Eingewanderte Arten unterdrücken Baumwachstum Kanada: Gewürzpflanze verdrängt Ahornbäume - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eingewanderte Arten unterdrücken Baumwachstum

Kanada: Gewürzpflanze verdrängt Ahornbäume

Blüten der Knoblauchrauke © André Künzelmann/UFZ

Eingewanderte Gewürzpflanzen behindern in Kanada das Nachwachsen einheimischer Baumarten. Bei Untersuchungen an der Knoblauchsrauke Alliaria petiolata ist ein internationales Wissenschaftler-Team auf einen bisher unbekannten Mechanismus gestoßen, der die Vermehrung von Bäumen wie dem kanadischen Ahorn, dessen Blatt das Nationalsymbol des Landes ist, bremst. Diese Pflanze sondert giftige Substanzen ab, die Pilze im Boden schädigen. Dadurch können die jungen Baumkeimlinge nicht anwachsen und etablierte Baumarten werden so verdrängt.

Wie die Forscher in der Fachzeitschrift Public Library of Science berichten, wurden Zuckerahorn, Roter Ahorn und Weißesche bei den Versuchen deutlich weniger mit Bodenpilzen besiedelt. Die Besiedelung von Baumwurzeln durch Bodenpilze, so genannte Mycorrhiza, ist aber ein wichtiger Schritt für die Etablierung junger Bäume, da diese Pilze den Bäumen wesentlich helfen, Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen.

Vergleiche mit anderen Baumarten zeigten, dass die Knoblauchsrauke offenbar nur Harthölzer beeinflusst. Die Studie entstand in Zusammenarbeit der US-Universitäten Havard, Montana und Purdue, der kanadischen Universität Guelph sowie des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle.

Am UFZ beschäftigen sich Botaniker seit mehreren Jahren mit Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Pflanzen und Tieren, so genannten Biozönosen. "Wir hatten eigentlich die Knoblauchsrauke unter die Lupe genommen, weil wir Insektenbefall an ihr untersuchen wollten, um biologische Schädlingsbekämpfer zu entwickeln", so Daniel Prati vom UFZ. "Umso mehr waren wir überrascht, dabei auf einen neuen Mechanismus zu stoßen, der ein wichtiger Baustein in den komplizierten Verdrängungsprozessen der Natur sein könnte."

USA: 27 Milliarden Dollar Schaden durch pflanzliche Einwanderer

Die unscheinbare Knoblauchsrauke wurde um 1860 als Gewürzpflanze aus Europa nach Nordamerika eingeführt. Mittlerweile gilt sie dort als eine Art, die sich stark vermehrt und ausbreitet. So genannte Neophyten – "neue Pflanzen"- können bestehende Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Der Schaden, den Neophyten allein in der Landwirtschaft der USA anrichten, wird laut UFZ auf über 27 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. Das Auswildern fremder Arten ist deshalb in Deutschland inzwischen genehmigungspflichtig.

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Die Knoblauchsrauke ist ursprünglich eine Pflanze der Laubwälder – kommt aber ebenfalls an Wegrainen und in Stadtgebieten vor. Die unscheinbare Pflanze wird bis zu einem Meter hoch. Ihren deutschen Namen hat sie durch den intensiven Knoblauchgeschmack erhalten. Alliaria petiolata wird sowohl als Gewürz als auch zur Heilung von Bronchitis und Ekzemen verwendet, da sie ein Senföl-Glykosid enthält.

(idw – Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, 26.05.2006 – DLO)

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