• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 02.10.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Neugeborene in der galaktischen Provinz

Überraschende Sternengeburten im Außenbereich der Milchstraße

Unerwarteter Nachwuchs in der Milchstraße: Überraschend weit draußen haben brasilianische Astronomen zwei Haufen junger Sterne entdeckt – außerhalb der galaktischen Scheibe, wo eigentlich gar keine Sterne entstehen. Die Entdeckung zeigt, dass dieser Bereich des Raumes nicht so leer ist, wie gedacht. Warum die Sterne so weit entfernt von den üblichen Sternenwiegen entstehen konnten, ist allerdings noch nicht geklärt.
Künstlerische Darstellung der Milchstraße

Künstlerische Darstellung der Milchstraße

Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, ist im Wesentlichen eine Scheibe: Vom galaktischen Zentrum aus erstrecken sich mehrere Spiralarme in einer Ebene nach außen. In riesigen Gaswolken innerhalb dieser Spiralarme entstehen die meisten neuen Sterne. Diese jungen Sterne bilden oft ganze Sternenhaufen. Oberhalb und unterhalb der galaktischen Scheibe sind Sterne dagegen relativ selten, von einigen Ausreißern abgesehen. Neue Sterne entstehen dort überhaupt nicht, so die bisherige Annahme.

16.000 Lichtjahre außerhalb der Galaxie


Umso überraschender ist daher die Entdeckung, die Denilso Camargo von der Bundesuniversität von Rio Grande do Sul im brasilianischen Porto Alegre und seine Kollegen nun gemacht haben: Daten des NASA-Weltraumteleskops WISE zeigten Gaswolken außerhalb der galaktischen Scheibe an, mehrere tausend Lichtjahre darüber und darunter. Und in einer dieser Wolken fanden die Astronomen gleich zwei Haufen neugeborener Sterne.

WISE-Bilder der 16.000 Lichtjahre entfernten Sternenhaufen Camargo 438 (links) und 439 (rechts).

WISE-Bilder der 16.000 Lichtjahre entfernten Sternenhaufen Camargo 438 (links) und 439 (rechts).

Die beiden Sternenhaufen erhielten nach ihrem Entdecker die Bezeichnungen Camargo 438 und 439. Die Gaswolke HRK 81.4-77.8, in der sie sich befinden, ist wahrscheinlich erst etwa zwei Millionen Jahre alt und befindet sich 16.000 Lichtjahre unterhalb der Milchstraßen-Ebene. Von den üblichen und bekannten Sternenwiegen ist das eine gewaltige Strecke, noch nie zuvor haben Astronomen Sternengeburten so weit entfernt in den Außenbezirken unserer Galaxie gesehen.


Weniger leerer Raum als gedacht


"Unsere Arbeit zeigt, dass der Raum um die Galaxie viel weniger leer ist als wir dachten", sagt Camargo, und spinnt den Faden von der exotischen Lage der Sternenhaufen weiter: "In ein paar Millionen Jahren werden eventuelle Bewohner von Planeten um diese Sterne einen großartigen Blick auf die Milchstraße haben – etwas, was wohl kein Mensch je zu sehen bekommt."

Es bleibt die Frage, wie sich an so einer untypischen Stelle unserer Galaxie neue Sterne bilden können. Camargo und Kollegen bieten zwei mögliche Antworten darauf. Die erste Möglichkeit ist das sogenannte Kamin-Modell: Demnach hätten extreme Ereignisse wie Supernova-Explosionen Staub und Gas aus der Galaxie geschleudert. Wenn dieses Material gewissermaßen auf die galaktische Scheibe zurück regnet, könnte es sich genug verdichten, um darin Sterne entstehen zu lassen.

WISE-Abbildung der Staubwolken um den Sternenhaufen Camargo 438.

WISE-Abbildung der Staubwolken um den Sternenhaufen Camargo 438.

Mehr Daten und etwas harte Arbeit


Im zweiten Szenario stammen die nötigen Kräfte von außerhalb der Milchstraße: Wechselwirkungen mit unseren Nachbargalaxien, den Magellanschen Wolken, könnten ebenfalls verantwortlich sein. Sie könnten in die Milchstraße stürzendes Gas ausreichend aufgewirbelt haben, um die nötigen Gaswolken zu bilden und zu verdichten, bis darin Sterne geboren werden können.

Mit weiteren Beobachtungen wollen die Astronomen die Sternengeburten in der galaktischen Provinz aufklären: "Wir wollen verstehen, wie die Zutaten für die Entstehung von Sternen an so einen entfernten Fleck geraten konnten", sagt Camargo. "Wir brauchen mehr Daten und etwas harte Arbeit an Computermodellen, um diese Frage zu beantworten." (Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 2015; 448 (2): 1930-1936)
(Royal Astronomical Society, 27.02.2015 - AKR)
 
Printer IconShare Icon