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Tod vor 27.800 Jahren

Rätsel um das Aussterbedatum der Höhlenbär gelöst

Eiszeitriese Höhlenbär © Jan Marucha / GFDL

Die Höhlenbären sind vor rund 15.000 Jahren von der Erde verschwunden. Diese Vorstellung galt unter vielen Wissenschaftlern lange Zeit als Dogma, an dem es nichts zu rütteln gab. Sie schlossen das unter anderem aus der Datierung von zahlreichen fossilen Knochen der Tiere mithilfe der Radiokarbonmethode. Diese bestimmt den Todeszeitpunkt eines Lebewesens anhand des Zerfalls von radioaktiven 14C-Atomen ziemlich präzise.

Der k.o. für die Riesenbären war der Beginn eines großen Massenaussterbens am Ende der letzten Eiszeit, dem innerhalb kurzer Zeit auch andere Großtiere wie Mammuts, Wollnashörner, Säbelzahnkatzen und Höhlenlöwen zum Opfer fielen.

Schädel einer Säbelzahnkatze © Wallace63 / GFDL

Doch kein Massenaussterben?

Mittlerweile jedoch ist dieses Szenario zumindest ansatzweise ins Wanken geraten. So weiß man längst, dass die Mammuts zumindest in einem letzten Rückzugsgebiet noch viel länger auf unserem Planeten lebten als vermutet. Nach den Ergebnissen von schwedischen und russischen Forschern um Veronica Nyström aus dem Jahr 2010 verendete das letzte Tier seiner Art erst vor 3.685 Jahren.

Und auch das Aussterben des Höhlenbären erscheint seit einiger Zeit in einem völlig neuem Licht. Verantwortlich dafür ist ein internationales Wissenschaftlerteam um Martina Pacher von der Universität Wien und Anthony J. Stuart vom Natural History Museum in London und der Universität von Durham. Die Paläontologen legten im Jahr 2008 eine neue Chronologie des Höhlenbären-Niedergangs vor.

Der Höhlenbär war nur der Erste

„Unsere Arbeit zeigt, dass der Höhlenbär von der Megafauna, die während der letzten Eiszeit ausstarb, einer der ersten war“, erklärt Pacher. So weit so gut. Entgegen den bisherigen Annahmen verschoben Pacher und ihre Kollegen den Kollaps der letzten Höhlenbären-Populationen jedoch auf die Zeit vor 27.800 Jahren – immerhin rund 13.000 Jahre früher als bislang gedacht.

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Dieser Zahl auf die Spur kamen die Forscher bei Untersuchungen von Höhlenbären-Fossilien aus verschiedenen Regionen Europas. Sie führten dabei unter anderem neue Datierungen durch und nahmen auch ältere Aufzeichnungen von Radiokarbonmessungen noch einmal unter die Lupe.

Fragwürdige Daten

Doch was ist der Grund für die große Abweichung? Wieso hatten sich frühere Wissenschaftler dermaßen geirrt? Nach Ansicht von Pacher und Stuart sind bei einigen älteren Studien Knochen der heute noch lebenden Braunbären versehentlich für Höhlenbären-Überreste gehalten worden. Es seien aber auch Fehler bei der Datierung aufgetreten. Alle diese fragwürdigen Daten schlossen die Forscher daraufhin bei der aktuellen Analyse komplett aus und kamen so zu ihrem auf den ersten Blick überraschend frühen neuen Aussterbedatum.

Dieses passte ihnen allerdings prima ins Konzept. Denn es lieferte den Forschern auch wichtige Indizien dafür, warum diese urzeitlichen Riesen plötzlich verschwanden – obwohl sie noch vor rund 50.000 Jahren in Europa sehr häufig waren…

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Dieter Lohmann
Stand: 22.07.2011

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Höhlenbären
Rätselhafte Eiszeit-Riesen

Monster aus der Eiszeit?
Die ersten Höhlenbären-Fossilien

Viel schwerer als ein Smart
Aussehen und Lebensweise der Höhlenbären

Vegetarier oder Bestien?
Neue Erkenntnisse über die Nahrung der Riesenbären

Tod vor 27.800 Jahren
Rätsel um das Aussterbedatum der Höhlenbär gelöst

Klimaabkühlung stürzte Höhlenbären ins Verderben
Niedrige Temperaturen sorgten für Nahrungsmangel

Kein Freispruch für den Menschen
Der Kampf um die Höhlen

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