Wachstumsfugen der Knochen schließen sich früher als noch vor 100 Jahren Kinderknochen reifen heute schneller - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wachstumsfugen der Knochen schließen sich früher als noch vor 100 Jahren

Kinderknochen reifen heute schneller

Knochenwachstum Kinder
Die Knochen von Kindern schließen ihr Wachstum inzwischen deutlich früher ab. © University of Missouri

Frühreife Millenials: Heutige Kinder kommen nicht nur früher in die Pubertät, auch ihre Knochen reifen schneller, wie eine Vergleichsstudie enthüllt. Demnach schließen sich die knorpeligen Wachstumsfugen in den Kinderknochen heute bei Jungen sieben Monate früher, bei Mädchen sogar zehn Monate früher als bei ihren Altersgenossen im letzten Jahrhundert. Wichtig ist dieses Wissen vor allem für Tests auf Wachstumsanomalien.

Die Menschheit wird immer größer und frühreifer: Im Gegensatz zu unseren Vorfahren vor mehr als hundert Jahren sind wir heute im Schnitt mehrere Zentimeter größer. Gleichzeitig kommen Kinder heute früher in die Pubertät. So lag der Zeitpunkt für die erste Menstruation bei Mädchen im 19. Jahrhundert noch zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, heute liegt er bereits zwei Jahre früher. Die Gründe dafür sind bisher nur in Teilen geklärt, als wichtiger Faktor gelten aber die Ernährung und im speziellen der höhere Zuckerkonsum.

Wachstumsfuge zeigt Knochenreife

Ob sich diese frühere Reife auch beim Knochenwachstum der Kinder zeigt, haben nun Melanie Boeyer von der University of Missouri und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie verglichen sie Röntgenaufnahmen der sogenannten Epiphysenfugen bei 1.292 Kinder, die zwischen 1915 und 2006 geboren worden waren. Alle Teilnehmer wurden in ihrer Kindheit teilweise wiederholt geröntgt, so dass an den Aufnahmen ablesbar war, wann sich diese Wachstumsfugen im Knochen bei ihnen schlossen.

Wachstumsfuge
Epiphysenfugen an den Unterschenkelknochen eines zwölfjährigen Kindes. © Gilo1969/ CC-by-sa 3.0

„Wir haben uns auf die Schließung der Epiphysenfugen konzentriert, weil sie das Ende des Knochenwachstums anzeigt“, erklärt Boeyers Kollegin Dana Duren. „Dieser Phase beginnt, wenn die knorpelige Wachstumsplatte am Ende der Knochen sich durch Verkalkungen mit der Knochenkappe der langen Knochen zu verbinden beginnt.“ Ist das Knochenwachstum abgeschlossen, ist die Knorpelfuge komplett verknöchert.

Sieben bis zehn Monate früher

Es zeigte sich: Bei Kindern, die in den letzten 20 Jahren geboren wurden, haben sich die Wachstumsfugen deutlich früher geschlossen als bei früheren Generationen. Bei Jungen rückte der Zeitpunkt des abgeschlossenen Knochenwachstums im Schnitt um sieben Monate vor, bei Mädchen sogar um knapp zehn Monate. „Diese Veränderungen haben sich im Laufe des letzten Jahrhunderts graduell entwickelt“, berichten die Forscher.

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Besonders deutlich hat sich die Knochenreifung in den Unterarmknochen und den Mittelhandknochen beschleunigt. Hier schließt sich die Epiphysenfuge an fast allen Knochen inzwischen früher, so Boeyer und ihre Kollegen. Weniger große Veränderungen zeigen sich dagegen an den Fingerknochen – ihr Wachstumsende hat sich kaum verändert.

Ursache könnten Hormone sein

„Unsere Ergebnisse belegen, dass es heute ein neues ‚Normal‘ für den Zeitpunkt gibt, an dem das Skelett von Kindern die volle Reife erreicht“, sagt Duren. Diese Entwicklung füge sich ein in den Trend der früheren Pubertät und Reife der Kinder. Was dieses frühere Erwachsenwerden verursacht, haben die Forscher nicht untersucht, sie vermuten aber, dass Hormone und auch hormonähnlich wirkende Umweltchemikalien dafür mitverantwortlich sein könnten.

Gleichzeitig ist das Wissen um dieses frühere Ende der Knochenwachstums auch für Mediziner von großer Bedeutung. Denn auch die Untersuchungen auf mögliche Wachstumsanomalien müssen nun zeitlich an diese Veränderungen angepasst werden. „Das Timing der Behandlung für solche Störungen ist entscheidend für ein gutes Ergebnis“, sagt Boeyer. „Ärzte müssen die Untersuchung der Epiphysenfugen deshalb heute früher beginnen als bisher.“ (Clinical Orthopaedics and Related Research, 2018; doi: 10.1097/CORR.0000000000000446)

Quelle: University of Missouri-Columbia

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