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Dienstag, 24.01.2017
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Dopaminmangel erhöht Bulimie-Risiko

Forscher: Zur Behandlung nicht nur Anti-Depressiva in Erwägung ziehen

Schweizer Forscher haben einen Zusammenhang zwischen der Konzentration des Nervenbotenstoffs Dopamin im Hirn und der Anfälligkeit für Bulimie gefunden. Die neuen Ergebnisse könnten nach Angaben der Wissenschaftler der Ausgangspunkt einer neuen Therapie sein.
Nervenzelle

Nervenzelle

Schätzungen zufolge sind aktuell etwa 80.000 vorwiegend junge Frauen sowie 8.000 Männer von der Bulimie oder Ess-Brech-Sucht betroffen – nur in der Schweiz. Kennzeichen dieser komplexen psychischen Störung sind Heißhungerattacken und unkontrollierte Essanfälle, auf die jeweils Gegenmaßnahmen wie etwa Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln folgen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Anti-Depressiva im Einsatz


Neben psychotherapeutischen Maßnahmen kommen in der Behandlung von Bulimikerinnen oft auch Anti-Depressiva zum Einsatz, die den Haushalt des Nervenbotenstoffes Serotonin regulieren. Doch diese Medikamente wirken in einigen Fällen nicht.

Dann sollten Ärzte auch andere Wirkstoffe in Erwägung ziehen, denn bei der Bulimie spielen auch andere Botenstoffe wie etwa Dopamin eine wichtige Rolle, wie Gregor Hasler von der Universitäts- und Poliklinik für Psychiatrie Bern und Kolleginnen und Kollegen vom Universitätsspital Zürich nun in einem klinischen Versuch nachgewiesen haben.


Weniger robust


Die Forscher verabreichten 19 Frauen, die früher in ihrem Leben an Bulimie litten, sowie 31 gesunden Frauen eine Substanz, die Nervenzellen daran hindert Dopamin herzustellen und dadurch die Konzentration dieses Nervenbotenstoffs im Hirn vorübergehend senkt. Dabei zeigte sich einerseits, dass das Belohnungssystem im Hirn der Frauen, die früher an Bulimie litten, weniger robust ist als dasjenige der Gesunden und auf Schwankungen in der Konzentration des Botenstoffs Dopamin stärker reagiert.

Unter Dopamin-Mangel fiel es diesen Frauen viel schwerer, in psychologischen Tests ihre Antworten an sich verändernde Belohnungsreize anzupassen. „Ich bin zuversichtlich, dass psychologische Methoden, die das Belohnungssystem stärken können, auch zur Vorbeugung und Behandlung der Bulimie wirksam sind“, sagt Hasler.

Leichter Rückfall


Andererseits lösten die fehlenden Botenstoffe bei einigen Frauen einen leichten Rückfall aus. In telefonischen Interviews berichteten sie von einem stärkeren Essdrang, eine Frau hatte sogar wieder einen Essanfall. Aber daraus schließen die Wissenschaftler, dass es umgekehrt auch möglich sein müsse, der Bulimie mit korrigierenden Eingriffen in den Botenstoffhaushalt Einhalt zu gebieten.

„Doch wir stehen erst am Anfang. Das therapeutische Potenzial von Medikamenten, welche die Konzentration von Dopamin im Hirn stabilisieren, muss noch getestet werden“, sagt Hasler.
(Schweizerischer Nationalfonds SNF, 05.10.2011 - DLO)
 
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