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Unsere Strände verschwinden

Klimawandel könnte die Hälfte der weltweiten Sandstrände ausradieren

Strand
Idyll aus Palmen, Sand und Meer: Strände wie dieser sind durch den Klimawandel bedroht. © den-belitsky/ istock

Sandparadiese in Gefahr: Der Klimawandel könnte die Hälfte aller Strände weltweit förmlich ausradieren. Prognosen legen nahe, dass viele Länder schon bis zum Ende dieses Jahrhunderts kilometerweise Sandstrand eingebüßt haben werden – ein wesentlicher Grund dafür ist der Meeresspiegelanstieg. Verhindern lässt sich der Verlust der einzigartigen Landschaften nur durch wirksamen Küsten- und Klimaschutz, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Climate Change“ betonen.

Feiner, heller Sand, begleitet vom Rauschen des Meeres: Sandstrände säumen mehr als ein Drittel der weltweiten Küstenlinie. Als Übergangszonen zwischen Land und Ozean erfüllen sie nicht nur vielfältige ökologische Funktionen. In zahlreichen Ländern hat ihre Existenz auch enormen wirtschaftlichen Wert. Denn Strände stehen für Freizeitspaß und Erholung und locken scharenweise Urlauber an.

Das Besondere an diesen Landstrichen ist, dass sie einem kontinuierlichen Wandel unterliegen. Unter dem Einfluss von Gezeiten, Wetter und dem Menschen verändern sie ständig ihre Erscheinung. Dabei beobachten Forscher in letzter Zeit einen besorgniserregenden Trend: Viele Strände werden immer kleiner. Sie sind von Erosionsvorgängen und damit verbundenen Strand- und Landverlusten bedroht.

Meeresspiegelanstieg „frisst“ Strand

Dieses Schwinden der Strände könnte durch den Klimawandel noch weiter verschärft werden, wie Michalis Vousdoukas von der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission im italienischen Ispra und seine Kollegen berichten. „Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen steigenden Meeresspiegeln und dem Rückzug der Küsten“, erklären sie. Zusätzlich beeinflusse die Erderwärmung das Auftreten von Stürmen, die ebenfalls zum Abtragen von Stränden beitragen.

Wie schlimm aber wird es für unsere Sandstrände kommen? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler nun Satellitendaten ausgewertet, die globale Veränderungen der Küstenlinie zwischen 1984 und 2015 zeigen. Die aus diesen Informationen ablesbaren Zusammenhänge und Trends nutzten sie anschließend für eine Zukunftsprognose. Dabei betrachteten sie zwei unterschiedliche Klimaszenarien: eine ungebremste (RCP 8.5) und eine durch Klimaschutz zumindest abgemilderte Erwärmung (RCP 4.5).

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Australien verliert am meisten Strandkilometer

Die Ergebnisse enthüllten: Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte die Hälfte der weltweiten Sandstrände fast vollständig verschwunden sein. „Unsere Analysen zeigen einen allgemeinen Erosionstrend, der mit der Zeit und der Intensität der Treibhausgasemissionen zunimmt“, berichtet Vousdoukas‘ Team. Der wesentliche Treiber hinter dieser Entwicklung scheint in den meisten Fällen tatsächlich der Meeresspiegelanstieg zu sein.

Einige Länder sind von dem Rückzug der Strände besonders betroffen. Einen großen prozentualen Anteil ihrer Strände verlieren in beiden Klimaszenarien unter anderem die Demokratische Republik Kongo, Gambia und Guinea. Gemessen an den verlorenen Strandkilometern ist dagegen Australien potenziell am stärkten betroffen. Das Land droht bis zum Ende des Jahrhunderts demnach mindestens 11.400 Kilometer Sandstrand zu verlieren, bei ungebremster Erwärmung sogar 14.800. „Schon die 11.400 Kilometer entsprechen rund 50 Prozent der gesamten sandigen Küstenlinie des Landes“, konstatieren die Forscher.

Daneben könnten den Befunden zufolge auch Kanada, Chile, Mexiko, China und die USA große Strandverluste erleiden. Letztere könnten bei moderater Erwärmung bis 2100 zum Beispiel 3.900 Kilometer Sandstrand einbüßen, bei ungebremstem Klimawandel 5.500.

Auch wirtschaftliche Folgen drohen

Wie die Wissenschaftler berichten, befindet sich ein Großteil der bedrohten Strände in dicht von Menschen besiedelten Gegenden. Entsprechend gravierend sind die möglichen Folgen: Zum einen bedeutet das Schrumpfen der Sandstreifen, dass die Küsten und ihre Bewohner weniger gut vor marinen Stürmen und Fluten geschützt sind.

Zum anderen könnten sich negative Effekte für den Tourismus ergeben. Dies wäre vor allem für jene betroffenen Länder katastrophal, die eine vergleichsweise schwache Wirtschaft haben und vorwiegend vom Tourismus abhängig sind. „In vielen dieser Staaten stellen Sandstrände die wesentliche Touristenattraktion dar“, konstatieren Vousdoukas und seine Kollegen.

Beste Maßnahme: Klimaschutz

Was also tun? Angesichts der neuen Prognosen scheint klar, dass effektive Maßnahmen zum Küstenschutz dringend notwendig sind. Ein Anfang wäre schon gemacht, wenn durch den Menschen verursachte Erosionsprozesse gestoppt würden – sie tragen an vielen Stellen ebenfalls zum Schwinden der Strände bei, wie das Team erklärt. Doch dies allein werde das Problem nicht lösen können, denn: „Der Meeresspiegelanstieg übt einen noch nie dagewesenen Druck auf unsere Küsten aus.“

Die Forscher nennen die Niederlande als ein positives Beispiel dafür, wie der Stranderosion durch geschickte Küstenplanung entgegengewirkt werden kann. Die beste Schutzmaßnahme ist jedoch der Klimaschutz selbst. So legen die Berechnungen nahe, dass schon eine moderate Reduktion der Treibhausgasemissionen den Rückzug der Strände teilweise verhindern könnte – bis 2050 um 17 Prozent und bis 2100 sogar um 40 Prozent.

„Das entspricht einem globalen Durchschnitt von rund 42 Meter geretteter Sandstrandbreite bis zum Ende des Jahrhunderts“, so das Fazit des Teams. (Nature Climate Change, 2020; doi: 10.1038/s41558-020-0697-0)

Quelle: Nature Press

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