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Montag, 26.09.2016
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Droht dem Orient ein Klima-Exodus?

Klimawandel könnte Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas unbewohnbar machen

Durch Hitze unbewohnbar? Der Nahe Osten und Nordafrika könnten schon Mitte des Jahrhunderts unerträglich heiß werden. Denn wie neue Klimaprognosen zeigen, steigen die sommerlichen Mitteltemperaturen in den ohnehin heißen Regionen des Orients mindestens doppelt so schnell an wie im globalen Durchschnitt. Dadurch könnten viele Gebiete schon in naher Zukunft unbewohnbar werden, warnen die Forscher im Fachmagazin "Climatic Change".
Von Hitze und Wüstenstaub geplagt: Im Nahen und Mittlerern Osten wie hier in Kuweit kann es bis 2050 an Sommertagen bis 50°C heiß werden.

Von Hitze und Wüstenstaub geplagt: Im Nahen und Mittlerern Osten wie hier in Kuweit kann es bis 2050 an Sommertagen bis 50°C heiß werden.

Über 500 Millionen Menschen leben im Nahen Osten und in Nordafrika – einer Region, die schon jetzt vom Klimawandel stark betroffen ist. So ist die Dürreperiode im östlichen Mittelmeer die schlimmste der letzten 900 Jahre und die Zahl der extrem heißen Tage hat sich in der gesamten Region seit 1970 verdoppelt. Forscher gehen davon aus, dass diese Klimaveränderungen die Kriege und Konflikte dort gefördert und verschärft haben.

Doppelter Anstieg


Doch es könnte noch schlimmer kommen, wie Jos Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und seine Kollegen prognostizieren. Sie haben ermittelt, wie sich die Temperaturen im Nahen Osten und in Nordafrika im 21. Jahrhundert entwickeln werden. Dafür verglichen sie zunächst Klimadaten der Jahre 1986 bis 2005 mit den Ergebnissen von 26 Klimamodellen und nutzten diese anschließend, um die Klimaentwicklung für die Zeit von 2046 bis 2065 und 2081 bis 2100 zu berechnen.

Heraus kam Erschreckendes: Selbst wenn sich die Erde im Schnitt nur um zwei Grad Celsius erwärmt, wird die Sommertemperatur im Nahen Osten um mehr als das Doppelte ansteigen. Im Extremfall kühlt es dort schon Mitte des Jahrhunderts nachts nicht mehr unter 30 Grad ab. Die Mittagstemperatur könnte während heißer Tage sogar 50 Grad Celsius erreichen, wie die Forscher berichten.


Bis Mitte des Jahrhunderts könnten die Temperaturen im Sommer um etwa fünf Grad Celsius steigen - dabei ist es in vielen Gebieten schon jetzt extrem heiß.

Bis Mitte des Jahrhunderts könnten die Temperaturen im Sommer um etwa fünf Grad Celsius steigen - dabei ist es in vielen Gebieten schon jetzt extrem heiß.

"Geradezu lebensfeindlich"


"Das Klima in weiten Teilen des Orients könnte sich in den kommenden Jahrzehnten so verändern, dass es geradezu lebensfeindlich wird", sagt Lelieveld. "Der Klimawandel wird die Lebensumstände im Nahen Osten und in Nordafrika weiter deutlich verschlechtern. Langandauernde Hitzewellen und Sandstürme werden viele Gebiete unbewohnbar machen, was sicher zum Migrationsdruck beitragen wird."

So könnten extreme Hitzewellen könnten im Nahen Osten und Nordafrika künftig zehnmal häufiger auftreten du dramatisch länger anhalten. War es in den Jahren von 1986 bis 2005 durchschnittlich 16 Tage lang sehr heiß, wird es Mitte des Jahrhunderts an über 80 Tagen und Ende des Jahrhunderts an mehr als 118 Tagen ungewöhnlich heiß sein - selbst wenn die Treibhausgas-Emissionen ab 2040 wieder sinken sollten.

Dramatisch mehr Flüchtlinge


Für die Bewohner des schon jetzt von Konflikten und Dürre geplagten Nahen Ostens hat das fatale Folgen: Ihre ohnehin schon schwierigen Lebensdingungen werden sich in naher Zukunft noch weiter verschlechtern. Einige Gebiete könnten selbst bei effektivem Klimaschutz nahezu unbewohnbar werden, wie die Forscher erklären. Zusammen mit einer steigenden Luftverschmutzung durch Wüstenstaub, könnte der Klimawandel das Leben vieler Menschen dort so unerträglich machen, dass sie sich zur Flucht gezwungen sehen dürften.

Das aber bedeutet, dass die Zahl der Klimaflüchtlinge aus dieser Region künftig dramatisch steigen könnte. Auf Europa, das bereits mit der aktuellen Flüchtlingswelle Probleme hat, kommen daher weitere Herausforderungen zu. (Climatic Change, 2016; doi: 10.1007/s10584-016-1665-6)
(Max-Planck-Gesellschaft, 02.05.2016 - NPO)
 
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