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Freitag, 21.07.2017
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Kindchenschema aktiviert Belohnungszentrum im Gehirn

Neurobiologische Grundlagen des menschlichen Fürsorgeverhaltens aufgedeckt

Ein süßes Gesicht wirkt im Kopf: Ein internationales Wissenschaftlerteam hat erstmals eine Region im Gehirn identifiziert, die bei Frauen durch das Betrachten niedlicher Kindergesichter aktiviert wird. Dieses tief im Gehirn liegende Gebiet ist auch als Belohnungszentrum bekannt.
Säugling

Säugling

Das Kindchenschema, das als niedlich empfunden wird, beinhaltet eine Reihe körperlicher Merkmale, zum Beispiel einen großen Kopf mit hoher Stirn, runden Wangen und großen Augen. Zahlreiche Verhaltensstudien haben längst die Wirkung des Kindchenschemas auf Erwachsene bestätigt.

Frauen stärker betroffen als Männer


So konnte vor kurzem ein Forscherteam um Melanie Glocker vom Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie der Universität Münster zeigen, dass Kinder, die stärker dem Kindchenschema entsprechen, die Bereitschaft steigern, sich fürsorglich zu verhalten. Diese Reaktion ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, obwohl beide Geschlechter die Niedlichkeit gleichermaßen wahrnehmen.

Über die neurobiologischen Grundlagen dieses fundamentalen sozialen Instinkts, der an der Basis von Fürsorge- und altruistischem Verhalten liegen könnte, war bisher jedoch wenig bekannt.


In einer neuen Studie zeigen die münsterschen Neurowissenschaftler Glocker und Professor Norbert Sachser in Kooperation mit Forschern aus Pennsylvania um Professor Ruben Gur nun, was sich im Gehirn als Reaktion auf das Kindchenschema abspielt.

Erklärung für das Kümmern gefunden


„Die Ergebnisse bieten Einblick in die biologischen Grundlagen menschlichen Fürsorgeverhaltens. Sie geben eine neurophysiologische Erklärung für unseren Impuls, uns um alles zu kümmern, was einem Baby ähnelt“, so Glocker.

Die Biologin manipulierte für die Studie Babyfotos mit einem speziellen Bildbearbeitungsprogramm. Dadurch entstanden neben dem Originalfoto jeweils Portraits mit niedrigeren und höheren Kindchenschema-Werten - dasselbe Baby wurde beispielsweise mit größeren oder kleineren Augen ausgestattet oder mit einem besonders runden oder eher schmalen Kopf.

Frauen, die noch keine Kinder geboren hatten, betrachteten diese Kindergesichter. Dabei wurde ihre Hirnaktivität mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie gemessen.

Steigende Aktivität im Nucleus accumbens


Die Forscher fanden dabei eine ansteigende Aktivität mit zunehmendem Kindchenschemagehalt im Nucleus accumbens, einer Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Sie vermittelt motiviertes Verhalten, das nach Belohnung strebt, löst Glücksgefühle aus und spielt unter anderem auch bei Drogensucht eine Rolle.

Daneben sprechen noch weitere Hirnregionen auf das Kindchenschema an, unter anderem Areale, die bei Gesichterverarbeitung und Aufmerksamkeit eine Rolle spielen. Die Forscher vermuten, dass bei Männern ähnliche Prozesse im Gehirn ablaufen könnten.

Fürsorgeverhalten enträtselt


„Die Aktivierung des Belohnungssystems könnte den neurophysiologischen Mechanismus darstellen, über welchen das Kindchenschema Fürsorgeverhalten motiviert - unabhängig vom Verwandtschaftsgrad zwischen Kind und Betrachter“, so Glocker.
(idw - Universität Münster, 04.06.2009 - DLO)
 
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