Schokolade – die süße Lust - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schokolade – die süße Lust

Von Azteken, Heißhunger und Serotonin

Schokoladenweihnachtsmänner, süße Adventskalender, Plätzchen, heißer Kakao – im Winter und besonders zur Weihnachtszeit hat Schokolade wieder Hochkonjunktur. Aber was steckt eigentlich hinter der „süßen Lust? Macht Schokolade wirklich süchtig? Was verursacht dem Heißhunger auf die braunen Tafeln?

Der Ursprung der Schokolade liegt in Südamerika, dort galt die Kakaobohne schon bei den Azteken als wertvolles Genuss- und sogar Zahlungsmittel. Mit den Spaniern gelangte der Kakao nach Europa und hier wurde heiße Schokolade schon bald zu einem beliebten Getränk der Wohlhabenden.

Süße Lust © IMSI MasterClips

Die erste „Schokolade“ stellte man durch das Verreiben der gerösteten Kakaokerne mit Zucker unter Zugabe von Mais und Bohnen (gewürzt mit Paprika, Vanille und Zimt) her. Geschmacklich hatte diese Variante mit den heutigen Erzeugnissen vermutlich nicht mehr viel gemeinsam. Mittlerweile ist der Schokoladenverbrauch der Deutschen Weltspitze: Im Durchschnitt nascht jeder Bundesbürger etwa acht Kilogramm pro Jahr. Nur Briten, Norweger und Schweizer verzehren mit zehn Kilo Schokolade jährlich noch mehr.

Kalorienbomben…

Fatale Nebenwirkung der süßen Lust: Sie macht schnell dick: Durch den hohen Gehalt an Kakaobutter und Zucker ist Schokolade eine extreme Kalorienbombe. Unter anderem auch deshalb gehörte früher immer eine Tafel Schokolade zur Notration für Bergsteiger und Soldaten. Schon vier Tafeln decken den gesamten kalorischen Tagesbedarf eines mittelschwer arbeitenden Menschen.

Wie wirkt die Schokolade im Körper und warum empfinden wir manchmal Heißhunger darauf?

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Nach den Erkenntnissen der Wissenschaft sorgen wir offenbar mit dem Griff zur Schokolade dafür, dass der Serotoninspiegel im Blut und damit unsere Stimmung wieder steigen. Serotonin ist ein Botenstoff, der im Gehirn die „Gute Laune“ auslösen kann und deshalb häufig auch Bestandteil von Medikamenten gegen Depressionen ist. Der Zucker in der Schokolade bewirkt eine rasche Ausschüttung des blutzuckerregulierenden Hormons Insulin. Dieses wiederum regt die Bildung des Serotonins an und führt zu einem relativ langandauernden Anstieg des stimmungsbeeinflussenden Serotonins im Blut.

Wie Untersuchungen zur so genannten „Winterdepression“ zeigen, ist die Produktion von Serotonin auch von der Länge und dem Ausmaß der Sonneneinstrahlung auf unseren Körper abhängig. Besonders in den Gebieten oberhalb der Polarkreise, in denen es im Winter überhaupt nicht hell wird, nimmt die Häufigkeit von Depressionen während der Polarnacht deutlich zu. In diesem Zusammenhang verwundert es kaum, dass Nordeuropäer im Durchschnitt mehr Schokolade essen als Südeuropäer. Eine Ausnahme bilden lediglich die Schweizer, die (obwohl sie eigentlich genug Sonne haben) europaweit den höchsten Schokoladenkonsum aufweisen.

Geschlechterunterschiede der „süßen Lust“

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutliche Unterschiede in der „süßen Lust“: Untersuchungen zeigten, dass Frauen Schokolade 22mal häufiger brauchen als Männer. Schenkt man der Zeitschrift „ELLE“ glauben, verzichten 50 Prozent aller Amerikanerinnen lieber auf Sex als auf Schokolade. Der Grund: Nach dem Eisprung sinkt der Serotoninspiegel im Körper langsam, kurz vor der Menstruation dann sogar stark ab. Die Folge ist das so genannte „Prämenstruelle Syndrom“ mit wechselnden Stimmungen, Schwermut oder auch Reizbarkeit. Schokolade kann diese „Stimmungstiefs“ zumindest zum Teil abpuffern.

Ähnlich zyklusabhängig ist auch die Produktion des Endorphins. Kurz vor der Menstruation sinkt der Blutspiegel dieses körpereigenen Opiates und damit leider auch oft die Stimmung. Schokolade kann im Gegenzug die Eigenproduktion wieder anregen. Außerdem enthält Schokolade Phenylethylamin, eine Substanz, die vermehrt im Blut zu finden ist, wenn wir uns verlieben. Phenylethylamin ist aufgebaut wie die körpereigenen Muntermacher Dopamin und Adrenalin. Sie steigern die Pulsfrequenz, erhöhen den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Die Substanzen machen dadurch wach und bereiten uns auf Aktivität vor.

Sogar Anandamid, ein dem Haschisch ähnelnder Rauschstoff, konnte in Schokolade in geringen Mengen nachgewiesen werden. Die gefundenen Mengen sind allerdings viel zu gering, um eine Wirkung hervorzurufen. Kürzlich entdeckten Forscher in der Schokolade zusätzlich zwei Substanzen, die den Abbau von Anandamid verhindern und so zumindest theoretisch eine Akkumulation von Anandamid im Gehirn ermöglichen könnten.

Auf der Suche nach den Ursachen des Heißhungers auf Schokolade, sind auch Wissenschaftler aus San Diego wieder einen Schritt weitergekommen. Im Kakaopulver und dunkler Schokolade – nicht aber in weißer Schokolade – entdeckten sie drei ungesättigte N-Acylethanolamine. Diese können nach ihren Angaben die Wirkung haschisch-ähnlicher Stoffe direkt oder indirekt imitieren.

Doch trotz all dieser Inhaltsstoffe – noch ist Schokolade weder Rezept- noch Apotheken-pflichtig und über Risiken und Nebenwirkungen informieren Sie sich am besten in ihrem Supermarkt.

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Stand: 17.12.2010

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Inhalt des Dossiers

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Wer bringt denn nun die Geschenke?

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