Turbulente Regenbildung - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Turbulente Regenbildung

Den Geheimnissen der Schönwetterwolken auf der Spur

Inzwischen widmet sich Bjorn Stevens vom Max-Planck-Institut für Meteorologie einem zweiten Typ flacher Wolken über den tropischen Ozeanen, den so genannten flachen Cumuli. Diese Schönwetterwolken sind über den warmen Meeren allgegenwärtig − sie bedecken rund 40 Prozent der Weltmeere − und haben daher, so glaubt Stevens, einen noch größeren Einfluss auf das Klima der Erde als die Stratocumuli.

Die Befehls-Variante des Versuchs: Die Experimentatorin gab Anweisungen, denen die Probadin folgte. © Haagard et al., Current Biology / CC-by-nc-nd

Luftwirbel schubsen Wassertröpfchen hin und her

Zusammen mit Axel Seifert vom Deutschen Wetterdienst und seiner Doktorandin Louise Nuijens hat er vor Kurzem untersucht, wie Regen in einer solchen Wolke entsteht. Dabei haben die Forscher nachgewiesen, dass Turbulenzen die Regenbildung in der Wolke entscheidend unterstützen können.

Denn die Luftwirbel schubsen Wassertröpfchen, die so leicht sind, dass sie schweben, in der Wolke hin und her. So kollidieren die Tröpfchen häufiger mit anderen schwebenden Tröpfchen, als sie es in ruhiger Wolkenluft tun würden. Die Mini-Tropfen verschmelzen daher häufiger. Schließlich entstehen mehr Tröpfchen, die schwer genug sind, um zu fallen, dabei weitere kleine Tröpfchen einzusammeln und schließlich zum Regentropfen zu werden. Die Computersimulationen zeigten, dass Turbulenzen die Häufigkeit der Tröpfchenstöße mehr als vervierfachten. „Das bedeutet, dass die Cumuli deutlich leichter Regen bilden, als wir bislang dachten“, sagt Stevens.

Forschungsflugzeuges HALO

Auch die flachen Cumuli will Stevens nicht nur per Computer erforschen. In seinem Büro im Hamburger Max-Planck-Institut zeigt sich symbolisch, dass seine Forschung auf zwei Säulen ruht: Formeln und Skizzen übersäen eine Tafel an der Wand. Direkt daneben, auf dem Beistelltischchen einer Sitzgruppe, steht ein Modell des Forschungsflugzeuges HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das seine mit einer Turbulenzsonde versehene Nase in die Höhe reckt.

Anzeige

Stevens setzt auf die Kombination von Theorie und Feldforschung. Demnächst wird HALO in einer Mission, an der sich auch Stevens beteiligt, die Schönwetter-Cumuli vor der Karibikinsel Barbados durchfliegen und mit verschiedenen Instrumenten Tröpfchengrößen und Turbulenzen vermessen.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. weiter

Christian Meier / MaxPlanckForschung
Stand: 20.08.2010

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wasser mit nebulöser Wirkung
Neues aus der Wolkenforschung

Rätselhafte Wolken
Fliegende Nebel mit Doppelrolle für das Klima der Erde

Cirrus, Cumulus und Stratus
Wolken und ihr Klimaeffekt

Werden und Vergehen am Himmel
Wolken verändern sich lokal und wirken global

Mit Militärflugzeugen auf Wolkenjagd
Cumuli bedecken weite Teile der Meere

Tiefe Wolken regnen leichter
Regen kehrt Auf- und Abwärtsströmungen um

Turbulente Regenbildung
Den Geheimnissen der Schönwetterwolken auf der Spur

Keine universale Wolkenformel
Wolkenforschung als Puzzlespiel

Von flachen Cumuli bis zu El Niño
Ein kurzes Glossar

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Aerosole - Würzstoffe in der Klimaküche

Regen - Wolken, Wetter, Wassertropfen

El Niño - Pazifische Klimakapriolen mit weltweiten Folgen...

Klimawandel - Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?

Anzeige
Anzeige