Mehrheit der Präparate hat keinen Einfluss auf die Herzgesundheit oder die Sterblichkeit Nahrungsergänzungsmittel bringen wenig - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nahrungsergänzungsmittel bringen wenig

Mehrheit der Präparate hat keinen Einfluss auf die Herzgesundheit oder die Sterblichkeit

Nahrungszusatz
Was bringt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln? © ronstik/ istock

Nutzlose Präparate: Viele Nahrungsergänzungsmittel halten nicht das, was sie versprechen. Wie eine Metastudie nun bestätigt, haben die meisten Vitamine und Co keinen schützenden Effekt auf Herz und Gefäße und beeinflussen auch nicht die allgemeine Sterblichkeit. Lediglich für Omega-3-Fettsäuren und Folsäure ließ sich ein möglicher Nutzen feststellen. Die kombinierte Einnahme von Vitamin D und Calcium könnte dagegen sogar eher schädlich sein.

Wer Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, will seinem Körper etwas Gutes tun. Ob Vitamine, Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien oder Calcium: Allerlei Präparate sollen angeblich vor Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, die Abwehrkräfte und Knochen stärken oder einfach insgesamt fitter und gesünder machen. Auch das gesunde Altern sollen bestimmte Substanzen fördern.

Eine zunehmende Anzahl von Studien deutet jedoch darauf hin, dass diese Versprechen oftmals nicht haltbar sind und die Zusatzpräparate sogar schaden können. Was also ist wirklich dran an dem gesundheitsfördernden Effekt der Kapseln, Sprudeltabletten und Co? Dieser Frage sind Safi Khan von der West Virginia University in Morgantown und seine Kollegen nun noch einmal im Rahmen einer groß angelegten Übersichtsarbeit nachgegangen.

Vitamine und Co im Blick

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher Ergebnisse aus insgesamt 277 klinischen Studien mit 992.129 erwachsenen Probanden aus aller Welt aus. Die Studien hatten den Effekt unterschiedlicher Nahrungsergänzungsmittel auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die allgemeine Sterblichkeit untersucht – darunter Antioxidantien, Vitamin B und D, Calcium, Eisen, Folsäure und Omega-3. Einige der Untersuchungen hatten sich zudem dem Einfluss bestimmter Ernährungsweisen wie der Mediterranen Kost oder einem reduzierten Salzkonsum gewidmet.

Die Ergebnisse offenbarten: Von den insgesamt 16 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln und acht Ernährungsstilen hatten die meisten keinerlei Effekt. Sie schützten weder vor herzbedingten Todesfällen, noch beeinflussten sie die allgemeine Sterblichkeit, wie das Team berichtet. Die Einnahme dieser Präparate ist demnach im besten Fall Geldverschwendung. Doch im Einzelfall kann die Gesundheit dadurch sogar Schaden nehmen.

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Schädliche Kombination

So stellten die Wissenschaftler fest, dass die kombinierte Einnahme von Vitamin D und Calcium offenbar das Risiko für Schlaganfälle beeinflusste. Daten von 42.072 Studienteilnehmern deuten auf ein um immerhin 17 Prozent erhöhtes Risiko hin. Calcium oder Vitamin D allein schienen dagegen keine schädlichen Effekte zu haben.

Lediglich für zwei Nahrungszusätze und eine Diätform ließen sich Hinweise auf einen tatsächlichen Nutzen finden. Wer wenig Salz verzehrte, starb im Studienzeitraum demnach seltener an einer kardiovaskulären Herzerkrankung oder anderen Ursachen. Auch für Omega-3 zeichnete sich ein leicht positiver Effekt in Bezug auf Herzinfarkt und Co ab. Allerdings: Khan und sein Team stufen das Evidenzniveau in diesem Zusammenhang als niedrig ein – eine Cochrane-Metastudie hatte jüngst sogar gar keine signifikante Schutzwirkung durch diese Fettsäuren feststellen können.

Nur wenige Mittel nutzen

Für bestimmte Bevölkerungsgruppen nützlich ist möglicherweise die Einnahme von Folsäure. Diese für den Zellstoffwechsel wichtige Substanz kann den Ergebnissen zufolge das Schlaganfall-Risiko reduzieren. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Probanden aus China, die im Vergleich verhältnismäßig wenig Folsäure über normale Lebensmittel aufnehmen. Die Forscher vermuten daher: In Ländern, in denen die meisten Menschen über die Ernährung ausreichend mit Folsäure versorgt sind, hat eine zusätzliche Einnahme wahrscheinlich keinen Effekt.

„Insgesamt vermittelt unsere Analyse eine einfache Botschaft: Obwohl einige wenige Nahrungsergänzungsmittel einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben können, wirkt sich ein Großteil der Vitamine, Mineralien und Co nicht messbar auf das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen oder das Überleben aus“, konstatiert Khan.

„Keine Wunderpillen“

„Das Allheilmittel oder die Wunderpille, die viele in Nahrungszusätzen vermuten, gibt es nicht“, ergänzt Mitautorin Erin Michos von der Johns Hopkins University in Baltimore. „Die Menschen sollten sich vielmehr darauf konzentrieren, alle wichtigen Nährstoffe durch eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise zu erhalten. Die Mehrheit der gesunden Erwachsenen braucht keine Nahrungsergänzungsmittel“, so ihr Fazit. (Annals of Internal Medicine, 2019; doi: 10.7326/M19-0341)

Quelle: Johns Hopkins Medicine

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