Vegetarier oder Bestien? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Vegetarier oder Bestien?

Neue Erkenntnisse über die Nahrung der Riesenbären

Wollmammut © MMCD

Trafen Höhlenbären auf Menschen, haben sie ihnen wohl einen gehörigen Schrecken eingejagt – vor allem, wenn sie sich laut brüllend auf die Hinterbeine stellten und mit ihren Krallenbestückten mächtigen Pranken schlugen. Doch selbst den deutlich über drei Meter großen Mammuts standen sie dann nahezu Auge in Auge gegenüber – zumindest theoretisch. Denn beide Arten lebten zwar zumindest zeitweilig zeitgleich, wirklich begegnet sind sie sich aber vermutlich eher selten.

Harmlose Vegetarier…

Denn die Mammuts bevorzugten vor allem die Kältesteppen der Eiszeit als Lebensraum. Die Höhlenbären tummelten sich dagegen unter anderem in Gebirgslandschaften wie den Alpen oder im Kaukasus, wo es reichlich Gras, Früchte, Beeren und Kräuter gab. Dies schließen Forscher zumindest aus Analysen von fossilen Höhlenbären-Gebissen, bei denen sie vielhöckrige Backenzähne mit großen Kauflächen gefunden haben – bestens geeignet zum Zerkleinern von großen Mengen an pflanzlicher Nahrung. Doch wie passen die riesigen Eckzähne im Maul der Höhlenbären, die scheinbar perfekt für die Jagd geeignet waren, in dieses Bild?

Auch dafür haben Wissenschaftler eine Erklärung parat. Mathias Harzhauser vom Naturhistorischen Museum in Wien meint beispielsweise: „[…] die dienten eben nicht zum Beutefang, sondern wurden eher zur Verteidigung und bei Kämpfen in der Brunft genutzt.“

Waren die Höhlenbären demnach entgegen ihrem Image keine gefährlichen Raubtiere, die Zähne fletschend auf der Suche nach Beute durch die Gegend zogen? Sondern vielmehr harmlose Beinahe-Vegetarier, die nur gelegentlich Aas und Kleintiere verzehrten? Ja und nein. Darauf deuten zumindest die Resultate eines internationalen Forscherteams aus dem Jahr 2008 hin.

Höhlenbären-Knochen © Erik Trinkaus / Romanian Academy

…oder doch auch Fleischfresser

Die Wissenschaftler um den US-Amerikaner Erik Trinkaus von der Washington Universität in St. Louis zeigten, dass Höhlenbären keineswegs immer sanfte Giganten waren. Die Paleoanthropologen hatten fossile Knochen von Höhlenbären aus verschiedenen europäischen Ländern auf ihren Gehalt an bestimmten Stickstoff-Isotopen hin untersucht. Hohe Werte des Stickstoff-Isotops 15N deuten dabei auf einen größeren Fleischanteil in der Nahrung hin. Und genau diesen Befund lieferten insbesondere die Knochenfunde aus der Peștera cu Oase, ein System von zwölf Karsthöhlen in Südwest-Rumänien.

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„Obwohl viele Höhlenbären vor allem vegetarisch lebten, zeigen die in der Oase gefundenen Tiere und Herumtreiber aus anderen Höhlen, dass manche von ihnen ähnliche Allesfresser waren wie moderne Braunbären – einschließlich Kodiak- und Grizzly-Bären“, so das Fazit der Forscher. Die Höhlenbären standen dadurch zumindest teilweise im Nahrungswettstreit mit anderen großen Raubtieren der damaligen Zeit: Höhlenhyänen, Höhlenlöwen, Wölfen und nicht zuletzt unseren menschlichen Vorfahren wie den Neandertalern.

Eher Allesfresser als Vegetarier?

Eine weitere Studie gut ein Jahr später stützte diese Ergebnisse. Die Forscher um Borja Figueirido von der Universität Malaga verglichen Schädel- und Zahnmorphologie moderner Bären mit der von ausgestorbenen Höhlenbären und Kurznasenbären – auch Bulldoggenbären genannt. Ergebnis: „Die Studie hat enthüllt, dass die craniodentalen Strukturen der Höhlen- und Kurznasenbären besser zu einer Allesfresser-Ernährung passen, als zu dem bisher vermuteten spezialisierteren Speiseplan“, so Figueirido in der Fachzeitschrift „Journal of Zoology“.

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Dieter Lohmann
Stand: 22.07.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Höhlenbären
Rätselhafte Eiszeit-Riesen

Monster aus der Eiszeit?
Die ersten Höhlenbären-Fossilien

Viel schwerer als ein Smart
Aussehen und Lebensweise der Höhlenbären

Vegetarier oder Bestien?
Neue Erkenntnisse über die Nahrung der Riesenbären

Tod vor 27.800 Jahren
Rätsel um das Aussterbedatum der Höhlenbär gelöst

Klimaabkühlung stürzte Höhlenbären ins Verderben
Niedrige Temperaturen sorgten für Nahrungsmangel

Kein Freispruch für den Menschen
Der Kampf um die Höhlen

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