Erste klinische Studie zum Potenzial des Opioids als Krebsmedikament beginnt Kann Methadon Darmkrebs-Patienten helfen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Kann Methadon Darmkrebs-Patienten helfen?

Erste klinische Studie zum Potenzial des Opioids als Krebsmedikament beginnt

Methadon
Ob das Opioid Methadon gegen Krebs helfen kann, ist umstritten. Jetzt soll dies eine klinische Studie mit Darmkrebspatienten klären. © kchungtw/ thinkstock

Wirksam oder nicht? Zum ersten Mal werden Forscher systematisch an Patienten untersuchen, ob Methadon Chemotherapien tatsächlich wirksamer macht. Ihre klinische Studie widmet sich dabei dem Nutzen dieses Opioids bei der Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs. Die Ergebnisse sollen helfen, das mögliche Potenzial des Wirkstoffs als Krebsmedikament besser beurteilen zu können – bisher ist sein Nutzen umstritten.

Vielen ist Methadon wohl vor allem als Ersatzdroge für Heroinsüchtige bekannt. Doch in letzter Zeit hat sich das Opioid-Schmerzmittel auch einen Namen als potenzielles Krebsmedikament gemacht. Seit der Veröffentlichung einer Fernsehdokumentation im Sommer 2017 ist in der Öffentlichkeit viel über das vermeintliche Wundermittel gegen Tumore berichtet worden. Methadon, so heißt es, könne die Wirksamkeit von Chemotherapien verstärken und schwerkranken Patienten eine Chance auf Heilung geben.

Das Problem jedoch: Klinische Studien, die den Nutzen des Schmerzmittels für die Krebstherapie belegen, gibt es bisher gar nicht. Und in Zellexperimenten hat sich Methadon mal als wirksam, mal als unwirksam erwiesen. Krebsforscher warnen daher davor, das für seine teils schweren Nebenwirkungen bekannte Medikament unkritisch zu verschreiben oder einzufordern, bis nicht weitere Ergebnisse vorliegen – das allerdings könnte bald der Fall sein.

Tumor wird wieder empfindlich

Um dem Mangel an belastbaren Daten entgegenzuwirken, werden Wissenschaftler des Universitätsklinikums Ulm die Wirkung von Methadon gegen Krebs nun erstmals in einer klinischen Studie mit Patienten überprüfen. Das Team möchte herausfinden, was die Gabe des Schmerzmittels bei Menschen mit fortgeschrittenem Darmkrebs bringt. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 1,6 Millionen Euro.

Teilnehmer der Studie werden Patienten mit bereits metastasiertem Darmkrebs sein, bei denen die Chemotherapie nicht mehr anschlägt. „Die Krebszellen nehmen die Medikamente nicht mehr auf, sie sind widerstandsfähig geworden“, erklärt Studienleiter Thomas Seufferlein. „Unsere Hypothese ist, dass Methadon den Tumor wieder empfindlich für die Chemotherapeutika macht – auch dann, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.“

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Von Zellen zum Menschen

Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass für diese Wirkung des Methadons Opioid-Rezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen entscheidend sind. An diese kann sich das Methadon anheften und seinen Effekt auf die Zelle entfalten. „Je höher die Anzahl der Rezeptoren auf der Zelle ist, desto empfänglicher ist sie für Methadon“, sagt Seufferlein. „Einmal angedockt, sorgt es in der Zellkultur dafür, dass die Chemotherapeutika besser in die Zellen eindringen können – die Medikamente wirken damit effektiver.“

Lassen sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen? Um diese Frage zu beantworten zu können, müssen die Mediziner zunächst die Verträglichkeit des Methadons untersuchen und die passende Dosis in Verbindung mit der Chemotherapie bestimmen. Dies geschieht mit einer kleinen Zahl von Probanden. In der zweiten Phase der klinischen Studie wird eine größere Patientengruppe in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine erhält die Chemotherapie zusammen mit Methadon, die andere wird ausschließlich mit den Chemotherapeutika behandelt.

Welche Therapie wirkt besser?

Im Verlauf der Studie halten die Wissenschaftler fest, welche Patienten die besseren Behandlungsergebnisse aufweisen. „Dabei geht es zwar primär um den Therapieerfolg an sich – darüber hinaus möchten wir aber auch die Lebensqualität unserer Patienten im Auge behalten“, erklärt Seufferlein. Die Studie soll bis zum Jahr 2026 abgeschlossen werden.

Bis dahin ist weiterhin Vorsicht vor voreiligen Schlüssen angesagt, wie Gerd Nettekoven von der Deutschen Krebshilfe betont: „Bisher liegen zum Thema Methadon in der Krebstherapie nur Ergebnisse aus der Grundlagenforschung vor. Auf dieser Basis raten wir nach wie vor von einem Einsatz von Methadon als Krebsmedikament außerhalb von kontrollierten Studien ab.“ Umso wichtiger sei es aber, dass das mögliche Potenzial des Wirkstoffs nun erstmals unter klinischen Bedingungen untersucht werde.

Quelle: Deutsche Krebshilfe

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