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Klimawandel: Südlicher Schneeferner verliert Gletscherstatus

Die deutschen Alpen haben nur noch vier statt fünf Berggletscher

Zugspitzblatt
Blick auf das Zugspitzblatt mit dem Nördlichen Schneeferner rechts und den Resten des Südlichen Schneeferners links.© Gerdt / CC-by-sa 3.0

Opfer der Erwärmung: In den deutschen Alpen gibt es nur noch vier statt bisher fünf Gletscher. Denn der Südliche Schneeferner, einer der Gletscher der Zugspitze, ist so weit geschrumpft, dass er nun seinen offiziellen Status als Gletscher verloren hat. Sein Eis bewegt sich nicht mehr und ist größtenteils auf weniger als zwei Meter ausgedünnt. Glaziologen schätzen, dass diese Eisreste in den nächsten ein bis zwei Jahren völlig abtauen werden – der Südliche Schneeferner ist dann Geschichte.

Die Alpen gehören zu den Gebirgen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Die Schweizer Berggletscher haben in den letzten 90 Jahren bereits die Hälfte ihres Eisvolumens verloren, aber noch stärker betroffen sind die tiefer liegenden Gletscher der bayrischen Alpen: Schon 2012 prognostizierten Glaziologen, dass von den fünf dortigen Alpengletschern bis 2040 nur noch einer übrig bleiben wird – der nördliche Teil des Höllentalferners auf der Zugspitze.

Zugspitzgletscher auf dem Rückzug

Jetzt ist es soweit: Der erste der fünf deutschen Alpengletscher ist so weit abgeschmolzen, dass er nicht mehr als eigenständiger Gletscher gilt. Betroffen ist der Südliche Schneeferner, ein Eisstrom, der einst der größte Gletscher Bayerns war und den gesamten südwestlichen Teil des Zugspitzplatts bedeckte. Bereits 2012 hatten Gletscherforscher festgestellt, dass dieser Berggletscher kein Akkumulationsgebiet mehr besitzt und damit keinen Bereich, in dem er durch Schneefall noch neues Eis bilden kann.

Nachdem der Südliche Schneeferner schon 2015 auf eine Fläche von weniger als vier Hektar geschrumpft war, hat sich der Eisschwund in den letzten Jahren verstärkt fortgesetzt. Bereits 2018 waren nur noch 1,8 Hektar Fläche übrig, Tendenz weiter fallend. Der warme Sommer 2022 hat dem einst mächtigen Gletscher nun den Rest gegeben, wie nun neue Georadar-Messungen von Mitte September 2022 enthüllt haben.

Schwindende Fläche, kein Fluss mehr

Den aktuellen Daten zufolge erreicht die Eisdicke des Südlichen Schneeferners an den meisten Stellen nicht einmal mehr zwei Meter. Selbst an der tiefsten Stelle ist sein Eis inzwischen weniger als sechs Meter dick, im Vergleich zu etwa zehn Metern in 2018. Gleichzeitig hat sich die Gletscherfläche auf weniger als einen Hektar reduziert und damit seit 2018 etwa halbiert. Die Glaziologen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gehen davon aus, dass auch das verbleibende Eis innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre vollständig abschmelzen wird.

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Doch schon jetzt ist der Gletscher faktisch „tot“: Das Resteis des Südlichen Schneeferners hat so viel an Masse verloren, dass es sich nicht mehr bewegt – der Eisstrom fließt nicht mehr. Aus diesem Grund wurde ihm nun auch der offizielle Status aberkannt – der Südliche Schneeferner ist kein Gletscher mehr. Wie die Bayerische Akademie der Wissenschaften mitteilt, werden damit auch die seit 1892 regelmäßig stattfindenden Gletschervermessungen am Südlichen Schneeferner eingestellt.

Nur einer der fünf könnte überdauern

Damit gibt es in den deutschen Alpen jetzt nur noch vier Gletscher: den Nördlicher Schneeferner und den Höllentalferner auf der Zugspitze und Blaueis und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen. Aber auch für sie sehen die Prognosen nicht gut aus. Die Glaziologen schätzen, dass nur der relativ gut beschattete und höher liegende Höllentalferner auf der Zugspitze die kommenden Jahre und Jahrzehnte überstehen wird. Alle anderen Gebirgsgletscher der deutschen Alpen sind schon jetzt dem Untergang geweiht.

Quelle: Bayerische Akademie der Wissenschaften

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