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Donnerstag, 24.05.2012
EHEC: Sprossen-Produktion als Seuchenherd?
Unternehmen im Landkreis Uelzen unter Verdacht
Bei der Suche nach der Quelle der zurzeit grassierenden EHEC-Epidemie haben Behörden eine neue Spur entdeckt: Im Verdacht steht jetzt ein Betrieb, der aus Saatgut Sprossen zieht und diese verkauft. Noch stehen Laborergebnisse aus, aber die Behörden warnen vorsorglich vor dem Verzehr von rohen Keimlingen.

Sprossen als EHEC-Vehikel?
Sprossen als EHEC-Vehikel?
© Tamago915 / CC-by-sa 3.0 Sprossen als EHEC-Vehikel?
Nachdem die spanischen Gurken sich als Sackgasse entpuppten und die Behörden in den letzten Tagen weiterhin prophylaktisch Vorsicht bei Gurken, Tomaten und Salat empfahlen, scheint sich jetzt ein ganz anderes Gemüse als Sündenbock herauszukristallisieren: Sprossen. In roher Form beliebt als Salatzugabe oder Dekoration werden die Keimlinge verschiedener Bohnenarten, Kichererbsen, Weizen, Sonnenblumen oder auch Radieschen aus Samen gezogen und nach einigen Tagen geerntet. Jetzt hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium einen Sprossenzuchtbetrieb entdeckt, der die Quelle der Infektionen sein könnte.

Indizien für Sprossenproduktion als Erregerquelle
Nach Informationen der Behörde sei eine Verbindung zu nahezu allen Ausbruchsstellen herstellbar, zudem sei eine Mitarbeiterin des Betriebs nachweislich an EHEC erkrankt. Das im Landkreis Uelzen liegende Bio-Unternehmen produziert verschiedene Sprossenarten für den Vertrieb in Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern. Bei der Herstellung der Keimlinge werden die Pflanzensamen bei hoher Luftfeuchtigkeit und 37°C - optimaler Kulturtemperatur für Keime – zum Keimen gebracht. Tierischer Dünger oder Gülle ist allerdings im Produktionsprozess nicht im Spiel. Wie die Keime an die Sprossen gelangt sein könnten, ist daher noch unklar.

Laborergebnisse liegen noch nicht vor
„Wir können nicht sicher sein, ob es die Sprossen wirklich selber sind", erklärte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, im ZDF. Noch ist auch der eindeutige Nachweis des Erregers im Labor nicht abgeschlossen, die Ergebnisse könnten bis Dienstag auf sich warten lassen. Da aber die Indizien laut Behörden für einen Zusammenhang mit der EHEC-Epidemie sprechen, wird zurzeit vor dem Verzehr von Sprossen gewarnt.

Bis Montagnachmnittag waren 23 der 40 Proben ausgewertet. Alle waren jedoch negativ, was erneut Zweifel an diesem Betrieb als alleiniger Seuchenquelle aufkommen lässt. Zuvor hatten auch schon andere Behörden wie das Hygieneinstitut in Hamburg acht Proben von Sprossen in Norddeutschland analysiert und ebenfalls keine EHEC-Erreger gefunden.

Mit inzwischen 21 Todesfällen und 1.526 Erkrankten bundesweit ist die zurzeit grassierende EHEC-Epidemie der bislang größte Ausbruch in Deutschland und einer der schwerwiegendsten weltweit. Neben schweren Durchfällen können die enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) auch ein so genanntes hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) auslösen. Diese schwere, unter Umständen tödliche Komplikation führt zu inneren Blutungen und Nierenversagen. Die Erreger werden von Tieren, meist Rindern, Schafen oder Ziegen, auf den Menschen übertragen. Oft geschieht dies über mit Gülle oder verunreinigtem Wasser in Berührung gekommenen Nahrungsmitteln oder durch direkten Kontakt.

Mehr zum Thema in unserem Special: EHEC-Epidemie in Deutschland
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