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Montag, 21.05.2012
Nie wieder Verletzungen?
Warum Blessuren beim Fußball entstehen und wie sie vermieden werden können

 Verletzungsgefahr Zweikampf?
Verletzungsgefahr Zweikampf?
© Juha Makkonen / GFDL  Verletzungsgefahr Zweikampf?
Mannschaftskapitän Michael Ballack ist verletzt. Mittelfeldspieler Simon Rolfes, Stammtorhüter Rene Adler und Allrounder Heiko Westermann ebenso. Viele deutsche Nationalspieler können wegen unterschiedlicher Blessuren nicht zur WM nach Südafrika fahren. Beispiele wie diese zeigen: Verletzungen gehören zum Fußball einfach dazu. Doch wie oft fällt ein Profikicker durchschnittlich aus? Welche Blessuren sind besonders häufig? Und wie kann man diese vielleicht sogar verhindern? Diese Fragen waren lange Zeit nicht endgültig geklärt. Doch im September 2006 haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum Licht ins Dunkel gebracht.

Eine Verletzung pro Jahr
Sie befragten in ihrer Studie alle Spieler der ersten und zweiten Bundesliga sowie der Regionalliga zur Verletzungsmisere im Fußball. Mit überraschenden Ergebnissen: Wie die Auswertung der Fragebögen und zusätzlicher Daten der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) der Fußballer ergab, kam kein einziger der Kicker in der Saison 2005/2006 ohne Verletzung davon. Durchschnittlich erlitten die Fußballer eine leichtere und eine schwere Verletzung pro Jahr.

„Umgerechnet auf einen Mannschaftskader bedeutet dies, dass 13,5 Prozent der Spieler permanent nicht einsetzbar sind“, berichtet der Bochumer Sportmediziner Dr. Thomas Henke. Bestätigt wurden diese Ergebnisse zuletzt im Juli 2010 von Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes. Sie errechneten für die Bundesliga-Saison 2004/2005 Ausfallzeiten von Spielern von erstaunlichen 997 Tagen pro Verein. Das heißt: Bei jedem Bundesliga-Verein fallen im Schnitt pro Saison drei komplette Spieler aufgrund von Blessuren aus.

Koordination ist wichtig 
Koordination ist wichtig
© U.S. Air Force / Mike Kaplan  Koordination ist wichtig
Es passiert meist im Training
Auffällig ist auf den ersten Blick, dass ein Großteil der Verletzungen im Training passierte. „Die Spieler verbringen mehr Zeit im Training als im Spiel, deshalb sind insgesamt mehr Trainings- als Spielverletzungen zu beklagen. Rechnet man das allerdings auf eine Einsatzstunde herunter, ist der Wettkampf viel gefährlicher", erklärt Oliver Faude, der zusammen mit Professor Dr. Tim Meyer, dem Mannschaftsarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft, für die neue Studie verantwortlich war.

So oder so ein teures Dilemma. Denn die Behandlungs- und Personalkosten für lädierte Waden, Knie oder Muskeln belaufen sich auf mindestens 90 Millionen Euro – pro Saison.

Erschöpfung nicht die Ursache
Ungewöhnlich häufig sind nach den Ergebnissen der Bochumer Wissenschaftler zudem schwere Knieverletzungen, die die Profis zu langen Spielpausen zwingen. Es fiel zudem auf, dass die Bänderrisse und Meniskusschäden nicht - wie zu vermuten wäre – vermehrt gegen Ende eines Spiels auftreten, sondern relativ gleichmäßig verteilt: Für die Forscher um Henke ein klares Indiz dafür, dass die Ursache der meisten Verletzungen nicht Müdigkeit oder Erschöpfung, sondern koordinative Probleme grundsätzlicher Art sind.

Die Sportwissenschaftler und Mediziner empfehlen deshalb unter anderem spezielle Trainingsprogramme, die die Koordination schulen und mehr Wert auf die Verbesserung Rumpfkraft, Sprungkraft und Kraft der Beinbeuger legen. Denn die Stabilisation des Rumpfes trägt nach ihren Erkenntnissen entscheidend dazu bei, sich im Lauf oder Sprung koordiniert und effektiv zu bewegen.

„Man kann etwas tun – und zwei Verletzungen pro Spieler und Saison sind ein deutlicher Aufruf an alle im Profifußball Involvierten, etwas an der ‚Verletzungsmisere‘ zu ändern“, so Henke. Und Meyer ergänzt: „Investitionen in solche Maßnahmen lohnen sich für die Klubs auch finanziell. Es ist auch festzustellen, dass die Vereine in den letzten Jahren mehr Fitnesstrainer eingestellt haben."

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