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Sonntag, 25.09.2016
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Ballaststoffe schützen vor Asthma

Faserreiche Nahrung hemmt Entzündungsreaktion in der Lunge von Mäusen

Obst und Gemüse sind nicht nur allgemein gesund, sie können auch vor Asthma schützen: Forscher haben in Versuchen mit Mäusen festgestellt, dass eine Nahrung mit reichlich faserigen Ballaststoffen allergische Entzündungsreaktionen in der Lunge hemmt. Denn wie sich zeigte, produziert die Darmflora beim Fermentieren dieser Fasern Substanzen, die das Immunsystem günstig beeinflussen, so die Forscher im Fachmagazin "Nature Medicine". Das könnte auch erklären, warum Asthma bei uns immer häufiger wird: Dank Fast-Food und Co essen wir immer weniger faserreiches Obst.
Vor allem in Äpfeln ist viel Pektin enthalten - und diese fermentierbaren Fasern hemmen asthmatische Reaktionen.

Vor allem in Äpfeln ist viel Pektin enthalten - und diese fermentierbaren Fasern hemmen asthmatische Reaktionen.

Die Anzahl der Asthmafälle nimmt bei uns immer weiter zu. Zumindest in den Industrieländern erkrankten in den letzten fünfzig Jahren immer mehr Menschen neu an allergischem Asthma. Warum das so ist, war bisher unklar. Jetzt aber erhärtet sich ein Verdacht, den Forscher schon länger hegen: Unsere Ernährung könnte eine entscheidende Rolle spielen. Denn parallel zur Zunahme der Asthmafälle hat sich auch unsere Ernährung verändert: Früchte und Gemüse stehen immer seltener auf dem Speiseplan, Fast-Food und Fleisch dagegen häufiger. Damit sinkt auch die Aufnahme von faserigen Ballaststoffen.

Mäusefutter mit Pektin und Co


Jetzt haben Benjamin Marsland vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) und seine Kollegen herausgefunden, dass diese Entwicklungen nicht nur zeitlich zusammentreffen, sondern auch ursächlich miteinander zu tun haben. Dass die Ernährung die Darmflora beeinflusst und damit auch einige Aspekte unserer Gesundheit, ist schon länger bekannt. "Wir zeigen nun erstmals, dass der Einfluss der Darmbakterien viel weiter, nämlich bis zur Lunge, reicht", sagt Marsland.

Für ihre Studie verabreichten die Forscher Mäusen entweder eine Standarddiät mit vier Prozent fermentierbarer Fasern oder eine Niedrigfaserkost mit einem Anteil von nur 0,3 Prozent Fasern. Zu diesen Fasern gehört beispielsweise das in vielen Früchten und Gemüsen enthaltene Pektin. Die Niedrigfaserkost war mit der westlichen Ernährungsweise weitgehend vergleichbar, die durchschnittlich nur noch etwa 0,6 Prozent Ballaststoffe enthält. Anschließend setzten die Wissenschaftler die Mäuse beider Gruppen einem Extrakt von Hausstaubmilben aus, um das allergische Asthma zu provozieren.


Weniger Schleim und Entzündungszeichen


Wie sich zeigte, entwickelten die faserarm ernährten Mäuse eine stärkere allergische Reaktion mit weitaus mehr Schleim in der Lunge als die Mäuse mit der Standarddiät. Noch effektiver schützte die Nahrung die Mäuse, wenn sie Standardfutter bekamen, dass zusätzlich mit Pektin angereichert war. Bei ihnen waren noch weniger aggressive Abwehrzellen und Entzündungseichen in den Lungen zu erkennen als bei den normal ernährten Mäusen.

Aber auf welche Weise wirken Pektin und andere fermentierbare Fasern schützend? Die Untersuchungen ergaben, dass der Schutz das Resultat einer mehrstufigen Reaktionskette ist. Zuerst gelangen die Fasern in den Darm, wo sie von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert werden. Diese werden ins Blut abgegeben und beeinflussen die Reifung bestimmter Immunzellen im Knochenmark. Durch den Hausstaubmilbenextrakt angezogen, wandern diese sogenannten dendritischen Zellen in die Lunge und wirken dort einer übersteigerten Abwehrreaktion entgegen.

Schützende Wirkung der Ernährung auch beim Menschen


"Unsere Daten belegen, dass der Fasergehalt der Nahrung eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit spielt", konstatieren die Forscher. Denn die untersuchten Aspekte des Immunsystems bei Maus und Mensch unterscheiden sich kaum, die Ergebnisse sind daher höchstwahrscheinlich übertragbar. Die Ernährung beeinflusst demnach nicht nur unsere Darmflora, sondern über deren Produkte auch das Immunsystem und die Anfälligkeit für allergische Reaktionen. Diese Achse vom Darm über das Knochenmark bis in die Lunge könnte erklären, warum Asthmafälle in den letzten Jahrzehnten immer weiter zunehmen.

"Zusammengenommen sprechen unsere Ergebnisse dafür, dass Interventionen, die an der Ernährung ansetzen, nicht nur für Erkrankungen des Verdauungstrakts wertvoll und sinnvoll sind, sondern auch für entzündliche Erkrankungen der Atemwege und Lugen", so Marsland und seine Kollegen. Sie planen nun klinische Studien auch mit Menschen, um zu untersuchen, wie sich eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Diät auf Allergien und Entzündungen auswirkt. Schon jetzt steht jedoch fest, dass zu den vielen anderen Gründen, mehr Früchte und Gemüse zu essen, nun ein neues Argument hinzugekommen ist. (Nature Medicine, 2014; doi: 10.1038/nm.3444)
(Schweizerischer Nationalfonds SNF, 06.01.2014 - NPO)
 
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