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Freitag, 26.08.2016
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Riesiges Kaltwasser-Korallenriff vor Yucatan entdeckt

Expedition stößt im Golf von Mexiko auf eines der größten bekannten Vorkommen

Unerwarteter Fund: Im südlichen Golf von Mexiko haben Forscher eines der größten bislang bekannten Kaltwasserkorallenriffe entdeckt. In 500 bis 600 Meter Wassertiefe ragen dort zahlreiche bis zu 50 Meter hohe Korallenhügel auf. Das gesamte Riff bedeckt mehr als 40 Quadratkilometer, wie die Forscher berichten. Vermutlich sorgen günstige Strömungen dafür, dass die Korallen an dieser Stelle so reichlich wachsen konnten.
Eine Fliegenfänger-Seeanemone im Korallendickicht

Eine Fliegenfänger-Seeanemone im Korallendickicht

Im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten leben Kaltwasserkorallen in tieferen, kühleren Wasserschichten. Entdeckt wurden ihre Riffe bisher bereits in Norwegen, entlang Europas und Nordafrikas Küsten bis Mauretanien und in verschiedenen Regionen des Mittelmeers, aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks vor North-Carolina oder den Bahamas.

Im südlichen Golf von Mexiko waren Kaltwasserkorallenfunde bislang indes eher selten. „Aus Echolot-Untersuchungen wussten wir allerdings, dass es von Mexiko hügelartige Strukturen gibt, die den Kaltwasserkorallen-Hügeln in anderen Regionen sehr ähneln.“ sagt Expeditionsleiter Dierk Hebbeln vom MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen. Eine Expedition mit dem Forschungsschiff MARIA S. MERIAN im Frühjahr 2012 sollte genauere Aufschlüsse bringen.

Tauchroboter wird fündig


Am 21. März erreichte das Forschungsschiff die Campeche-Bank etwa 140 Seemeilen nördlich der mexikanischen Halbinsel Yucatan. In den folgenden Tagen untersuchten die Wissenschaftler rund 180 Quadratkilometer Meeresboden mit dem bordeigenen Fächerecholot. Zudem nahmen sie Wasser- und Bodenproben und ließen den mit Kamerasystemen und Greifarmen ausgerüsteten Tauchroboter Marum-Cherokee zu Wasser. Tatsächlich wurden sie fündig: Sie stießen auf bis zu 50 Meter hohe, längliche Korallenhügel, die sich teilweise über eine Länge von mehr als tausend Metern erstreckten.


Unterwasservideo des neuentdeckten Riffs im Golf von Mexiko

„Lebende Korallenkolonien besiedeln insbesondere die oberen Bereiche der Hügel“, erklärt die MARUM-Forscherin Claudia Wienberg. „Dort entdeckten wir regelrechte Korallendickichte. Die unteren Hangbereiche waren zumeist mit Korallenschutt oder weichem Sediment bedeckt.“ In den lebenden Korallendickichten im oberen Bereich der Hügel tummeln sich Dornenkrabben, Seeigel, Seesterne, Schnecken und Seelilien, wie die Forscher berichten. Unterhalb der Kammlagen prägen abgestorbene Korallenskelette das Bild. Sie sind Lebensraum für Glasschwämme und gelbe Seeanemonen.

Perfekte Versorgungslage für die Korallen


„Das Korallenökosystem auf der Campeche-Bank ist in seiner Ausdehnung mit den großen norwegischen Riffen vergleichbar und zählt damit zu den größten Vorkommen weltweit“, sagt André Freiwald vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven. Kaltwasserkorallen ernähren sich von tierischem und pflanzlichem Plankton, das als winzige Partikel aus dem obersten, lichtdurchfluteten Meeresstockwerken in die Tiefe sinkt.

„Die Versorgungslage im südlichen Golf ist geradezu perfekt: Hohe Produktion an der Meeresoberfläche und starke Bodenströmungen, die herabsinkende Nahrungspartikel in Richtung der Korallenhügel transportieren“, so Freiwald. „Zudem fanden wir in 520 Meter Wassertiefe, also genau dort, wo die Korallen leben, Dichtesprünge. Diese unsichtbare Grenze zwischen den Wassermassen verlangsamt das Absinken von Nahrungspartikeln aus dem obersten Ozeanstockwerk und verbessert die Chance der Korallen, diese Nahrung mit ihren Tentakeln zu fangen.“

Alter unklar


Unklar bleibt, seit wann die Kaltwasserkorallen die Campeche-Bank besiedeln. Vergleichbar hohe Korallenhügel vor Irland entstanden bereits vor mehr als zwei Millionen Jahren während Korallenhügel vor Norwegen seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren anwuchsen. „Aus der Höhe der Hügel auf das Alter zu schließen, wäre allzu spekulativ“, sagt Dierk Hebbeln, Erstautor des jetzt erschienen Papers. „Dazu bedarf es weiter gehender Untersuchungen.“ (Biogeosciences, 2014; doi: 10.5194/bg-11-1799-2014)
(MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen, 23.04.2014 - NPO)
 
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