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Freitag, 30.09.2016
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Klima-Extreme lassen Bäume verschwinden

Dürre- und Frostperioden verändern Verbreitungsgebiete von Baumarten

Der Klimawandel wird auf lange Sicht dazu führen, dass Baumarten bisher besiedelte Gegenden verlassen und in neue Regionen vordringen. Schweizer Wissenschaftler fanden zusammen mit einem internationalen Forscherteam nun erstmals heraus, dass klimatische Extreme wie ausgeprägte Dürre- oder Frostperioden die Verbreitungsgebiete von Baumarten stark verändern und somit deren Überleben beeinflussen.
Abgestorbene Waldkiefern

Abgestorbene Waldkiefern

Bisher ging man davon aus, dass Veränderungen der mittleren Jahrestemperatur oder des mittleren Jahresniederschlags zuverlässige Indikatoren dafür sind, dass Baumarten ein neues Verbreitungsgebiet besiedeln. Wird es beispielsweise in den Alpen oberhalb der heutigen Baumgrenze langsam wärmer, siedeln sich in bestimmten Gebieten Baumarten wie die Lärche oder die Arve neu an. Die Folge: die Baum- und Waldgrenze verschiebt sich langfristig in größere Höhen.

Hingegen könnte es in sehr niederschlagsarmen zentralalpinen Tälern für heute dort wachsende Baumarten zu heiß und zu trocken werden, so dass diese dort verschwinden.

Klimatische Extremereignisse Ursache für Baumrückzug


In der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) zeigen Wissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, der University of Tromsø, der Utah State University, der Université Joseph Fourier Grenoble und der Universität Lausanne nun erstmals, dass nicht nur die höhere Mitteltemperatur, sondern auch klimatische Extremereignisse dafür verantwortlich sind, dass in einzelnen Regionen oder Höhenlagen Baumarten verschwinden.


Dürre und starke Fröste gefährden das Überleben


Das internationale Forscherteam fand anhand umfangreicher meteorologischer Daten zur Klimavariabilität in der Schweiz sowie mit Hilfe von nationalen Verbreitungsdaten von elf Baumarten heraus, dass vor allem ausgeprägte Dürreperioden im Sommer sowie starke Fröste im Winter und im späten Frühjahr das Überleben einzelner Baumarten erschweren oder sogar unmöglich machen.

„Ein Extremereignis könnte physiologisch zum Beispiel die Buche oder die Weißtanne in einem Alpental zum Verschwinden bringen“, sagt Niklaus Zimmermann von der WSL, der Erstautor dieser Studie. In einer Zeit deutlich zunehmender Temperaturen geht er davon aus, dass vor allem in trocken-heißen Klimaperioden einzelne Baumarten aus angestammten Gebieten verschwinden werden.

„Solche Entwicklungen als Folge von Extremereignissen brauchen wahrscheinlich nur Jahrzehnte, während sich langsam ändernde Klima-Mittelwerte erst über Jahrhunderte auf die Verbreitung der Baumarten erstrecken dürfte“, sagt Zimmermann.

Studie international ausweiten


Die neuen Erkenntnisse sind für die weltweite Diskussion um die Auswirkungen des Klimawandels deswegen bedeutsam, weil Klimaforscher mit einer Zunahme außerordentlicher Klimaereignisse rechnen. Und je häufiger diese auftreten, desto grösser ist die Klimavariabilität, die sich aus den Abweichungen um einen Mittelwert berechnen lässt.

Wie die Studie zeigte, lassen sich aufgrund vermehrt auftretender starker Klimaereignisse genauere Prognosen für die Verbreitungsgebiete einzelner Baumarten erstellen.

Zimmermann und seine Kollegen folgern aus ihrer Studie, dass die Forschung zukünftig länderübergreifend die Klimaentwicklung und Baumartenvorkommen untersuchen müsste, um pflanzengeografische Entwicklungen besser vorhersagen zu können. Zimmermann erwartet, dass solche über die Schweiz hinaus abgestützten Untersuchungen zu einem enormen Erkenntnisgewinn in der internationalen Klimafolgenforschung führen werden.
(idw - Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, 18.12.2009 - DLO)
 
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