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Sonntag, 28.08.2016
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Hat das sechste große Massenaussterben schon begonnen?

Aktuelle Aussterberate weit über dem Normalen, Eskalation aber noch vermeidbar

Erleben wir heute das sechste große Massenaussterben der Erdgeschichte? Diese Frage haben jetzt Forscher in „Nature“ mit einem klaren „Jein“ beantwortet. Ihre Auswertung für am besten untersuchte Tiergruppe, die Säugetiere, ergab, dass die heutigen Aussterberaten zwar ganz deutlich über dem Durchschnitt und im Bereich der Massenaussterben liegen. Ein Artenschwund der Größenordnung der „Großen Fünf“ könne aber noch verhindert werden.
"Auslaufmodell" Tiger

"Auslaufmodell" Tiger

Das Leben auf der Erde hat bereits einige Massenaussterben erlebt. Fünf davon jedoch gelten als die „Großen Fünf“. In ihnen starben jeweils drei Viertel oder mehr aller Tier- und Pflanzenarten. Das früheste von ihnen ist das Massenaussterben am Ende des Kambriums vor rund 520 Millionen Jahren, als das bisher letzte gilt der Niedergang der Dinosaurier und mit ihnen das Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren. Seit einigen Jahren jedoch wird diskutiert, ob der rapide Artenverlust, den wir heute erleben, möglicherweise das sechste große Massenaussterben der Erdgeschichte werden könnte.

Die große Schwierigkeit bei der Beantwortung dieser Frage: Die durch die Fossilien ermittelten Aussterberaten lange vergangener Ereignisse lassen sich nur schwer mit den eher spärlichen Werten des heutigen Artenschwunds vergleichen. Beide weisen jeweils unterschiedliche Lücken auf. Die historischen Aufzeichnungen, die eine Abschätzung der heute verschwindenden Artenzahl erlauben, reichen nur wenige hundert Jahre zurück. Hinzu kommt, dass nach Schätzungen von Biologen noch ein Großteil der Arten gänzlich unbekannt und unbestimmt sind. Ihr Verschwinden würde daher nirgendswo erfasst.

Ein bis zwei Arten pro Million Jahren ist normal


Ein Forscherteam der Universität von Kalifornien in Berkeley hat für diese Probleme nun einen neuen Lösungsansatz gefunden. „Anstatt eine einzige Aussterbensrate zu kalkulieren, haben wir die Spannbreite der Todesraten für die Massenaussterben der Fossilgeschichte ermittelt“, erklärt Charles Marshall, Professor für integrative Biologie an der Universität von Kalifornien in Berkeley und Direktor des dortigen Museums für Paläontologie. „Diese vergleichen wir dann mit den heutigen Raten.“


Das Forscherteam konzentrierte sich dabei auf die Tiergruppe der Säugetiere, da deren heutige Verbreitung und Artenzahl am besten untersucht ist und auch die aus den Fossilien ermittelte Entwicklungsgeschichte relativ gut belegt ist. Die durchschnittliche Aussterberate – die Rate, mit der Arten außerhalb von definierten Massenaussterben verschwinden – berechneten die Wissenschaftler auf weniger als zwei aussterbende Arten pro eine Million Jahre.

Aktuelle Rate im Bereich der Massenaussterben


Demgegenüber sind allein in den letzten 500 Jahren nach aktuellen Schätzungen mindestens 80 Säugetierarten von insgesamt 5.570 ausgestorben. „Damit sieht es so aus, dass die modernen Aussterberaten denen der Massenaussterben ähneln, selbst wenn man einen hohen Maßstab anlegt für die Definition solcher Ereignisse“, erklärt Anthony D. Barnosky, ebenfalls Professor für integrative Biologie an der Universität. Seiner Ansicht nach bewegt sich der heutige Artenschwund klar im Bereich eines Massenaussterbens.

Aber ist die Rate bereits so hoch, dass man von einem weiteren „Großen Massenaussterben“ sprechen kann? Nach Ansicht der Forscher hängt dies stark davon ab, wie sich die Lage in den nächsten hunderten Jahren entwickeln wird. „Wenn die zurzeit bedrohten Arten – diejenigen, die offiziell als kritisch bedroht, bedroht oder gefährdet eingestuft sind – tatsächlich aussterben würden und wenn die Rate des Aussterbens so bleibt, dann haben wir in nur drei bis 22 Jahrhunderten das sechste Massenaussterben“, so Barnosky.

Noch kann das „Big Six“ verhindert werden


Doch noch ist es nicht zu spät, so die Einschätzung der Wissenschaftler, diese Entwicklung aufzuhalten und die kritisch bedrohten Arten kurz vor dem endgültigen Aus zu retten. „Bisher sind in den Gruppen, die wir gut kennen, nur ein bis zwei Prozent der Arten ausgestorben. Diese Zahlen zeigen, dass wir auf dem Weg zum Massenaussterben noch nicht zu weit fortgeschritten sind“, so Barnosky. „Es bleiben noch immer eine Menge Lebensformen, die wir retten können.“

Sein Kollege Marshall betont jedoch, dass die bisher relativ geringe Anzahl der Aussterbeereignisse kein Grund zur Entwarnung sei: „Nur weil die Magnitude verglichen mit den fünf großen Massenaussterben der letzten 540 Millionen Jahre noch niedrig ist, heißt das nicht, dass sie nicht signifikant wären. Die aktuellen Raten liegen noch immer deutlich über dem der meisten Massenaussterben der Erdgeschichte.“ Nach Ansicht der Forscher müssen jetzt Ressourcen und politische Bemühungen stärker als bisher auf den Artenschutz konzentriert werden, wenn der Mensch nicht die erste Tierart sein wolle, der ein Massenaussterben auslöst.
(University of California – Berkeley, 03.03.2011 - NPO)
 
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