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Dienstag, 09.02.2010
Der Mensch stammt vom Affen ab!
"... laßt uns beten, daß es nicht allgemein bekannt wird!"

Charles Darwin 
Charles Darwin
© Hunting Dinosaurs by Louie Psiyohos
Die Zeitrechnung der Evolutionsbiologen beginnt im Jahre 1859 mit der Veröffentlichung des Werkes "Über die Entstehung der Arten" von Charles Darwin. Darwin hatte aufbauend auf dem Gedankengut seiner Zeit einen Mechanismus "entdeckt", der die Entstehung von Arten ganz aus sich selbst heraus erklärte, ohne das Zutun einer überirdischen Macht. Eine Aussage des bedeutenden Zoologen G.G. Simpson verdeutlicht die Tragweite von Darwins Werk: "Ich möchte behaupten, daß alle Versuche, die Frage "Was ist der Mensch?" vor dem Jahre 1859 zu beantworten, wertlos sind und daß es für uns besser ist, sie völlig zu ignorieren."

Die herausragende Stellung des Menschen im Zentrum der Schöpfung hatte schon vor Darwins Werk durch drei wichtige wissenschaftliche Entwicklungen gelitten. Die kopernikanische Wende hatte die Erde und ihre menschlichen Bewohner aus dem Mittelpunkt des Kosmos gerückt. Sie verdeutlichte, daß nicht alles, was in der Bibel stand, wörtlich zu nehmen war.Die Ergebnisse der Geologie, vor allem die Arbeiten von Charles Lyell verwiesen darauf, daß die Erde bereits wesentlich älter war als dies einige Gelehrte nach Angaben der "Heiligen Schrift" errechnet hatten. Schließlich lieferten die ersten Fossilfunde Hinweise dafür, daß die belebte Welt eben nicht seit Anbeginn der Schöpfung unverändert geblieben war.

Dann kam Charles Darwin und deutete nur vage an, was ihm bei der Veröffentlichung seiner "Entstehung der Arten" 1859 längst klar war: "Licht wird auch fallen auf den Menschen und seine Geschichte". Es war einer der letzten Sätze seines Buches und der einzige zum Ursprung des Menschen. Aber jeder, der das Werk gelesen hatte, schlußfolgerte, was Darwin in seiner zurückhaltenden Art gemeint hatte: Genau wie alle Tierarten hatte auch die menschliche Spezies nicht unverändert seit Beginn der Zeit auf dem Planeten gelebt, sondern war das Produkt einer Evolution, einer allmählichen Entwicklung. Durch "natürliche Zuchtwahl" - das Wort der ersten deutschen Übersetzung - war er zum aufrechtgehenden, haarlosen und über sich selbst reflektierenden Wesen geworden.

Die Idee von einer Evolution des Lebendigen über viele Millionen Jahre hinweg, bei der eine Art aus einer anderen Art hervorgeht, war an sich schon für viele Zeitgenossen Darwins unbegreiflich, auch wenn es bereits vor Darwin Evolutionstheorien gegeben hatte. Daß aber auch der Mensch, das Abbild Gottes, aus einer anderen Art hervorgegangen sein sollte, schien für diejenigen, die die Bibelworte der Genesis als Schöpfungsbericht wörtlich nahmen, undenkbar.

Schnell machte ein Satz die Runde und war Anlaß für zahlreiche Karrikaturen: "Der Mensch stammt vom Affen ab!" Die Vorstellung ließ so manchen erschauern: Am Rande des Kosmos, hauste der Mensch auf einem uralten Planeten als Nachfahre blöder, unzivilisierter und stinkender Affen!

Als die Frau des Bischoffs von Worcester von den Ideen Darwins hörte, soll sie peinlich berührt und sorgenvoll gen Himmel gefleht haben: "Wenn es wahr ist, dann laßt und beten, daß es nicht allgemein bekannt wird!" Ihr Wunsch wurde nicht erhört, auch wenn die Sache mit den Affen nur die halbe Wahrheit war.

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