Unterversorgung in der Schlaganfall-Vorbeugung bei Hausärzten und nicht spezialisierten Kliniken Herzrhythmusstörung: lieber zum Spezialisten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unterversorgung in der Schlaganfall-Vorbeugung bei Hausärzten und nicht spezialisierten Kliniken

Herzrhythmusstörung: lieber zum Spezialisten

Wer an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung in Detuschland, leidet, landet nicht immer beim Kardiologen oder in der spezialisierten Fachklinik. Oft führt auch der Hausarzt oder Internist die Therapie durch. Das allerdings kann für den Patienten eine Unterversorgung bedeuten: Wissenschaftler des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) haben festgestellt, dass es bei der Schlaganfallprophylaxe in Deutschland durchaus Qualitätsunterschiede gibt zwischen Hausärzten und kleineren Kliniken einerseits und spezialisierten Fachärzten oder -zentren andererseits.

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Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind rund eine Million überwiegend ältere Menschen betroffen, Tendenz steigend. Die Rhythmusstörung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu schweren Komplikationen führen, insbesondere zum Schlaganfall. Um das Schlaganfallrisiko zu senken, ist daher in den meisten Fällen eine antithrombotische Therapie mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten notwendig. Zusätzlich ist es wichtig, zugrunde liegende Erkrankungen wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit oder Diabetes zu behandeln und die Herzfrequenz zu regulieren. Darüber hinaus empfehlen die aktuellen Leitlinien abhängig von den Symptomen bei manchen Patienten eine rhythmuserhaltende Behandlung mit antiarrhythmischen Medikamenten oder durch eine Katheterablation.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) hat das Auftreten und die Behandlung von Vorhofflimmern in Deutschland in einem großen bundesweiten Register erfasst und dokumentiert. Das Register enthält die Daten von rund 10.000 Patienten. Anders als bei den meisten Studien stammen die Patienten des AFNET Registers aus allen Ebenen der medizinischen Versorgung, das heißt 39,6 Prozent aus großen Zentren der Maximalversorgung wie beispielsweise Universitätskliniken, 24,4 Prozent aus kleineren regionalen Krankenhäusern, 27,6 Prozent aus kardiologischen Fachpraxen und 8,4 Prozent aus Praxen von Allgemeinärzten oder Internisten.

Unterversorgung bei Hausärzten und nicht spzialisierten Kliniken

Die Auswertungen zeigen, dass die Behandlung von Vorhofflimmern insgesamt zwar überwiegend leitliniengerecht durchgeführt wird. Allerdings hat sich herausgestellt, dass es vor allem bei der Schlaganfallprophylaxe eine Unterversorgung gibt: Nicht alle Patienten mit hohem oder sehr hohem Schlaganfallrisiko bekommen eine angemessene gerinnungshemmende Therapie, wie sie von den Leitlinien empfohlen wird. Dabei fallen insbesondere Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Ebenen der medizinischen Versorgung auf: Während in Universitätskliniken und bei niedergelassenen Kardiologen, also in den spezialisierten Fachzentren, rund 70 Prozent der Patienten leitliniengerecht antithrombotisch behandelt wurden, waren es in den weniger spezialisierten regionalen Krankenhäusern und Hausarztpraxen nur rund 50 Prozent.

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Mehr Schulung für Ärzte gefordert

Die Entscheidung für oder gegen eine antithrombotische Behandlung hängt also offensichtlich davon ab, wie spezialisiert die Klinik oder Praxis bzw. die dort tätigen Ärzte sind. Die Wissenschaftler des Kompetenznetzes Vorhofflimmern führen diesen Unterschied im Wesentlichen darauf zurück, dass die

Kardiologen, die überwiegend in den spezialisierten Zentren arbeiten, im Bereich der antithrombotischen Behandlung offensichtlich besser informiert sind als die Internisten und Allgemeinmediziner, die hauptsächlich in den weniger spezialisierten Zentren vertreten sind. Um dieses Defizit zu verbessern, fordern sie deshalb eine intensivere Schulung der Ärzte hinsichtlich der aktuellen Behandlungsleitlinien im Bereich der Schlaganfallvorbeugung.

Bei anderen Behandlungsentscheidungen, zum Beispiel für oder gegen eine rhythmuserhaltende Behandlung, wurde kein entsprechender Unterschied zwischen den unterschiedlichen Zentren gefunden. (Thrombosis and Haemostasis, 2011; DOI:10.1160/TH11-02-0070)

(Kompetenznetz Vorhofflimmern, 07.06.2011 – NPO)

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