ARD/WDR-Dokumentation "Blut und Spiele" legt neue Indizien vor Doping: Auch Steuerhinterziehung und Geldwäsche beim Fuentes-Skandal? - scinexx | Das Wissensmagazin
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ARD/WDR-Dokumentation "Blut und Spiele" legt neue Indizien vor

Doping: Auch Steuerhinterziehung und Geldwäsche beim Fuentes-Skandal?

© pixelio.de/Hans-Peter Reichartz

In der Affäre um den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes zeichnet sich ein Justiz-Skandal ab. Nach Informationen aus Kreisen der spanischen Polizei Guardia Civil sperrte der zuständige Ermittlungsrichter direkt nach der Razzia bei Fuentes im vergangenen Jahr die fünf wichtigsten Beweismittel. Dies ergaben Recherchen für die ARD/WDR-Dokumentation „Blut und Spiele – Das Netz der Doper“, die heute Abend um 22.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird.

Bei der Durchsuchung der Räume von Fuentes und seinem Partner Merino Battres, zu deren Kunden auch die Radprofis Jan Ullrich, Ivan Basso und Jörg Jaksche gehörten, hatte die Guardia Civil im Mai 2006 neben 224 Blutbeuteln und zahllosen Papier-Dokumenten vor allem auch fünf Laptop-Computer sichergestellt. Darunter die Computer von Fuentes, Battres und eines der wichtigsten Radsport-Hintermänner, Manolo Saiz. Saiz ist der Gründer der Vereinigung der Profi-Rennställe „Pro Tour“. Ermittlungsrichter Antonio Serrano untersagte nach Informationen aus der Guardia Civil jede Auswertung der von der Polizei „gespiegelten“, das heißt kopierten Computer-Daten, so die Autoren der WDR-Dokumentation.

Erste flüchtige Einblicke in die Computer hätten bei den Polizeibeamten den Verdacht erweckt, dass es sich bei dem Fuentes-Skandal nicht mehr allein um Doping, sondern vor allem um Steuerhinterziehung und Geldwäsche handele. Ermittlungsrichter Serrano stellte das Verfahren gegen Fuentes und Co. vor einigen Wochen sogar komplett ein. Gegen die Einstellung läuft in Madrid ein Widerspruchsverfahren. Die Computer-Festplatten der Beschuldigten sind in Madrid eingelagert.

Bald Doping-Verfahren gegen Marion Jones?

Die Autoren von „Blut und Spiele“ recherchierten außerdem, dass Narkosearzt Markus Choina aus Bad Sachsa im Harz offenbar der Mann des Fuentes-Netzwerks in Deutschland war. Radprofi Jörg Jaksche belastet Choina in einem Interview für die ARD-Sendung und hat dieselben Beschuldigungen auch in einer Vernehmung mit dem Bundeskriminalamt BKA vorgebracht. Demnach soll Choina bei Jaksche unerlaubte Bluttransfusionen zu Dopingzwecken vorgenommen haben. Die Honorare für Choinas Leistungen habe er, so Jaksche, stets auf ein Schweizer Konto von Fuentes in Genf überwiesen.

Als Reaktion auf die erste Folge von „Blut und Spiele“ am 08. August 2007, prüft der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF inzwischen ein Doping-Verfahren gegen die mehrfache Olympiasiegerin Marion Jones. Der ehemalige Doping-Händler Victor Conte hatte Jones in der Sendung belastet und Dokumente für Doping-Praktiken vorgelegt, die er bei der US-Sprinterin 2001 vorgenommen hatte.

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(WDR, 15.08.2007 – DLO)

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