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Freitag, 10.02.2012
Und der Mensch?
Evolution durch Wandel des Temperaments

Was sagen nun die Beobachtungen an Hunden, Füchsen und Menschenaffen über die Evolution des Menschen aus? „Die Menschen“, so sieht es Hare, „begannen sich von ihren schimpansenähnlichen Vorfahren dadurch zu unterscheiden, dass sie toleranter gegenüber ihren Artgenossen wurden. Dieser Wandel des menschlichen Temperaments ebnete den Weg für die weitere sozio-kognitive Evolution.“ In einem noch unveröffentlichten Artikel stellen Hare und Tomasello die Hypothese auf, dass dieser Schritt durch eine Art von Selbstzähmung erfolgt sei, wobei überaggressive oder herrschsüchtige Mitglieder einer Gruppe von ihren Artgenossen getötet oder aus der Gruppe verstoßen worden seien.

Schimpanse 
Schimpanse
© ProWildlife
Ob diese Vermutung stimmt, wird die weitere vergleichende Forschung an den 3chimps – Mensch, Schimpanse, Bonobo – zeigen. Doch auch der „beste Freund des Menschen“ bleibt auf Hares Agenda: Der Hund hat besondere soziale Fertigkeiten entwickelt, die viel mit dem Sozialverhalten des Menschen gemeinsam haben. Die Leipziger Forscher sprechen daher auch von „konvergenter Evolution“. Der Hund kann ihnen so dabei helfen, den evolutionären Prozess zu verstehen, der Kooperation und Kommunikation nach Menschenart hervorgebracht hat.

„Letztendlich“, so fasst Brian Hare zusammen, „wollen wir herausfinden, was den menschlichen Verstand einzigartig macht.“ Das kann noch dauern. Erst einmal wurde geheiratet – in Australien, dem Heimatland seiner Frau. Kennengelernt haben sich die beiden in Afrika, zusammengebracht hat sie das Interesse, das sie teilen. Etwa zwei Jahre bleiben dem 30- jährigen noch am Leipziger Max- Planck-Institut. Dieses absehbare Ende, so sagt er, sei das einzig Traurige an seiner jetzigen Tätigkeit: „Es wird schwer sein, wieder eine derart interessante Stelle zu finden wie diese hier.“

Zwar könne er für weitere vier Jahre bleiben, doch das sei für seine Karriere gefährlich. Für eine Junior- Professur sei er dann überqualifiziert, für bessere Positionen hingegen gebe es sehr wenige Angebote. Brian Hare vermutet, dass er wohl wieder in den USA landen wird: Duke- und Harvard-Universität haben ihn bereits aufgefordert, sich zu bewerben. Auf die erste Einladung einer deutschen Universität wartet er noch. Ein solches Angebot, so sagt er, könnte ihn schon reizen.

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