Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Die Suche geht weiter...
SETI gestern und heute

Den Anfang der systematischen Suche nach außerirdischen "intelligenten" Signalen machte der Astronom Frank Drake 1960 mit seinem Projekt Ozma, bei dem er zwei naheliegende sonnenähnliche Sterne nach einem Signal absuchte. Er tat dies auf der "magischen" Wellenlänge von 21 Zentimetern, dem Bereich des Radiospektrums, in dem die Spektrallinie des neutralen Wasserstoffs liegt. Drake war sich sicher, dass wenn irgendwo in der Galaxis eine intelligente Zivilisation vorhanden war, diese höchstwahrscheinlich auf dieser universellen, weil von der Natur "markierten" Wellenlänge kommunizieren würde.

Radioteleskop von Arecibo 
Radioteleskop von Arecibo
© NAIC/NRAO
Auf ihn geht auch die noch heute immer wieder zitierte "Drake-Formel" zurück. Sie soll die Frage beantworten, wie viele hochtechnisierte Zvilisationen rein theoretisch im Universum überhaupt existieren könnten. In ihr wird verrechnet, wie viele "geeigneten" Sterne es geben könnte und davon wiederum wie viele erdähnliche Planeten, wie viele Planeten mit Leben, wie viele mit intelligentem Leben und schließlich wie viele Planeten mit einem ausreichenden Alter, um auch intelligentes Leben hervorgebracht zu haben, es geben muss, damit mindestens eine "kommunikative" Zivilisation am Ende übrigbleibt.

Außerirdische Signale fand Drake zwar nicht, dafür zog sein Projekt Ozma die Aufmerksamkeit sowohl der Öffentlichkeit als auch der NASA auf sich. Es sollte allerdings noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die NASA entschloss, ihrerseits ein SETI-Programm zu fördern. Ende der 70er Jahre suchten sowohl am Ames Research Center als auch am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena Forscher nach verräterischen Spuren außerirdischen Lebens. Während Ames sich zum Ziel gesetzt hatte, 1.000 sonnenähnliche Sterne abzusuchen, wählte das JPL eine andere Strategie und tastete den gesamten Himmel nach starken Radiosignalen ab. Einen Erfolg konnte allerdings keine der beiden Suchstrategien verbuchen.

Doch kaum begonnen und offiziell abgesegnet, wendete sich das Blatt für die SETI-Forscher: Ende der 80er Jahre drehte die NASA den Geldhahn zu und die Wissenschaftler standen vor der Wahl, das Projekt abzubrechen oder sich andere Geldquellen zu organisieren. Letzteres gelang, das SETI Institut wurde gegründet und die Forscher setzten ihre Suche als "Projekt Phoenix" fort. Inzwischen nutzt die SETI-Forschung als eines der ersten Projekte seiner Art das World Wide Web als virtuellen Großrechner: Mit SETI@home kann jeder an das Internet angeschlossenen Nutzer Teile der Datenauswertung auf seinem eigenen PC laufen lassen.

Und die Ergebnisse? Bislang gibt es trotz aller Anstrengungen keinen Hinweis auf ein wie auch immer geartetes "intelligentes" Radiosignal von anderen Welten. Einige unerklärte, aber meist nur einmalig aufgefangenen "Signale" sorgten zwar kurzzeitig für Aufsehen, doch im Nachhinein stellten sich alle als Irrtümer heraus. Aber die SETI-Forscher lassen sich von ihrer bisherigen Erfolglosigkeit nicht entmutigen: "Alle bisherigen Versuche waren durch technische Grenzen eingeschränkt. Von den hunderten von Milliarden Sternen allein in unserer Galaxis haben wir bisher weniger als eintausend näher untersucht." Die Suche geht weiter...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Radioastronomie
Mehr als nur kosmisches Rauschen und SETI...
Ein neues Bild des Himmels...
Die unbekanntere Schwester der optischen Astronomie
Ein Verbot ebnet den Weg...
Funkamateure als Wegbereiter für die Radioastronomie
Janskys Entdeckung
Himmlischen Störgeräuschen auf der Spur
Radioastronomie im Hinterhof
Grote Reber - der erste Radioastronom
Was sind Radiowellen?
Nur eine von vielen Wellensorten...
Kosmische Radioquellen
Pulsare, Quasare und Sternenwiegen...
Arten von Radioteleskopen
Von Schüsseln, Arrays und Langstreckenantennen
Vom Spiegel bis zum Radiobild
Aufbau eines Radioteleskops und Weg der Radiowellen
Radiowellen von Außerirdischen?
SETI und die Suche nach intelligentem Leben im Kosmos
Die Methoden der SETI-Forscher
Fremde Sonnen, Schmalspursignale und Pioneer 10
Die Suche geht weiter...
SETI gestern und heute
Wolkenschleier und Asteroiden
Radioastronomie im Sonnensystem
Außerirdischen Molekülen auf der Spur
Interstellare Gaswolken als Lebensbringer?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen