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Montag, 16.01.2017
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Warme Meere sind Wüsten der Artenvielfalt

Hotspots der globalen marinen Biodiversität überraschenderweise nicht in den Tropen

Die Wassertemperatur ist ein Schlüsselfaktor für die Artenvielfalt der Ozeane – allerdings auf andere Weise als bisher angenommen. Eine globale Analyse von Umweltfaktoren und Artenverteilung in „Nature“ enthüllt nun, dass wärmeres Meerwasser die Artenvielfalt nicht fördert, sondern eher zu senken scheint. So weisen nicht etwa die warmen Meere der Tropen die größte Biodiversität auf, sondern die Meeresgebiete der mittleren Breiten.
Fische im tropischen Korallenriff

Fische im tropischen Korallenriff

Gerade die Tropen und mit ihnen auch die tropischen Meere galten bislang als Schatzkammer der Artenvielfalt. Gerade die warmen Ozeane mit ihren Korallenriffen, den bunten Fischschwärmen oder majestätischen Haien wimmeln nur so von Leben, so die gängige Vorstellung. Doch zumindest für die marine Artenvielfalt ist dies offensichtlich ein Fehlschluss. Das haben Derek Tittensor und seine Kollegen von der Dalhousie Universität im kanadischen Halifax nun in einer umfangreichen Vergleichsstudie herausgefunden.

Die Wissenschaftler analysierten dafür den Zusammenhang zwischen verschiedenen Umweltparametern wie Temperaturen, Nährstoffgehalten oder pH-Werten mit dem Vorkommen von insgesamt 11.000 Tier- und Pflanzenarten aus 13 Hauptgruppen des Organismenreiches. Die Spannbreite reichte von Algen und Pflanzen über Zooplankton, Wirbellose und Fische bis zu Meeressäugern.

Je wärmer, desto artenärmer


Es zeigte sich, dass vor allem ein Faktor über alle taxonomische Gruppen hinweg die Artenvielfalt entscheidend beeinflusst: die Oberflächentemperatur des Meeres. Erstaunlicherweise allerdings war hierbei der Einfluss genau umgekehrt wie zuvor vermutet: Je wärmer das Wasser wurde, desto geringer war die Biodiversität in diesem Meeresbereich.

Diese auf Umweltparameter bezogene Analyse schließt deswegen nicht aus, dass es dennoch bestimmte, lokale Habitate mit besonderen Vorteilen gibt, wie beispielsweise die Korallenriffe. Sie sind aber möglicherweise nicht wegen, sondern trotz der warmen Temperaturen des Wasser biologische Hotspots. Ein Hinweis darauf ist auch die bereits in anderen Untersuchungen festgestellte Erkenntnis, dass insbesondere Korallen sehr sensibel auf eine Erhöhung der Wassertemperatur reagieren.


Hotspot in mittleren Breiten


Dass die Tropen an sich nicht automatisch Artenvielfalt bedeuten, zeigt auch ein zweites Ergebnis der Studie. Sie enthüllte zwei auffallende Verteilungsmuster und Zentren der Biodiversität: Küstennah lebende Arten zeigten die größte Artenvielfalt im Westpazifik, während im Freiwasser lebende Arten ihre größte Häufigkeit entlang der mittleren Breiten entfalteten. Letzteres unterscheidet sich deutlich von der Biodiversität an Land, die in den Tropen die größte Häufung zeigt. Im Wasser scheinen dagegen gemäßigte Bedingungen „beliebter“ zu sein.

Diese Erkenntnis ist bedeutsam auch für die zukünftige Entwicklung von Klima und Meerestemperaturen. Denn der Klimawandel könnte demnach nicht nur die Lebenswelt der sensiblen Korallenriffe gefährden, auch die Verteilungsmuster anderer mariner Lebensgemeinschaften könnten sich dramatisch verändern.
(Nature, 29.07.2010 - NPO)
 
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