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„Herschel“ statt „Hubble“

Von 100-Meter Teleskopen und neuen "Superaugen" im All

So verblüffend die neuesten Errungenschaften in der Astro-Optik auch sind und so beeindruckend sich die modernsten Sternwarten in ihrer bald unüberschaubaren Technologie auch präsentieren, auf dem Reißbrett entstehen bereits noch utopischere Riesenprojekte.

Wie heißt es bei Automobil-Konstrukteuren immer wieder? Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Ähnlich verhält es sich mit der Spiegelgröße von Teleskopen: je größer, desto besser. Allerdings, was nutzt Motor-Leistung, wenn die Bremsen versagen beziehungsweise: was nutzt die beste Optik, wenn die Montierung wackelt? Insofern müssen schon alle Komponenten aufeinander abgestimmt sein, was bei wachsender Größe immer problematischer wird.

Trotzdem ziehen Ingenieure neue Konzepte aus der Tasche, neue Teleskope noch eine komplette Größenordnung mächtiger zu bauen. Da ist die Rede von CELT, dem »California Extremely Large Telescope« mit einem 30-Meter-Spiegel, oder einem schwedischen 50-Meter-Teleskop sowie schließlich auch von OWL, einer »Eule« mit wirklich riesigen Augen. Sinnigerweise bedeuten die drei Buchstaben noch mehr als das englische Wort für den beliebten, weisen Nachtvogel. OWL, das ist die Abkürzung für »Overwhealmingly Large Telescope«, die Steigerung des »Very Large Telescope« also. Und sie soll wahrhaft gigantisch ausfallen: Man spricht von einem optischen 100-Meter-Teleskop mit aktiven und adaptiven Elementen, welche die Auflösungskraft des Instruments noch über die des Hubble-Weltraumteleskops anwachsen lassen sollen.

Und auch im All soll sich manches ändern. »Hubble« hält seinen Rekord als größtes optisches Orbitalteleskop ohnehin schon bald zu lange, ein Nachfolger muss her! Die Nasa plant das »Next Generation Space Telescope« (NGST), das möglichst im Jahr 2009 gestartet werden und mit einem leichtgewichtigen sechs-Meter-Spiegel ausgestattet sein soll. Im Gegensatz zum jetzigen, in einem niedrigen Erdorbit kreisenden Hubble-Teleskop wird das NGST in rund anderthalb Millionen Kilometer Distanz von der Erde seine Stellung einnehmen. Im Vordergrund der NGST-Nutzung werden Beobachtungen im längerwelligen Spektralbereich des Infrarot stehen, außerdem zahlreiche spektroskopische Untersuchungen. Astronomen wollen mit diesem Instrument die Großstruktur des Universums »vor« die Lupe nehmen und die Entwicklung von Galaxien, Sternen und Planeten erforschen. Bereits zwei Jahre bevor das Nasa-Projekt verwirklicht wird, soll allerdings schon ein anderer Weltraum-Riese dem altgedienten »Hubble« den Rang ablaufen: Im Jahr 2007 nämlich will die europäische Raumfahrbehörde Esa das 3,5-Meter-Herschel-Teleskop in den Raum schießen, um damit das Licht der allerersten Galaxien und Sterne einzufangen.

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Stand: 21.01.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Big Eyes
Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos

Die Lichtfallen der Astronomen
Mount Palomar und mehr

Immer größer und immer besser
Die Teleskope von Galilei, Herschel und Rosse

El Dorado für Sternenfreaks
La Palma und seine Riesenteleskope

Mit Sieben-Meilen-Stiefeln in eine neue Dimension
Keck, VLT, Gemini, Subaru oder MMT

Duo der Superlative
Die Keck-Teleskope liefern kosmische Impressionen

Pluto im Visier
Mit Achtmeter-Riesen auf der Suche nach astronomischen Sensationen

Antu, Kuyen, Melipal und Yepun
Die vier VLTA-Giganten vom Paranal

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