...und die Lösung? - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Konjunktion, Komet oder Supernova?

…und die Lösung?

Erklärungsversuche gibt es mindestens ebenso viele, wie es Indizien gibt. Edmond Halley, der Entdecker des gleichnamigen Kometen, vermutete beispielsweise, dass der Stern von Bethlehem ein Komet gewesen sei.

Komet © NASA

Komet oder Supernova?

Aufzeichnungen von chinesischen Astronomen schienen das zu bestätigen, doch sie haben einen entscheidenden Schönheitsfehler: Der von ihnen erwähnte Komet wurde bereits im Jahr 12 vor unserer Zeit beobachtet – einige Jahre vor dem wahrscheinlichsten Geburtstermin.

Ein anderer Kandidat für die Rolle des „Weihnachtssterns“ ist eine Supernova – die gleißend helle Explosion eines Sterns. Als der Astronom Johannes Kepler im Jahr 1604 eine Supernova beobachtete, sah er, dass sie alle Sterne am Himmel überstrahlte. Deshalb glaubte er, ein solches Ereignis könnte auch in der Zeit von Christi Geburt den Anstoß für den Stern von Bethlehem gegeben haben. Allerdings hat man bisher keine Hinweise darauf gefunden, dass zu der fraglichen Zeit eine solche Sternenexplosion tatsächlich stattgefunden hat.

Oder eine dreifache Konjunktion?

Die Mehrheit der Astronomen favorisiert jedoch eine andere Erklärung: eine Dreier-Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn, die im Jahr 7 vor Christus stattfand. Bei einer solchen Konjunktion kommen sich die beiden Planeten nicht nur einmal, sondern dreimal kurz hintereinander so nahe, dass sie für einen Beobachter zu einem hellen Lichtpunkt zu verschmelzen scheinen.

Der Himmel über Jerusalem am 12. November des Jahres 7 vor Christus: Jupiter und Saturn stehen in einer engen Konjunktion. © gemeinfrei

Eine solche „Dreierbegegnung“ ist extrem selten. Sie ereignete sich zuletzt im Jahr 1981 und wird erst wieder im Jahr 2238 standen – dazwischen liegen immerhin knapp 250 Jahre. Dass die Babylonier den Lauf der Planeten aber genau genug kannten, um solche Konjunktionen vorausberechnen zu können, belegen in Mesopotamien ausgegrabene Keilschrifttafeln. Auf ihnen haben babylonische Astronomen die Sichtbarkeiten und Positionen von Jupiter und Saturn vorausberechnet.

Anzeige

Ein Planet für den König Israels?

Und noch etwas macht spricht für eine solche Konjunktion: Für die Babylonier war der Himmel ein Abbild und Omen irdischer Ereignisse. Und passenderweise stand in ihrem Weltbild der Jupiter für Marduk, den höchsten Gott Babyloniens, und der Saturn für Kajmanu, den König Israels. Was lag daher für die Babylonier näher, als in einer Konjunktion der beiden eine Aufforderung zu einem Besuch bei einem „neuen König Israels“ zu sehen?

Ein scheinbares Zusammentreffen von Jupiter und Saturn am Nachthimmel als Stern von Bethlehem? © NASA

Allerdings gibt es auch hier Gegenargumente: Denn bei der Dreifach-Konjunktion kamen sich Jupiter und Saturn zwar nah, waren aber vermutlich trotzdem noch als zwei getrennte Objekte am Himmel zu sehen. Wenn sie aber nicht zu einem Lichtpunkt verschmolzen, stellt sich die Frage, warum in der Bibel nur von einem „Stern“ die Rede ist. War das einfach künstlerische Freiheit des Evangelisten? Oder hat er sich die ganze Geschichte mitsamt Stern komplett ausgedacht? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bis heute nicht. Das Rätsel des Sterns von Bethlehem bleibt ungelöst.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. 14
  30. |
  31. weiter

Nadja Podbregar
Stand: 17.12.2014

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Weihnachts-Special
Von Tannenbäumen, weißer Weihnacht und dem Stern von Bethlehem

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wintersonnwende versus Christfest
Wann ist Jesus wirklich geboren?

Rätsel um den Stern von Bethlehem
Wenn Astronomen zu Detektiven werden....

...und die Lösung?
Konjunktion, Komet oder Supernova?

Normalfall "Grüne Weihnacht"?
Warum an Weihnachten so selten Schnee liegt

Rätselhafte Schneeflocken
Unerklärliches Wunder der Natur?

Warum gerade Rentiere?
Der Weihnachtsmann und seine stillen Helfer

Weihnachtsmann versus Christkind
Wer bringt denn nun die Geschenke?

Oh Tannenbaum...
Die Geschichte des Weihnachtsbaums

Zuckerwasser hält Weihnachtsbäume fit
Schlagen zur Mondphase reicht nicht aus

Weihnachtskerle und Mistelzweige....
Weihnachtsbräuche in aller Welt

Oh Tannenbaum am Äquator?
Wie Christmas Island zu seinem Namen kam...

Schokolade – die süße Lust
Von Azteken, Heißhunger und Serotonin

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Weihnachten: Kinder wollen nicht irgendeine Puppe
Hälfte der Wünsche ans Christkind mit konkreten Markenbezeichnungen

Weihnachten: Singen macht glücklich
Gesang unterm Tannenbaum wirkt wie Fitnesstraining und Meditation in Einem

Der unmögliche Weihnachtsmann
Wissenschaftler analysieren den Gabenbringer und seine Lebensweise

Warum die Christen Weihnachten feiern
Neue Erkenntnisse zu einem alten Thema

Grüne Vanille aus dem Reagenzglas
Neue Methode für „umweltfreundliches“ Aroma

Erst Fett macht Schokolade zum Genuss
Warum schmeckt uns der Schoko-Weihnachtsmann?

Schokolade essen macht schlau
Inhaltstoff Flavanol fördert Hirnduchblutung

Vertrautheit macht schlechte Schenker
Warum wir gerade denen, die wir am meisten lieben, so oft das Falsche schenken

Dossiers zum Thema

Wetterextreme - Klimatische "Ausrutscher" oder Folgen des Klimawandels?

Kometen - Rätselhafte Vagabunden im Weltraum

Symmetrie - Geheimnisvolle Formensprache der Natur

Anzeige
Anzeige