Rolle der Geruchsattraktivität ist vom soziokulturellen Kontext abhängig Partnerwahl: Beeinflusst vom Duft der Gene? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Rolle der Geruchsattraktivität ist vom soziokulturellen Kontext abhängig

Partnerwahl: Beeinflusst vom Duft der Gene?

Liebespaar
Welche Rolle spielt der Duft der Gene bei der Partnerwahl? © puhha/ iStock

Immer der Nase nach: Angeblich können wir riechen, welcher Partner genetisch besonders gut zu uns passt – aber beeinflusst dies tatsächlich die Partnerwahl? Genomanalysen bestätigen nun, dass Menschen genetisch unähnliche Partner bevorzugen – aber nicht immer und überall. Denn eine überraschende Ausnahme offenbart: Der Einfluss der Geruchsattraktivität scheint vom soziokulturellen Kontext abhängig zu sein.

Bei der Partnerwahl spielt die Nase eine wichtige Rolle: Über den Duft können viele Wirbeltiere erkennen, ob ihnen ihr Gegenüber genetisch ähnlich ist. Paaren sich zwei Individuen mit sehr unterschiedlichem Erbgut, ist das für den Nachwuchs von Vorteil. In besonderem Maße gilt dies für das Immunsystem und vor allem den sogenannten MHC-Komplex.

Dieser Proteinkomplex ist für das Erkennen von Krankheitserregern unentbehrlich. Eine große Vielfalt unterschiedlicher MHC-Moleküle garantiert dabei, dass die körpereigene Abwehr möglichst viele unterschiedliche Erreger bekämpfen kann. Um die Widerstandsfähigkeit ihrer Nachkommen zu steigern, bevorzugen viele Tiere daher Partner, deren MHC-Gene sich deutlich von den eigenen unterscheiden – eine Eigenschaft, die sie riechen können.

Beweissuche im Erbgut

Doch nimmt auch der Mensch die typische Duftsignatur der Immungene wahr und beeinflusst dies seine Partnerwahl? „Was aus dem Tierreich bekannt ist, ist in Bezug auf den Menschen umstritten“, erklären Claire Dandine-Roulland von der Université Paris Diderot und ihre Kollegen. Während uns einige Studien eine Präferenz für Partner mit unterschiedlichen MHC-Genen attestieren, kommen andere zum gegenteiligen Ergebnis oder können gar keinen Trend feststellen.

Die Forscher um Dandine-Roulland haben nun einen weiteren Versuch unternommen, die Debatte um den Duft der Gene zu klären. Dafür nutzten sie die Möglichkeiten der modernen Genomanalyse und suchten im Erbgut von 883 Ehepaaren nach Antworten. Die genetischen Daten stammten von Probanden aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien und Israel.

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Tendenz zur Unähnlichkeit

Für ihre Analyse untersuchten die Wissenschaftler, wie sehr sich die MHC-Gene bei den Paaren glichen. Waren sie sich in ihren Immungenen ähnlicher oder unähnlicher als zwei zufällig zusammengewürfelte Paare aus Mann und Frau?

Das Ergebnis: Bei den Ehepartnern aus Europa stellte das Forscherteam tatsächlich eine Tendenz zur MHC-Unähnlichkeit fest – besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei niederländischen Paaren. Die Immungene dieser Paare waren signifikant unterschiedlicher als die der zufällig generierten Kontrollpaare. Zudem zeigte sich, dass sich die MHC-Gene bei ihnen auch im Vergleich zu anderen Abschnitten des Genoms besonders stark voneinander unterschieden.

Ausnahme Israel

Ganz anders war der Befund allerdings in der israelischen Stichprobe. Hier konnten Dandine-Roulland und ihre Kollegen keine MHC-abhängige Präferenz feststellen. Dies spricht ihrer Ansicht nach dafür, dass Menschen bei der Partnerwahl zwar vom Duft der Immungene geleitet werden können. Wie sehr sie sich davon beeinflussen lassen, scheint jedoch auch vom sozio-kulturellen Kontext abhängig zu sein.

So könnten bestimmte soziale Gepflogenheiten in manchen Ländern die Partnerwahl einschränken und dazu führen, dass Liebessuchende nicht nur ihrer Nase vertrauen. In Israel beispielsweise ist es üblicher als bei uns, einen Partner mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund zu wählen – zum Beispiel in Bezug auf die Ethnizität oder die Religion. Auch Hochzeiten unter Cousins sind in diesem Kulturkreis relativ weit verbreitet. Solche Faktoren könnten die Rolle der Immungene übertrumpfen, wie die Forscher erklären. (Proceedings of the Royal Society B, 2019; doi: 10.1098/rspb.2018.2664)

Quelle: Royal Society

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