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Weltbevölkerung erreicht 7-Milliarden-Marke
WWF: Menschheit lebt „auf Pump“
Heute ist laut Berechnungen der Vereinten Nationen der siebenmilliardste Mensch auf der Erde geboren worden. Damit ist die Weltbevölkerung innerhalb von nur zwölf Jahren um eine Milliarde Menschen gewachsen – Tendenz weiter steigend. Pro Sekunde kommen laut der Stiftung Weltbevölkerung (DSW) 2,6 Erdenbürger hinzu, pro Tag sind das 228.000 Menschen.
Bevölkerungswachstum
Bevölkerungswachstum
© IMSI MasterClips
Besonders rasant wächst die Bevölkerung in Afrika. Bis zur Jahrhundertmitte werden hier fast zwei Milliarden Menschen leben – doppelt so viele wie heute. Die meisten Länder Afrikas können ihre Bevölkerung schon heute nicht ausreichend versorgen. Das rasante Bevölkerungswachstum übt zusätzlichen Druck auf die natürlichen Ressourcen sowie auf Bildungs- und Gesundheitssysteme aus und verschärft die Armut.

Weltbevölkerungsuhr in Hannover
Um auf das rasante Weltbevölkerungswachstum – zu 99 Prozent in Entwicklungsländern – hat die DSW bereits am Freitag in Hannover eine Weltbevölkerungsuhr installiert. Sie zählt, wie viele Menschen zurzeit auf der Erde leben und ist heute um 12 Uhr auf die Zahl sieben Milliarden umgesprungen.

Doch um die Nachfrage nach natürlichen Rohstoffen zu decken, bräuchte man nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation WWF bereits heute einen zweiten Planeten. Mit den Bevölkerungszahlen wird auch der Bedarf an Wasser, Nahrung und Energie weiter steigen. Die Menschheit befriedigt ihren Ressourcenbedarf der WWF-Studie „Living Planet Report“ zufolge seit Jahren von den „ökologischen Rücklagen“ der Natur.

Wasser und Böden effizienter nutzen
„Wir leben derzeit auf Pump. In Zukunft müssen Nahrungsmittel und knappe Produktionsmittel wie Wasser und Böden gerechter und effizienter genutzt werden“, fordert daher Matthias Meissner, Agrarreferent beim WWF Deutschland. „Damit eine Stabilisierung der Welternährung möglich wird, müssten die Industrieländer zusätzlich ihren Fleischkonsum reduzieren und die allgemeine Wegwerfmentalität des Handels und der Verbraucher müsste gestoppt werden.“

Die FAO fordere deshalb schon heute eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis 2050. Eine Intensivierung der Landwirtschaft ist jedoch nur ein kleiner Teil der Lösung. Zu diesem Ergebnis kam eine gemeinsame Studie des WWF Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Reduzierung der Nachernteverluste wichtig
Viel dringlicher sei es, eine gerechtere und effizientere Verteilung der Nahrungsmittel und Produktionsgüter zu erreichen, so der WWF. So würde eine Halbierung der Nachernteverluste bei Weizen lediglich eine Produktionssteigerung von 48 statt 70 Prozent notwendig machen. Nachernteverluste sind Lebensmittel und Rohstoffe, die zwischen Ernte und Verbraucher weggeworfen werden.

Weltbevölkerungsbericht 2011 vorgestellt
„In Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum und niedrigem Einkommen – vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Südasien – können viele Frauen nach wie vor nicht die Zahl und den Zeitpunkt ihrer Geburten selbst bestimmen“, nannte Werner Haug vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) bei der Vorstellung des diesjährigen UNFPA-Weltbevölkerungsberichts vor ein paar Tagen einen der Gründe für die „Bevölkerungsexplosion“.

„Da in diesen Ländern das demographische Wachstum das wirtschaftliche Wachstum übertrifft, wird der Aufbau eines funktionierenden Gesundheitssystems und Bildungswesens erheblich erschwert. Diejenigen Länder, in denen das Bevölkerungswachstum bereits abgeflacht ist – zum Beispiel China –, sind mit rascher Verstädterung, Binnen- und internationaler Migration, erhöhter Umweltbelastung sowie sozialer Ungleichheit konfrontiert. Und in jenen Ländern, in denen die Kinderzahlen unter das Ersatzniveau von 2,1 Kindern pro Frau gesunken sind, wie in Japan, Südkorea und Deutschland, sind die Alterung und der Erhalt von Innovationskraft und Produktivität die zentralen Herausforderungen.“

Familienplanung steigert Lebensqualität
Der Weltbevölkerungsbericht verdeutlich der DWS zufolge, dass ein verbesserter Zugang zu Familienplanung die Lebensbedingungen der Menschen verbessert. Beispiel Bangladesch: In einigen Dörfern stellte die Regierung den verheirateten Frauen Verhütungsmittel und Beratungsangebote zur Verfügung. Innerhalb von zwei Jahrzehnten sank die Fertilität in den Dörfern um zehn bis 15 Prozent, die Gesundheit der Kinder und Mütter verbesserte sich merklich, und das durchschnittliche Haushaltsvermögen lag um 25 Prozent höher als in vergleichbaren Dörfern.

„Das rasante Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern muss sich verlangsamen, um den globalen Herausforderungen wie Ressourcensicherung und Klimawandel zu begegnen“, betont Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. „Familienplanung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Allein in Entwicklungsländern werden noch immer jedes Jahr 75 Millionen Frauen ungewollt schwanger, vor allem weil sie nicht verhüten können. Um den Bedarf an Familienplanung weltweit zu decken, müssen Geber- und Entwicklungsländer 6,7 Milliarden US-Dollar pro Jahr bereitstellen – etwa doppelt so viel wie derzeit. Der Meilenstein der sieben Milliarden Menschen ist ein Aufruf, jetzt endlich zu handeln.“
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