Expedition soll Massivsulfid-Vorkommen im Indischen Ozean ausfindig machen Forscher fahnden nach Tiefsee-Rohstoffen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Expedition soll Massivsulfid-Vorkommen im Indischen Ozean ausfindig machen

Forscher fahnden nach Tiefsee-Rohstoffen

An solchen Schwarzen Rauchern lagern sich häufig Massivsulfide ab © NOAA Vents Program

Rohstoff-Fahndung in 3.000 Metern Tiefe: Auf der Suche nach den metallreichen Massivsulfiden am Meeresgrund werden deutsche Forscher Ende Oktober in den Indischen Ozean aufbrechen. Mit Hilfe einer speziellen „elektronischen Nase“ wollen sie dort in der Nähe von hydrothermalen Schloten nach lohnenden Rohstoffvorkommen für den künftigen Abbau suchen.

Am Grund der Tiefsee gibt es reichlich Rohstoffe. Neben den auf dem Meeresboden liegenden Manganknollen und Kobaltkrusten an den Hängen unterseeischer Vulkane sind dies vor allem Massivsulfide. Diese dicken Ablagerungen enthalten wertvolle Metalle wie Gold, Silber und Kupfer, aber auch Hochtechnologiemetalle wie Gallium, Indium, Kobalt, Nickel, Selen und Tellur.

Ablagerungen an Schwarzen Rauchern

Die Massivsulfide finden sich typischerweise an aktiven und erloschenen Schwarzen Rauchern – Hydrothermalquellen, an denen bis zu 400 Grad Celsius heißes, mineralreiches Wasser aus dem Meeresboden schießt. Aus dieser Flüssigkeit fallen die Metallverbindungen aus und bilden um die hydrothermalen Schlote im Laufe der Zeit Ablagerungen.

Nach solchen Massivsulfiden suchen Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ab dem 31. Oktober auf einer 40-tägigen Expedition im Indischen Ozean. Südlich der Insel Rodriguez liegt dort das 10.000 Quadratkilometer große deutsche Lizenzgebiet – der Bereich, in dem Deutschland künftig Rohstoffe abbauen dürfte. Dafür allerdings muss zunächst klar sein, wo sich die Massivsulfide befinden – und wo sie ohne größeren Schaden für die sensible Ökologie der Tiefsee abgebaut werden könnten.

Forschungsschiff Sonne © IFM-GEOMAR

Elektronische Unterwasser-Nase

Um dies herauszufinden, nutzen die Forscher spezielle Unterwassersensoren – eine Art künstlicher Nase unter Wasser. „Bei unserer Suche nach marinen metallischen Rohstoffen setzen wir in einer Tiefe von 2.400 bis 3.500 Meter einen etwa zwei Meter langen Schlitten aus Stahlrohr ein, der mit hochempfindlichen chemo-physikalischen Sensoren ausgestattet ist“, erklärt BGR-Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera. „Diese Detektoren können bereits in der Wassersäule heiße metallreiche Lösungen quasi erschnüffeln.“

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Auf diese Weise können die Forscher aktive Schwarze Raucher ausfindig machen und auch die meist in deren Nähe liegenden inaktiven Schlote. Denn diese sind das eigentliche Ziel der Forscher. In den erloschenen Feldern ist nicht nur die Bildung der Massivsulfide abgeschlossen, es kommen auch keine Lebensformen mehr vor, die sonst an den aktiven heißen Quellen anzutreffen sind. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um die Rohstoffe später halbwegs schonend für die sensible Tiefsee-Ökologie abbauen zu können.

(BGR, 21.10.2014 – NPO)

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