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Wie Hunde Sprache verarbeiten

Hunde erkennen bekannte Worte, vernachlässigen aber Feinheiten im Klang

Hund
Wie gut verstehen Hunde, was wir ihnen sagen? © wavetop/ iStock

Sitz, Platz, Bleib! Bekannte Worte und Kommandos verarbeiten Hunde ähnlich wie Menschen, wie nun Hirnstrommessungen zeigen. Trotz ihres hervorragenden Gehörs können die Vierbeiner aber klangliche Feinheiten nicht differenzieren. Ähnlich klingende Fantasieworte lösen bei ihnen die gleichen Hirnreaktionen aus – nicht jedoch Fantasieworte, die keinem bekannten Wort ähneln. Die Sprachverarbeitung der Hunde entspricht somit etwa dem Niveau von einjährigen Kindern.

Hunde haben sich im Laufe der Domestikation stark an uns Menschen angepasst: Sie deuten unseren Gesichtsausdruck und unseren Tonfall und sind nach entsprechendem Training in der Lage, teils hunderte unserer Wörter zu verstehen. So können sie Spielzeuge anhand ihrer Bezeichnung identifizieren und korrekt auf Kommandos reagieren. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass sich die Hirnreaktionen der Vierbeiner unterscheiden, je nachdem ob sie ein bekanntes oder ein unbekanntes Wort hören.

Testhund
Hund bei der Aufzeichnung seiner Hirnströme. © Vivien Reicher

Familienhunde im Labor

Ein Team um Lilla Magyari von der Eötvös Loránd University in Ungarn hat nun untersucht, inwieweit die besten Freunde des Menschen Feinheiten unserer Sprache wahrnehmen. Dazu luden sie Familienhunde mit ihren Besitzern ins Labor ein. Mit Elektroden auf dem Kopf der Vierbeiner maßen die Forscher per EEG die Hirnströme, während die Hunde verschiedene Wörter hörten.

Dabei handelte es sich zum einen um bekannte Kommandos, darunter die ungarische Version von „Platz“, „Komm“ und „Bleib“. Zum anderen hörten die Hunde ähnlich klingende Kunstwörter, etwa „Plotz“, sowie weitere bedeutungslose Wörter, die keinem der bekannten Kommandos glichen. Keines der Tiere war zuvor speziell trainiert worden. „Statt unsere Hunde-Teilnehmer darauf zu trainieren, beim EEG stillzuhalten, haben wir uns entschlossen, einfach eine entspannte Atmosphäre für die Hunde und ihre Besitzer zu schaffen“, erzählt Magyari.

Verzerrungen der Daten durch Kopfbewegungen der Vierbeiner rechneten die Forscher im Nachhinein heraus. Bewegte sich ein Hund zu stark oder wollte sich die Elektroden gar nicht erst aufkleben lassen, wurde er aus der Studie ausgeschlossen. „Die Ausfallrate war aber ähnlich wie bei Studien mit menschlichen Kindern“, sagt Magyari.

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Verarbeitung wie bei Kleinkindern

Die Ergebnisse weisen erstaunliche Parallelen zwischen Hunden und Kleinkindern auf: Bereits 200 bis 300 Millisekunden nach Beginn des Wortes zeigte sich in den Hirnströmen der Hunde, ob sie ein Wort als bekannt oder unbekannt identifiziert hatten. Das entspricht dem Wert, den kleine Kinder bei ähnlichen Aufgaben erreichen. Bei erwachsenen Menschen lässt sich schon nach 100 Millisekunden im EEG ablesen, ob ihr Gehirn ein Wort als bekannt oder unbekannt eingeordnet hat.

Bei den kommandoähnlichen Kunstwörtern zeigten sich die gleichen Verarbeitungsprozesse im Hundehirn wie bei bekannten Wörtern. Auch damit ähneln die Vierbeiner menschlichen Kleinkindern. Diese beginnen erst im Laufe des zweiten Lebensjahres, auf sprachliche Feinheiten zu achten. Kinder unter 14 Monaten dagegen nehmen ebenso wie die Hunde nur den groben Klang eines Wortes wahr, sind aber nicht in der Lage, ähnlich klingende Fantasiewörter von bekannten Wörtern zu unterscheiden.

„Wir vermuten, dass die ähnliche Hirnaktivität der Hunde bei bekannten und ähnlich klingenden Wörtern nicht auf Beschränkungen der Sinneswahrnehmung beruht, sondern auf Verzerrungen durch Aufmerksamkeit und kognitive Verarbeitung – ebenso wie es bei Kleinkindern der Fall ist“, sagt Magyaris Kollege Attila Andics. „Womöglich befassen sich Hunde nicht mit allen Details des sprachlichen Klangs. Zukünftige Forschungen könnten zeigen, ob dies der Grund ist, warum die Anzahl an Wörtern, die Hunde lernen können, begrenzt ist.“ (Royal Society Open Science, 2020, doi: 10.1098/rsos.200851)

Quelle: Eötvös Loránd University (ELTE)

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