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Corona: Wie lange hält der Immunschutz?

Studie weist wirksames Immungedächtnis noch nach acht Monaten nach

Immunschutz
Die Impfung oder eine überstandene Corona-Infektion machen uns immun gegen Covid-19 – aber wie lange hält dieser Schutz an? © peterschreibermedia/ iStock

Ermutigende Daten: Die Schutzwirkung einer Impfung oder überstandenen Corona-Infektion könnte länger anhalten als anfangs gedacht, wie eine US-Studie belegt. Demnach waren wichtige Komponenten des Immungedächtnisses, darunter Antikörper, B-Gedächtniszellen und T-Zellen, bei 95 Prozent der Patienten noch nach acht Monaten nachweisbar. Das weckt die Hoffnung, dass auch der Immunschutz durch die aktuellen Impfstoffe von längerer Dauer ist.

Antikörper
Impfstoffe sollen das Immunsystem dazu bringen, Antikörper und Abwehrzellen gegen SARS-CoV-2 zu bilden. © koto_feja/ iStock

Ziel der aktuellen Corona-Impfstoffe ist es, uns vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Möglich wird dies, weil unsere Immunabwehr ähnlich wie nach einer Infektion einen Immunschutz aufbaut. Dafür sorgen virenspezifische Antikörper, aber auch spezielle Gedächtniszellen. So speichern B-Gedächtniszellen die „Bauanleitung“ für neue Antikörper, während Unterformen der CD4+– und CD8+-T-Zellen bei einer Zweitinfektion unter anderem Killerzellen und antivirale T-Helferzellen aktivieren. Im Idealfall bleiben diese Komponenten des Immungedächtnisses über Jahre erhalten.

Ob dies beim Coronavirus SARS-CoV-2 der Fall ist, war jedoch unklar. Denn Studien zufolge haben einige genesene Covid-Patienten schon nach kurzer Zeit kaum noch neutralisierende Antikörper im Blut. Zudem hat es vereinzelt Fälle von Re-Infektionen gegeben – Menschen, die sich trotz überstandener Corona-Infektion erneut mit SARS-CoV-2 angesteckt haben. Das wirft die Frage auf, wie lange der Immunschutz durch die Impfungen, aber auch nach überstandener Corona-Infektion anhält.

 Umfassender Blick aufs Immungedächtnis

Positive Neuigkeiten dazu liefern nun Forscher um Jennifer Dan vom La Jolla Institute for Immunology. Für ihre Studie hatten sie das Immungeschehen bei 188 Covid-19-Patienten über acht Monate hinweg verfolgt. Über Blutproben ermittelten sie den Gehalt von verschiedenen Antikörper-Typen, von B-Gedächtniszellen, von CD4+-T-Zellen und von CD8+-T-Gedächtniszellen.

„Soweit wir wissen, ist dies die umfangreichste je für eine Infektion durchgeführte Studie, die alle vier dieser Komponenten des Immungedächtnisses untersucht hat“, sagt Koautor Alessandro Sette von der University of California in San Diego. Erst die gleichzeitige Erfassung sowohl der Antikörper, wie auch des zellulären Immungedächtnisse gebe einen Einblick darin, wie sich der Immunschutz gegen SARS-CoV-2 entwickele.

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Anhaltender Schutz bei 95 Prozent der Probanden

Das Ergebnis: 95 Prozent der Patienten besaßen noch fünf bis acht Monate nach überstandener Infektion mindestens drei Komponenten des Immungedächtnisses gegen Covid-19. Die Menge der neutralisierenden Antikörper nahm zwar über die Zeit langsam ab. 90 Prozent der Patienten wurden aber auch am Schluss noch positiv auf neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet, wie Dan und ihr Team berichten.

Auch die Abwehr- und Gedächtniszellen bleiben größtenteils lange erhalten. Die B-Gedächtniszellen nahmen sogar in den ersten vier Monaten nach der Infektion weiter zu und blieben dann auf einem hohen Niveau. „Basierend auf unseren Beobachtungen ist das B-Zell-Gedächtnis robust und wahrscheinlich lange anhaltend“, konstatieren die Forscher. Als ähnlich langlebig erwiesen sich auch die CD4+-T-Gedächtniszellen. Bei 92 Prozent der Probanden konnten sie noch sechs Monate nach der Infektion nachgewiesen werden.

Weniger lange halten dagegen offenbar die virusspezifischen CD8+-T-Zellen. Nach einem Monat waren sie bei 70 Prozent der Teilnehmer nachweisbar, nach sechs Monaten nur noch bei der Hälfte, wie Dan und ihr Team berichten. Ihre Zahl nimmt demnach im Laufe der Zeit langsam ab.

Gute Nachricht auch für die Impfungen

Nach Ansicht der Forscher sprechen ihre Daten insgesamt aber dafür, dass der Immunschutz gegen SARS-CoV-2 mindestens sechs bis acht Monate anhält. „Es gibt eine gute Chance, dass Menschen für diese Zeit und wahrscheinlich darüber hinaus geschützt sind – zumindest gegen schwere Verläufe von Covid-19“, sagt Koautor Shane Crotty vom La Jolla Institute for Immunology.

Das sei auch für die Schutzimpfungen eine gute Nachricht. „Es ist gut möglich, dass das Immungedächtnis nach einer Impfung ähnlich lange anhält, aber sicher wissen wir dies erst, wenn wir entsprechende Daten haben“, erklärt Dans Kollegin Daniela Weiskopf.

Allerdings hat die Studie auch bestätigt, dass es große individuelle Unterschiede bei der Immunantwort gibt, die sich dann auch im Immungedächtnis widerspiegeln. „Daher ist es möglich, dass ein kleiner Anteil der Genesenen mit schwachem Immungedächtnis relativ schnell wieder anfällig für eine Re-Infektion wird“, schreiben die Wissenschaftler. Warum die Immunreaktion bei einigen Menschen schwächer ausfällt, ist bislang ungeklärt. (Science, 2021; doi: 10.1126/science.abf4063)

Quelle: La Jolla Institute for Immunology

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