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Kuipergürtel: Orbit von „Farfarout“ bestimmt

Ferner Zwergplanet pendelt zwischen Neptunbahn und großer Sonnenferne

Farfarout
Das Objekt "Farfarout" gehört zu den fernsten bekannten Zwergplaneten im Sonnensystem, jetzt haben Astronomen seinen Orbit bestimmt. © Roberto Molar Candanosa, Scott S. Sheppard/ Carnegie Institution for Science; Brooks Bays/ University of Hawaii

Eisiger Pendler: Astronomen haben die Umlaufbahn des fernen Zwergplaneten „Farfarout“ bestimmt und festgestellt: Er trägt seinen Spitznahmen zu Recht. Denn der 400 Kilometer große Brocken ist auf seinem Orbit zwischen 27 und 175 astronomische Einheiten von der Sonne entfernt. Damit kreuzt er regelmäßig die Bahn des Neptun, fliegt dann aber weit hinaus. Er hat nun auch seinen offiziellen Namen erhalten: 2018 AG37.

Jenseits des Neptun kreisen unzählige eisige Brocken auf teils stark exzentrischen Bahnen um die Sonne. Nur ein Bruchteil dieser Objekte im Kuipergürtel ist bislang bekannt. Unter ihnen sind zahlreiche Kleinplaneten und Kometen, aber auch größere Zwergplaneten wie Sedna oder Pluto. Es könnte sogar sein, dass sich dort draußen noch ein echter Planet verbirgt – der bislang hypothetische neptungroße „Planet 9„.

Farfarout Aufnahme
Eine der Aufnahmen des Subaru-Teleskops, die zur Entdeckung von „Farfarout“ (blau) führten. © S. Sheppard

Ein Objekt namens „weit, weit weg“

Einen weiteren Bewohner der transneptunischen Weiten haben Astronomen um Scott Sheppard von der Carnegie Institution for Science im Januar 2018 entdeckt. „Zu dieser Zeit kannten wir aber den Orbit des Objekts noch nicht“, erklärt Sheppard. „Wir hatten nur Aufnahmen des Subaru-Teleskops auf Hawaii aus 24 Stunden, aber es braucht Jahre, um die Umlaufbahn eines Objekts um die Sonne zu bestimmen.“

Klar war aber schon damals, dass der rund 400 Kilometer große Brocken sehr weit weg liegen musste. Die Astronomen gaben ihm daher den Spitznamen „Farfarout“, in Anlehnung an ein zuvor entdecktes, etwas näher liegendes Objekt namens „Farout„. Seither haben Sheppard und seine Kollegen die Zeit genutzt, um die Bewegung von „Farfarout“ mithilfe des leistungsstarken Gemini-North-Teleskops auf dem Mauna Kea und den Magellan-Teleskopen in Chile über mehrere Jahre hinweg zu verfolgen.

„Farfarout“ kreuzt die Neptunbahn

Jetzt ist auch der Orbit von „Farfarout“ bekannt. Der kleine Zwergplanet pendelt auf einer stark elliptischen Bahn zwischen seinem sonnenfernsten Punkt in 175 astronomischen Einheiten Entfernung und dem sonnennächsten Punkt seines Orbit in „nur“ 27 astronomischen Einheiten. Das bedeutet, dass er immer wieder die Bahn des Neptun kreuzt und für kurze Zeit sogar etwas näher an der Sonne ist als der Außenplanet.

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Für Planetenforscher ist „Farfarout“ durch diese periodische Nähe zu Neptun besonders interessant – und gibt Einblicke in seine mögliche Vergangenheit. „Farfarout wurde wahrscheinlich ins äußere Sonnensystem geschleudert, als er dem Neptun einst zu nahe kam“, erklärt Chad Trujillo von der Northern Arizona University. „Wenn ihre Bahnen sich in der Zukunft wieder kreuzen, könnte er erneut mit dem Neptun interagieren.“

Tausend Jahre für einen Umlauf

Das allerdings könnte noch dauern, denn zurzeit ist „Farfarout“ weit von der Neptunbahn entfernt: Er bewegt sich in rund 132 astronomischen Einheiten Entfernung. „Für eine einzige Umrundung der Sonne benötigt Farfarout ein ganzes Jahrtausend“, berichtet David Tholen von der University of Hawaii in Manoa. „Wegen dieser langen Orbitalperiode bewegt sich das Objekt nur sehr langsam über den Himmel.“

Nachdem nun seine Umlaufbahn zumindest grob bestimmt wurde, hat die Internationale Astronomische Vereinigung (IAU) dem Objekt einen vorläufigen offiziellen Namen verliehen: „Farfarout“ ist nun 2018 AG37.

„Nur die Spitze des Eisbergs“

Nach Ansicht der Astronomen bestätigt die Entdeckung von „Farfarout“, dass es jenseits des Neptun noch einiges zu entdecken gibt. „Erst durch die Installation leistungsstarker Digitalkameras an den großen Teleskopen ist es in den letzten Jahren möglich geworden, solche sehr fernen Objekte wie Farfarout aufzuspüren“, sagt Sheppard. „Denn obwohl einige von ihnen die Größe von Zwergplaneten haben, sind sie sehr lichtschwach.“

Sheppard und sein Team sind sich daher sicher, dass sich dort draußen noch viele weitere Objekte verbergen. „Farfarout ist nur die Spitze eines Eisbergs solcher Objekte im äußeren Sonnensystem“, so der Astronom. (Minor Planet Meeting at Harvard)

Quelle: University of Hawaii at Manoa, Northern Arizona University, NOIRLab (National Optical-Infrared Astronomy Research Laboratory)

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