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Freitag, 10.02.2012
Medizinisches Wundermittel und Wagenschmiere
Highlights aus der Geschichte der Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland

„Täglich drei Löffel eingenommen, ist dieses die edelste Feuchtigkeit, die hilfft, wann die Nerven vertrucknet, bey heyserkeit und hundsbiss, vertreibet dieses Öl den Stein, stercket die memoriam, heylet fistelen, Teigwartzen und faulende stinckende Schäden…“: Was hier in Überlieferungen aus dem 16. Jahrhundert als medizinisches Wundermittel angepriesen wird, ist nichts anderes als Erdöl.

Doch der Rohstoff galt damals nicht nur als Allzweckwaffe gegen die schlimmsten Leiden und Gebrechen, er wurde auch bereits als universelles Schmiermittel für Wagenräder oder –achsen verwendet.

Die pechschwarze und klebrige Substanz stammte aus den zahlreichen Teerkuhlen, die beispielsweise in Niedersachsen an vielen Orten das Landschaftsbild zierten. Überall dort, wo das „schwarze Gold“ bis an die Erdoberfläche kam, erregte es das Interesse der Menschen. Mit einfachen Gefäßen „fischten“ die ersten Ölsucher den Rohstoff aus dem Wasser und sammelten es in Fässern. Nach und nach sprachen sich die angeblich so erstaunlichen Fähigkeiten des Erdöls herum und es wickelte sich ein lebhafter Handel mit dem schon damals heiß begehrten Gut.

Lange Zeit blieben diese Teer- oder Ölkuhlen, die einzige Quelle für das Erdöl. Dies änderte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Georg Christian Konrad Hunaeus, ein Professor an der Polytechnischen Schule in Hannover, war es, der in den Jahren 1858 und 1859 einen Meilenstein in Sachen Erdölförderung in Deutschland setzte: Ihm gelang die vermutlich erste Erdölbohrung der Welt. Bei einem Projekt nahe Wietze in Niedersachsen, in dem es eigentlich um das Aufspüren von Braunkohle ging, stieß er mit seinen Mitarbeitern in 35 Metern Tiefe auf größere Mengen an Erdöl.

Die Region um Wietze vor einigen Jahrzehnten 
Die Region um Wietze vor einigen Jahrzehnten
© RWE Dea
In der Folgezeit suchte man zunächst rund um Wietze nach neuen Erdölvorkommen. Später schossen auch im Emsland, nahe Celle, aber auch bei Hannover immer neue Fördertürme in die Höhe. Mit der Zeit entwickelten sich Ölhochburgen, die aussahen wie ein plattdeutsches Dallas. Der geförderte Rohstoff befriedigte am Anfang vor allem das Bedürfnis der Menschen nach Lampenbrennstoff, in der Folge wurde er auch für die aufstrebende Autoindustrie benötigt.

Fast zur gleichen Zeit wurde in der Nähe von Bad Bentheim erstmals auch ein Erdgasfeld entdeckt. „Schuld“ daran war eine Ölbohrung, die wider Erwarten in größerer Tiefe auf größere Mengen an gasförmigen Kohlenwasserstoffen stieß. Dieser Zufallsfund löste eine Art „Erdgas-Rausch“ aus. Überall begann man nach dem begehrten Rohstoff zu suchen. Vor allem in Niedersachsen wurden die Techniker und Ingenieure häufig auch fündig.

Zu einem El Dorado für die Erdöl- und Erdgasindustrie, so viel wurde jedoch schnell klar, würde es Deutschland nie bringen. Dazu waren die Lagerstätten auf heimischem Terrain zu selten, zu klein und zudem viel zu tief im Erdboden versteckt. Rekordfördermengen gab es vor allem während der Nazizeit.

Während heute die meisten Erdölfelder in Deutschland - bis auf die Nordseereserven - fast vollständig ausgebeutet sind, ist heimisches Erdgas auch heute noch ein Renner und trägt erheblich zur Deckung des Energiebedarfs bei.

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