• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 08.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Werften der antiken Seemacht Athen entdeckt

Archäologen finden Reste gewaltiger Hallen, Rampen und Mauern im Hafen von Piräus

Antike Machtbasis: Schiffshallen so groß wie zwei Fußballfelder, mächtige Schutzmauern und Rampen für enorme Kriegsschiffe – im Hafen von Piräus haben Archäologen in jahrelanger Arbeit aufgedeckt, welches gewaltige Ausmaß die Werften und Hafenanlagen der antiken Seemacht Athen hatten. Vor knapp 2.500 Jahren gehörten sie zu den größten Gebäudekomplexen der Antike.
Ein Archäologe beim Tauchgang zu antiken Resten einer Schiffshalle in Mounichia.

Ein Archäologe beim Tauchgang zu antiken Resten einer Schiffshalle in Mounichia.

Die Seeschlacht von Salamis um 480 vor Christus ging in die Geschichte ein. Denn in ihr schlugen nur 400 Kriegsschiffe der Athener die gut tausend Schiffe umfassende Flotte des Perserkönigs Xerxes. Dieser Sieg ebnete dem Stadtstaat Athen den Weg zu führenden Seemacht seiner Zeit. Kernstück der immer größer werdenden Flotte der Athener waren ausgedehnte und schwer befestigte Werften und Hafenanlagen in Piräus, dem Hafen von Athen.

Spurensuche im trüben Hafenwasser


Seit 2002 erforschen Archäologen und Taucher des Zea Harbour Projekts die Hafenbecken von Piräus auf der Suche nach den antiken Anlagen. Ein Teil der alten Befestigungen und Anlagen liegt noch heute auf dem Land und ist daher relativ bekannt und gut untersucht. Doch der mittlerweile im Meer versunkene Teil der antiken Häfen und Werften war - auch wegen des extrem trüben und kontaminierten Wassers – kaum erforscht.

Projektleiter Bjørn Lovén von der Universität Kopenhagen und sein griechisch-dänisches Team haben nun modernste Tauchtechnik, digitale Bildgebung und Vermessungstechniken genutzt, um mehr über das Kernstück der Athener Seemacht zu erfahren. In den beiden im Osten von Piräus liegenden Hafenbecken Zea Harbour und Mounichia wurden sie fündig. Ihre Ergebnisse aus gut zehn Jahren Forschung haben sie nun vorgestellt.


Werft für die Triremen


In Mounichia entdeckten Taucher bereits 2010 die Grundsteine von drei Kolonnaden sowie die Reste einer gewaltigen Mauer. Inzwischen haben die Forscher mit Hilfe von digitalen Scans und Tauchgängen sechs antike Werfthallen am Grund des Hafenbeckens identifiziert. Datierungen ergaben, dass die einst von Säulen gesäumten Hallen ab 520 vor Christus erbaut wurden. Sie stammen damit aus den Anfängen der Seemacht Athen.

In den beiden Hafenbecken Zea Harbour und Mounichia wurden die Archäologen fündig.

In den beiden Hafenbecken Zea Harbour und Mounichia wurden die Archäologen fündig.

"Es ist faszinierend sich vorzustellen, dass einige der Athener Kriegsschiffe, die vor Salamis im Jahr 480 vor Christus kämpften, wahrscheinlich in diesen Hallen untergebracht waren", sagt Lovén. Zu den Kriegsschiffen, die in Mounichia stationiert waren, gehörten auch die berühmten Triremen. Diese von in drei Etagen übereinander sitzenden Ruderern angetriebenen Schiffe waren zu dieser Zeit der wichtigste und erfolgreichste Schiffstyp der Antike.

Gewaltige Befestigungen


Neben den Werfthallen haben die Archäologen in Mounichia die massiven Befestigungen des antiken Hafens gefunden – über deren monumentale Größe waren selbst sie überrascht. An der Südseite war Mounichia durch eine zehn Meter dicke und 146 Meter lange Kaimauer geschützt, die damals bis zu 15 Meter hoch gewesen sein muss, wie die Forscher berichten.

Von der wahrscheinlich ähnlich dicken Nordmauer des Hafens ist neun Meter hoher Rest eines stabilen Wachturms erhalten, der einst die 13 Meter breite Hafeneinfahrt schützte. "Es muss ein beeindruckender Anblick gewesen sein für die Reisenden, die in der Antike an den befestigten Marinebasen von Piräus vorbeisegelten", sagt Lovén. "Keiner würde damals die Seemacht von Athen bezweifelt haben."

3D-Rekonstruktion der doppelten Werfthallen in Zea Harbour

3D-Rekonstruktion der doppelten Werfthallen in Zea Harbour

Zwei Fußballfelder große Hallen


Doch Mounichia war nur ein Teil der ausgedehnten Werften und Häfen der athenischen Flotte. In einem Hafenbecken westlich von Mounichia, Zea Harbour, haben die Forscher um Lovén weitere, noch umfangreichere Anlagen der griechischen Marine entdeckt. Sie wurden im vierten Jahrhundert vor Christus während des zweiten Goldenen Zeitalters der Seemacht Athen konstruiert, wie die Wissenschaftler berichten.

Anhand der Reste von Säulen, Wänden, Rampen und Gängen schließen die Archäologen, dass hier über 150 Jahre hinweg mindestens sieben verschiedenen Arten von Werfthallen und Rampen gebaut und genutzt wurden. Unter ihnen waren Hallen von 80 bis 90 Metern Länge, in denen mehrere Kriegsschiffe Bug an Bug gebaut und gelagert werden konnten. Rund zwei Fußballfelder groß, gehörten sie zu den größten Gebäudekomplexen der Antike, so Lovén und seine Kollegen.

Ende einer Seemacht


An der Südwestseite von Zea Harbour entdeckten die Forscher zudem sieben Rampen, die mit acht Metern Breite und 43 Metern Länge ungewöhnlich groß waren. Sie vermuten, dass über diese ein neuer Typ Kriegsschiff ins Wasser gelassen wurde, den die Athener am Ende ihrer Blütezeit, gegen 325 vor Christus entwickelt hatten. Diese sogenannten Penteres trugen 380 Mann Besatzung und waren 45 Meter lang – für damalige Zeit echte Giganten.

Doch selbst diese neue Kriegstechnologie konnte den Niedergang der Seemacht Athen nicht mehr aufhalten: 322 vor Christus verlor der Stadtstaat seine Vormachtstellung auf See, als eine Flotte der Mazedonier die Athener besiegte. Die mächtigen Hafenanlagen und Werften von Piräus versanken in den folgenden Jahrtausenden immer weiter im Wasser und Schlamm, weil der Meeresspiegel dort seit der Antike um 40 bis 50 Meter angestiegen ist, wie Lovén und seine Kollegen anhand der Ruinen ermittelten.
(Carlsbergfondet, 16.06.2016 - NPO)
 
Printer IconShare Icon