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Freitag, 10.02.2012
Rätsel Mensch
Das Puzzlespiel um unseren Stammbaum ist noch längst nicht gelöst

Durch neue Fossilienfunde und neue Arbeitstechniken – darunter biochemische Methoden, Gensequenzanalysen und Computertechnik – beginnt sich in den letzten Jahren der Schleier des Geheimnisses um die Vormenschen langsam, aber sicher zu lüften. Doch noch immer gibt es viele Unsicherheiten im frühen Stammbaum des Menschen, zahlreiche Theorien und nur wenige echte Beweise.

Professor Friedemann Schrenk vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main beschreibt die Situation so: „Je nachdem, wer sich wann, wo und wie an der Interpretation menschlicher Fossilien versucht, unterscheiden sich die Resultate erheblich.“

 Schädel des Kind von Taung
Schädel des Kind von Taung
© GFDL  Schädel des Kind von Taung
Direkte Vorfahren und Sackgassen der Evolution
Rätselhaft ist beispielsweise, ob sich der „fortschrittliche“ Australopithecus direkt aus dem deutlich primitiveren Ardipithecus entwickelte oder parallel dazu. Ähnlich kontrovers diskutiert wird, welche der verschiedenen Urahnen des modernen Menschen – sei es Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis oder Australopithecus anamensis - auf dem direkten Pfad zu Homo sapiens liegen und welche eher Seitenäste und Sackgassen der Evolution darstellen.

Bisher hat man Vormenschen nur in Afrika entdeckt. Aber gab es sie vielleicht auch auf anderen Kontinenten? Wenn ja, würde das neue Zweifel an der Out-of-Africa-Hypothese schüren. Wie ging es mit der Entwicklung des Menschen nach den Australopithecinen weiter? Spielte Homo rudolfensis, der von vielen Forschern als älteste bisher entdeckte Art der Gattung Homo angesehen wird, dabei eine Schlüsselrolle? Diese und viele andere Fragen müssen in den nächsten Jahren ebenfalls noch beantwortet werden.

Und es gibt noch weitere dramatische Wissenslücken. So kennt man beispielsweise zwar einige der fernen Urahnen aus der Zeit vor der Trennung der Entwicklungslinien von Affen und Menschen, von dem „Missing Link“, dem letzten gemeinsamen Vorfahren, fehlt dagegen bisher jede Spur.

Auf der Suche nach einen neuen Ardi
Es bleibt demnach noch viel zu tun für Paläontologen und Anthropologen. Doch vielleicht gelingt ihnen ja wieder so ein Coup wie 1974 mit Lucy oder zwanzig Jahre später mit Ardi. Dann könnte die Evolution des Menschen vielleicht schon bald in einem völlig anderen Licht erscheinen…

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