Unterlegene Weibchen setzen “Pfefferspray” gegen Artgenossinnen ein Wespen sind schlechte Verlierer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unterlegene Weibchen setzen “Pfefferspray” gegen Artgenossinnen ein

Wespen sind schlechte Verlierer

Wespen der Art Goniozus legneri auf einer Larve. © Sonia Dourlot

Wespen besitzen nicht nur einen Stachel, um sich zu wehren, sie tragen auch die Insektenversion eines Pfeffersprays mit sich. Zum ersten Mal haben nun Forscher beobachtet, wie Weibchen der Wespenart Goniozus legneri diese Waffe in Kämpfen gegen Artgenossen einsetzen. Es zeigte sich, dass immer nur das unterlegene Weibchen das Gas freisetzt.

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Ian Hardy von der Universität von Nottingham analysierten, was chemisch geschieht, wenn Weibchen der Art Goniozus legneri sich um den Besitz von Larven streiten. Die Larven dienen dienen der parasitischen Wespenart als „Aufzuchtstation“ für den eigenen Nachwuchs: Sie werden durch einen Stich gelähmt und das Weibchen legt ihre Eier darauf ab. Die schlüpfenden Wespenlarven ernähren sich dann von dem Wirtstier.

Die Forscher setzten jeweils zwei Wespenweibchen zusammen mit einer Beutelarve in eine transparente Versuchskammer. Eine der Wespen hatte diese Larve 24 Stunden zuvor gelähmt und betrachtete sie daher als „ihre“. Mithilfe eines chemischen Analyseverfahren namens “Atmospheric Pressure Chemical Ionisation Mass Spectrometry (APCI-MS)", konnten die Wissenschaftler die von den Tieren freigesetzten chemischen Substanzen in Echtzeit analysieren, gleichzeitig wurden alle Bewegungen per Video aufgezeichnet. Auf diese Weise konnten chemisches und sichtbares Verhalten parallel erforscht werden.

Es zeigte sich, dass die Wespenweibchen sich nicht schonten: Ihre Kampftechniken umfassten beißen, stechen und eine Art Ringkampf. Chemische Waffen kamen meist dann zum Einsatz, wenn ein besonders aggressiver Kampf zu Ende ging: Das unterlegene Weibchen setzte dann eine flüchtige chemische Substanz frei, die ähnlich wirkt wie Pfefferspray. „Unsere Forschungen weisen darauf hin dass die Wespen, die einen Kampf verloren haben, Spiroacetal freisetzen um die Gewinnerin zeitweise außer Gefecht zu setzen“, erklärt Hardy. „Die flüchtigen Substanzen verscheuchen die Weibchen aus dem Zielgebiet.“

Diese, jetzt in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society veröffentlichte Erkenntnis gibt nicht nur weitere Einblicke in das Insektenverhalten, sie könnte auch dazu beitragen, Wespen als Schutz gegen Schädlinge einzusetzen. “Bethylid-Wespen töten die Larven von vielen Insekten, die Schädlinge für Mandeln, Kaffee und Kokosnüsse sind und die Landwirtschaft tausende von Pfund kosten“, erklärt der Forscher. „Diese Wespen könnten als günstige und effektive biologische Maßnahmen eingesetzt werden, um die Larven zu töten und so den Einsatz von teuren und umweltschädlichen Pestiziden verhindern. Für eine erfolgreiche biologische Bekämpfung müssen wir allerdings das Wespenverhalten genau kennen, zum Beispiel, wie Wespen der gleichen und verschiedener Arten interagieren. Denn dann wissen wir, welches die beste Kombination von Arten ist, die wir gegen einen Schädling einsetzen können.“

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(Biotechnology and Biological Sciences Research Council (BBSRC), 20.11.2006 – NPO)

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