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Wie viele sterben bei uns an Corona?

22 Prozent der in deutschen Krankenhäusern behandelten Covid-19-Patienten sterben

Verläuft Covid-19 so schwer, dass ein Mensch ins Krankenhaus muss, liegt das Sterberisiko bei im Schnitt 22 Prozent. © Juanmonino/ iStock

Klare Zahlen: Die Chance, an einem schweren Verlauf von Covid-19 zu sterben, liegt in deutschen Krankenhäusern im Schnitt bei 22 Prozent. Muss ein Patient beatmet werden, steigt sein Sterberisiko allerdings auf 53 Prozent, wie die bislang umfangreichste Auswertung des bisherigen Pandemieverlaufs enthüllt. Sie zeigt auch, dass Männer doppelt so häufig beatmet werden müssen wie Frauen und daher die Infektion häufiger nicht überleben.

Eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 trifft nicht alle gleich schwer – das ist inzwischen klar. Ob Covid-19 einen milden oder schweren Verlauf nimmt, hängt unter anderem vom Alter, von Vorerkrankungen und dem Körpergewicht ab, aber auch von genetischen Faktoren, dem Immuntyp und möglicherweise auch früheren Infektionen mit Corona-Erkältungsviren. Zudem scheinen Männer deutlich häufiger schwer zu erkranken als Frauen.

Sterblichkeit
Sterblichkeit von Covid-19-Patienten nach Beatmungsstatus. © TU Berlin

Ein Fünftel der stationär Behandelten überlebt es nicht

Jetzt – gut sechs Monate nach Beginn der Pandemie – gibt es auch erste umfassende Daten zur Sterblichkeit deutscher Covid-19-Patienten. Ein Forscherteam um Christian Karagiannidis von der Lungenklinik Köln-Merheim hat dafür die Daten von 10.021 Covid-Patienten ausgewertet, die vom 26. Februar bis zum 19. April 2020 in 920 deutschen Krankenhäusern behandelt wurden. Meist handelte es sich dabei um mit SARS-CoV-2 infizierte Menschen, die wegen schwerer Symptome in die Klinik eingewiesen wurden.

Insgesamt lag die Sterberate bei den in deutschen Krankenhäusern behandelten Covisd-19-Patienten bei 22 Prozent. „Das entspricht etwa dem, was aus Frankreich berichtet wird, ist aber deutlich niedriger als die Mortalität in Großbritannien, wo 39 Prozent der im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelten Patienten starben“, berichten die Forscher. Im Schnitt bleiben die Erkrankten bei uns 14 Tage in der Klinik, rund ein Viertel der Beatmeten muss jedoch länger als 21 Tage beatmet werden.

Allerdings gibt es in den Sterberaten deutliche Unterschiede je nach Alter, Vorerkrankungen und der erforderlichen Behandlung. Denn von den 17 Prozent der Patienten, die künstlich beatmet werden mussten, starben 53 Prozent, wie die Forscher ermittelten. War eine Beatmung dagegen nicht nötig, lag die Sterblichkeit nur bei 16 Prozent.

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Männer müssen doppelt so häufig beatmet werden

Die Daten bestätigen auch die unterschiedliche Anfälligkeit der Geschlechter: Bei der Einweisung waren Männer und Frauen noch nahezu gleich häufig vertreten. Doch dann nahm die Covid-19-Erkrankung bei den männlichen Patienten deutlich häufiger einen schweren Verlauf: 22 Prozent von ihnen mussten beatmetet werden – fast doppelt so viele wie bei den Patientinnen. Auch die Sterblichkeit der Männer lag mit 25 Prozent um sechs Prozent höher als bei den Frauen.

Ebenfalls bestätigt wird der Zusammenhang mit dem Alter: Während von den jüngeren Patienten bis 59 Jahren nur 15 Prozent künstlich beatmet werden mussten, lag der Anteil bei den über 60-Jährigen bei rund 25 Prozent. Die Mortalität war vor allem in der Altersgruppe ab 70 Jahren deutlich erhöht. „Die schweren Verläufe betreffen eher ältere und gesundheitlich bereits beeinträchtigte Menschen, kommen aber auch bei jüngeren Patienten vor“, sagt Jürgen Klauber vom Wissenschaftlichen Institut der AOK.

Schlechteste Prognosen für Nierenkranke

Bestätigt wurde auch die Rolle der Vorerkrankungen: Unter den wegen schweren Verläufen im Krankenhaus Behandelten litten mehr als die Hälfte unter Bluthochdruck, gut ein Viertel hatte Diabetes oder Herzrhythmusstörungen. Auch Nierenschäden und Herzschwäche waren häufiger vertreten. Für das Überleben mit Abstand am schlechtesten war dabei die Prognose für die Patienten, die wegen eines Nierenversagens zusätzlich an die Dialyse mussten: Ihre Sterblichkeit lag bei 73 Prozent.

Nach Ansicht der Wissenschaftler belegen diese Daten zum einen, dass in Deutschland vorwiegend ältere und schwere Fälle in die Krankenhäuser gekommen sind. Gleichzeitig aber illustrieren die Zahlen, dass ein schwerer Verlauf trotz aller modernen Behandlungsmöglichkeiten ein tödliches Ende nehmen kann.“ Auch wenn die Infektionszahlen in Deutschland im Moment niedrig sind, sollten weiterhin alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um das Infektionsrisiko in der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten“, warnt Klauber. (The Lancet Respiratory Medicine, 2020; doi: 10.1016/S2213-2600(20)30316-7)

Quelle: Technische Universität Berlin

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