Neu angesiedelte Raubtiere sind anpassungsfähiger als erwartet Deutschlands Wölfe scheuen auch die Nähe des Menschen nicht - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neu angesiedelte Raubtiere sind anpassungsfähiger als erwartet

Deutschlands Wölfe scheuen auch die Nähe des Menschen nicht

Wolf im Bayrischen Wald © Martin Mecnarowski / CC-by-sa 3.0

Die erst seit kurzem wieder in Deutschland heimischen Wölfe sind anpassungsfähiger und mobiler als gedacht. Sie halten sich nicht nur in Wäldern auf, sondern auch in offenem Gelände und sogar in der Nähe von Straßen. Das zeigt eine jetzt vorgestellte Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zum Ausbreitungsverhalten der Wölfe in Deutschland. Forscher hatten dafür in der sächsischen Lausitz sechs Wölfe mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Bewegungen per Satellit über zwei Jahre, von 2009 bis 2011, verfolgt. In Mitteleuropa sei dies die erste Studie dieser Art, sagen die Wissenschaftler.

Die Auswertungen ergaben, dass die Wölfe bis zu 70 Kilometer am Tag zurücklegten. „Dabei überwinden sie nicht nur Flüsse und Autobahnen, sondern sie fühlen sich auch in einer Vielzahl von Lebensräumen wohl, sofern man sie in Ruhe lässt“, sagte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Bonn. Ein mit Sender ausgestattetes erwachsenes Wolfsweibchen legte sogar keine 500 Meter von einer vielbefahrenen Straße mehrere Höhlen zur Aufzucht ihrer Jungen an, berichten die Forscher.

„Wölfe brauchen also keine Wildnis, sondern sie können sich auch in unserer Kulturlandschaft sehr rasch ausbreiten und an die unterschiedlichsten Lebensräume anpassen“, sagt Jessel. Man sollte sich deshalb überall in Deutschland auf das Erscheinen des Wolfes einstellen, sagen die Wissenschaftler. Um ein möglichst konfliktfreies Miteinander von Menschen und Wölfen sicherzustellen, müssten auch die Naturschutz- und Managementpläne dieses Verhalten der Tiere berücksichtigen.

Große individuelle Unterschiede zwischen den Wölfen

Die Studie gibt erstmals Aufschluss nicht nur über die Wanderleistungen, sondern auch über die individuellen Unterschiede zwischen einzelnen Wölfen. Anhand der Sender konnten die Forscher nachverfolgen, wann die einzelnen Jungwölfe ihr elterliches Rudel verlassen, um sich einen Paarungspartner zu suchen und ein eigenes Territorium zu besetzen. So verließ ein junger Rüde nach zwölf Monaten das Rudel und wanderte in etwa zwei Monaten 1.550 Kilometer weit bis nach Weißrussland. Ein Wolfsweibchen blieb dagegen auch noch nach mehr als zwei Jahren bei ihrer Familie.

Auch beim Raumbedarf zeigten sich die untersuchten Wölfe sehr individuell, wie die Forscher herausfanden: Zwischen 49 und 375 Quadratkilometer Fläche seien von den Tieren genutzt worden. Dies entspricht einer durchschnittlichen Territoriumsgröße von 172 Quadratkilometern, zeigt aber die große Variationsbreite im Raumbedarf.

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(Bundesamt für Naturschutz, 28.10.2011 – NPO)

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