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Mittwoch, 28.09.2016
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Hummeln lehren Vögel das Fürchten

Mit aggressivem Summen vertreiben die Insekten Meisen aus ihren Nestern - um sie dann selbst zu besiedeln

Normalerweise müssen sich Hummeln vor Vögeln in Acht nehmen, denn die rundlichen Insekten sind für viele eine willkommene Mahlzeit. Aber es geht auch umgekehrt: Hummeln schaffen es durchaus, die viel größeren Meisen aus ihren Nestern zu vertreiben und dann ihrerseits dort ihr Nest anzulegen. Wie die Hummeln dies schaffen, hat ein internationales Forscherteam jetzt näher untersucht. Wie sich zeigte, reicht schon das aggressive Warn-Summen der Insekten, um die Meisen zu vertreiben. Das eigentlich aus Notwehr abgegebene Warnsignal habe damit einen Doppelnutzen, berichten die Forscher im Fachmagazin " Behavioral Ecology & Sociobiology".
Hummeln der Art Bombus ardens vertreiben mit ihrem Summen selbst Meisen aus dem Nest

Hummeln der Art Bombus ardens vertreiben mit ihrem Summen selbst Meisen aus dem Nest

In Wäldern und Parks herrscht eine rege Konkurrenz um Wohnungen: Singvögel, Fledermäuse, einige Wildbienen und auch Hummeln machen sich die besten Astlöcher und Stammhöhlen streitig, um dort ihre Nester und Schlafhöhlen anzulegen. Vor allem die Hummeln mögen es dabei - ähnlich wie die Vögel - wohlgepolstert: Sie bevorzugen Nesthöhlen, in denen bereits Gräser, Haare, Blätter und anderes Polstermaterial liegt. Weil der Transport für die kleinen Insekten aber extrem mühsam ist, wählen sie den bequemeren Weg: Sie suchen sich Nester, die bereits von Singvögeln angelegt wurden.

Harte Konkurrenz um Nistkästen


Unklar war bisher allerdings, ob die Hummeln dabei nur Nutznießer sind und bereits verlassene Nester besiedeln, oder ob sie sogar noch einen Schritt weiter gehen und aktiv die Vögel aus ihrem Nest vertreiben. Um das zu klären, haben Piotr Jablonski von der Nationalen Universität Seoul in Südkorea und seine Kollegen das Verhalten von Hummeln und Kohlmeisen sowie Blaumeisen näher untersucht. Für ihre Studie brachten die Forscher mehr als hundert Nistkästen in einem Waldstück bei Seoul an. Da in diesem Gebiet natürlich Astlöcher und Höhlen rar sind, war zu erwarten, dass sowohl Hummeln als auch Meisen diese dankend annehmen würden.

In regelmäßigen Abständen kontrollierten die Biologen, ob sich Anzeichen für einen Nestbau in den Kästen zeigten, ob Eier oder Jungvögel darin lagen und ob Hummeln anwesend waren oder nicht. Wie sich zeigte, waren sowohl im ersten als auch im zweiten Jahr zwischen 12 und 21 Prozent der Nistkästen mit Hummeln besiedelt. In allen Fällen hatten Vögel in diesen bereits begonnen ein Nest zu bauen. In zwei Fällen lagen sogar kalte, eindeutig verlassene Vogeleier in dem von Hummeln besiedelten Kasten, wie die Forscher berichten.


Summen schlägt Meisen in die Flucht


Um herauszufinden, ob die Hummeln die Vögel vertrieben hatten und wodurch, führen die Forscher ein Experiment durch: Sie versteckten einen Miniatur-Lautsprecher im Nistmaterial von Nestern, in denen Meisen brüteten. Auf den Lautsprecher klebten sie zu dem eine tote Hummel. Wenn sich ein Vogel näherte, spielten die Wissenschaftler den aggressiven Summton ab, den Hummeln von sich geben, wenn ihr Nest angegriffen wird. Zum Vergleich spielten sie einigen Meisen in gleicher Lautstärke Vogelrufe vor. Über eine kleine Kamera im Nistkasten beobachten die Forscher die Reaktion des Vogels.

Während die Vogelrufe nur geringe Störungen hervorriefen, fiel die Reaktion der Vögel auf das Hummelsummen deutlich stärker aus: "Die meisten brütenden Meisenweibchen zeigten klare Anzeichen für Angst", berichten die Forscher. "Sie standen auf, wichen vor dem Klang des Hummelsummens an den Rand des Nests zurück und flogen aus dem Nistkasten." Die meisten Meisen beachteten dabei allerdings die tote Hummel kaum.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass es tatsächlich das akustische Signal ist, das den Hummeln dabei hilft, die Vögel aus den Nestern zu vertreiben", erklären die Wissenschaftler. Offenbar hätten die erwachsenen Vögel gelernt, dieses Geräusch mit der Gefahr des Gestochenwerdens zu assoziieren. Das aggressive Summen gestörter Hummeln dient den Insekten demnach nicht nur als Warnsignal, wenn sie selbst angegriffen werden. Es hilft ihnen auch dabei, sich in dem zwischenartlichen Konkurrenzkampf um Nester durchzusetzen. (Behavioral Ecology and Sociobiology, 20132; doi: 10.1007/s00265-013-1553-2)
(Springer Science+Business, 29.05.2013 - NPO)
 
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