Klimaerwärmung hat zu fundamentalem Wandel im Nordpolarmeer geführt Arktische Meereisfläche erreicht Rekordtief - scinexx | Das Wissensmagazin
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Klimaerwärmung hat zu fundamentalem Wandel im Nordpolarmeer geführt

Arktische Meereisfläche erreicht Rekordtief

Ausdehnung des arktischen Meereises am 26. August 2012; dem Tag, an dem das bisherige Rekordtief unterschritten wurde; die orange Linie markiert das langjährige Mittel der Jahre 1979 bis 2000 © National Snow and Ice Data Center

Das Nordpolarmeer ist in diesem Sommer so eisfrei wie noch nie: Erstmals seit Beginn der Satellitenmessungen vor gut 30 Jahren sank die arktische Meereisfläche auf nur noch 4,09 Millionen Quadratkilometer. Das teilte das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) im US-amerikanischen Boulder mit. Das bisherige Rekordtief aus dem Jahr 2007 sei in diesem Jahr noch um rund 70.000 Quadratkilometer unterschritten worden – und dies, obwohl die sommerliche Eisschmelze noch nicht abgeschlossen ist. Die Forscher rechnen daher damit, dass die Eisfläche in den nächsten Wochen noch weiter schrumpfen wird.

Bereits vor einigen Wochen hatte Meereis-Experte Lars Kaleschke vom Klimacampus der Universität Hamburg für dieses Jahr ein neues Rekordtief vorhergesagt. Ausgehend von Satellitendaten und statistischen Berechnungen prognostizierte er für den September eine Meereisfläche von etwa 4,1 Millionen Quadratkilometern. Die aktuellen Messungen zeigen nun, dass die Schmelze noch stärker ausfällt, als von Kaleschke geschätzt.

Rekordschmelze trotz normaler Wetterbedingungen

Als besorgniserregend werten die NSIDC-Forscher, dass dieses Rekordtief eingetreten ist, obwohl der arktische Sommer in diesem Jahr nicht außergewöhnlich warm war. „Abgesehen von einem starken Sturm Mitte August war das Wetter völlig normal“, erklärt NSIDC-Direktor Mark Serreze. Bei der Rekordschmelze im Jahr 2007 sei dies anders gewesen, damals sei ein sehr warmer Sommer vorausgegangen. Das zeige, dass sich das arktische Meereis inzwischen fundamental gewandelt habe. Ursache dafür sei der fortschreitende Klimawandel.

Diese Kurve zeigt die Entwicklung der arktischen Meereisfläche zwischen Mai und September im Jahr 2012 (blaue Linie), im bisherigen Rekordjahr 2007 (grün gestrichelt) und im langjährigen Mittel 1979 bis 200 (grau). © National Snow and Ice Data Center

Wie die Forscher erklären, bestand das arktische Meereis ursprünglich zum Großteil aus Dauereis. Dieses schmolz auch im Sommer nicht ab und blieb daher über mehrere Jahre erhalten. „Diese besonders dicke, stabile Komponente der Eisdecke verlieren wir jetzt“, sagt Joey Comiso, zuständig für die Satellitenbildauswertung am Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt. Durch die anhaltend steigenden Temperaturen in der Nordpolarregion sinke der Anteil des Dauereises stetig. Satellitendaten zeigen, dass die Dicke der arktischen Meereisfläche in den letzten 30 Jahren deutlich abgenommen hat. Heute bestehe die arktische Eisfläche zu einem größeren Teil aus dem dünneren, saisonalen Eis – und schmelze im Sommer daher immer stärker ab.

Diese Visualisierung zeigt die Ausdehnung des arktischen Meereises am 26. August 2012, beruhend auf Satellitenmessungen; die orange Linie markiert das langjährige Mittel der Jahre 1979 bis 2000 für das sommerliche Minimum. © Scientific Visualization Studio, NASA Goddard Space Flight Center

Normalerweise folgt das arktische Meereis einem typischen Jahreszyklus: Im Winter friert das Nordpolarmeer nahezu vollständig zu und erreicht im März seine größte Ausdehnung. Ab dann beginnen sich Luft und Wasser wieder zu erwärmen und das Eis schmilzt. Als Folge nimmt die Eisfläche den Sommer über ab, bis sie Mitte bis Ende September ihr Minimum erreicht. Das Ausmaß der sommerlichen Schmelze variiere von Jahr zu Jahr, abhängig von den jeweiligen Wetterbedingungen, erklären die Forscher. In den letzten drei Jahrzehnten sei aber ein dramatischer Trend erkennbar: Die sommerliche Eisfläche sei seit 1979 um 13 Prozent abgesunken. Das sei ein starkes Signal dafür, dass diese Eisschmelze eine Langzeitfolge des Klimawandels sei, betonen die Wissenschaftler.

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(National Snow and Ice Data Center (NSIDC) / NASA, 29.08.2012 – NPO)

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