hier als unrühmlicher Spitzenreiter.

Millionen Resistenzgene pro Gramm Schlamm


Wie groß das Problem wirklich ist, enthüllt nun eine Studie von Yong-Guan Zhu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seinen Kollegen. Sie haben die Sedimente von 18 großen Mündungsgebieten entlang der Ostküste Chinas auf Resistenzgene hin analysiert. Insgesamt entnahmen sie entlang der 4.00 Kilometer langen Küstenlinie 90 Proben.

Das erschreckende Ergebnis: In jeder Probe fanden die Wissenschaftler massenhaft Resistenzgene - egal, woher das Sediment stammte. "Ihre Menge reichte von knapp 900.000 bis zu 180 Millionen Genkopien pro Gramm Sediment", berichten Zhu und seine Kollegen. "Diese weite Verbreitung solcher Resistenzen in der aquatischen Umwelt ist alarmierend."


Immun gegen nahezu alle Wirkstoffklassen


Bedenklich daran ist nicht nur die schiere Menge, sondern auch die Vielfalt, wie die Forscher betonen. "Die gefundenen Resistenzgene machen gegen nahezu alle Antibiotikaklassen immun, die bei Menschen und Tieren eingesetzt werden", berichten sie. "Ihre Vielfalt ist sogar höher als in Proben von chinesischen Schweinefarmen."

Anzahl der verschiedenen Resistenzgene an den Probenstellen.

Anzahl der verschiedenen Resistenzgene an den Probenstellen.

Einige der 256 verschiedenen Gene deaktivieren die Antibiotika, andere helfen den Bakterien dabei, das Mittel auszuscheiden und wieder andere verhindern ein Eindringen des Wirkstoffs durch die Zellwand der Bakterien. "Auch Gene, die gleich gegen mehrere Antibiotikaklassen resistent machen waren häufig und in vielen Varianten vorhanden", so Zhu und seine Kollegen.

Besonders alarmierend: In allen Mündungsgebieten fanden die Wissenschaftler auch Resistenzgene gegen Vancomycin – mit Millionen Kopien pro Gramm Schlamm. Diese Reserve-Antibiotika werden normalerweise nur dann verabreicht, wenn andere, gängigere Mittel schon nicht mehr helfen. Doch die Bakterien im Sediment haben offenbar längst Abwehrstrategien auch gegen diese Waffen der Medizin entwickelt.

Abwasser und Aquakultur als Hauptschuldige


Woher aber kommt diese Resistenzschwemme? Wie die Forscher feststellten, häuften sich die Resistenzgene besonders dort, wo die Bevölkerungsdichte an Land hoch war und viel Aquakultur und Landwirtschaft betrieben wurde. Zudem enthielt der Küstenschlamm auch große Mengen Antibiotika verschiedener Klassen – je mehr davon vorhanden waren, desto mehr Resistenzgene wurden auch gefunden.

"Das spricht dafür, dass kommunales Abwasser und Aquakulturen erhebliche Mengen an Resistenzgenen in die Mündungsgebiete schwemmen", sagen die Wissenschaftler. Das Vorkommen von Resistenzgenen gegen Vancomycin deute zudem darauf hin, dass auch medizinische Einrichtungen eine wichtige Quelle sein könnten. Werde künftig nichts getan, um diese massive Verbreitung von Resistenzen in der Umwelt zu verhindern, könnte dies schwerwiegende Folgen für Landwirtschaft, Umwelt und die menschliche Gesundheit haben, betonen die Forscher. (Nature Microbiology, 2017; doi: 10.1038/nmicrobiol.2016.270)
(Chinese Academy of Sciences, 15.02.2017 - NPO)
 
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