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Freitag, 10.02.2012
Mekong als Artenschmiede
WWF-Report: 163 neue Arten im Einzugsgebiet entdeckt
Allein im vergangenen Jahr wurden im Einzugsgebiet des unteren Mekong 163 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Dies geht aus einem aktuellen WWF-Report hervor. Dazu gehören beispielsweise ein vogelfressender Frosch mit Fangzähnen und ein Leoparden-Gecko, der mit seinen orangen Katzenaugen, den spindeldürren Gliedern und der fluoreszierenden Haut aussieht wie ein Wesen aus einer fremden Welt.

Mekong-Delta
Mekong-Delta
© NASA/JPL Mekong-Delta
Kaum entdeckt sind die neuen Spezies nach Angaben der Natur- und Umweltschutzorganisation aber schon stark von Lebensraumverlust und Handel mit Wildarten bedroht. „Die neuen Funde zeigen, dass im ‚Greater Mekong‘-Gebiet vermutlich noch hunderte Arten auf ihre Entdeckung warten“, so WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger. „Sie drohen auszusterben, ohne jemals von Forschern gesichtet worden zu sein.“

Flugfaule Vögel und ein Gecko mit Katzenaugen
Insgesamt 100 Pflanzen-, 28 Fisch-, 18 Reptilien-, 14 Amphibien-, zwei Säugetierarten sowie eine „flugfaule“ Vogelart wurden im Einzugsgebiet des unteren Mekong jüngst beschrieben. Zu den kuriosesten Arten zählen eine getigerte Grubenotter, eine rubinrote Odessabarbe sowie der Nonggang-Schwätzer, der seine Flügel nur in Gefahrensituationen benutzt. „Der entdeckte Leoparden-Gecko ist eine biologische Sensation“, so Geiger. „Seine grellen Katzenaugen und das Fleckenmuster könnten ihm jedoch zum Verhängnis werden. Sie machen ihn zu einer Goldgrube für Reptilienhändler.“

Ein Teil der neu entdeckten Arten lebt in so genannten Insel-Habitaten, also in isolierten Lebensräumen. Werden diese Inseln zerstört, so verschwinden bestimmte Tier- und Pflanzenarten für immer von der Bildfläche. Im Greater Mekong Gebiet, das sich über Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam und Südwest-China erstreckt, stellt die Verbauung der Flüsse, die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen, der Bergbau und die Zerstückelung der Landschaft durch Straßen und Infrastruktur eine große Gefahr für die biologische Vielfalt dar, so der WWF.

Staudämme als Gefahr
Über 240 große Staudämme sind in der Region bereits gebaut oder konkret in Planung. Diese sind für die bekannten und noch unentdeckten Arten, vor allem auch die wandernden Fischarten wie den Riesenwels oder die Riesenbarbe, eine Katastrophe. „Grenzübergreifende Schutzgebiete, die auch die Dynamik des Mekongs und seiner Nebenflüsse wahren, sind für den Erhalt der außergewöhnlichen Artenvielfalt unabdingbar“, fordert Geiger.
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