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Antu, Kuyen, Melipal und Yepun

Die vier VLTA-Giganten vom Paranal

Very Large Telescope (VLT) © ESO

Zu den beeindruckendsten Teleskopen der Gegenwart zählen ohne jeden Zweifel die vier grandiosen Unit-Teleskope auf dem Cerro Paranal in Chile – UT1 bis UT4. Diese vier 8,2-Meter-Spiegel sind gleichsam die »Renommierpferde« der Europäischen Südsternwarte und bilden zusammen das »Very Large Telescope Array« (VLTA). Die überwältigende Anordnung ergibt die Lichtsammelkraft eines einzigen 16-Meter-Teleskops und liefert als optisches Interferometer extrem hoch aufgelöste Bilder. Jeder der vier Riesen erhielt übrigens einen Eigennamen in Mapuche, der Sprache der Ureinwohner des Gebiets um den Paranal. So wurde UT1 »Antu« getauft, die Sonne. UT2 firmiert unter »Kuyen«, dem Mond, UT3 ist »Melipal«, das Kreuz des Südens und UT4 trägt den Namen »Yepun«, die Venus als Abendstern.

Auffallend bei modernen Teleskopen wie den VLTs vom Paranal ist neben vielen anderen Merkmalen auch ihre altazimutale Aufstellung. Sie werden ohne Rücksicht auf die geografische Breite des Beobachtungsortes immer mit rein horizontal-vertikaler Drehbarkeit aufgestellt. Die Steuerung über Computer erlaubt eine problemlose beidachsige Nachführung der Sternbewegung – mittlerweile sogar Standard im gehobenen Amateurbereich! Früher aber mussten die Instrumente parallel zur Erdachse, also »parallaktisch« montiert werden, wodurch der Platzbedarf in der Kuppel extrem anstieg. Ein Blick auf die übergewaltige Montierung des Hale-Reflektors demonstriert das sehr deutlich!

Das erste Instrument mit altazimutaler Aufstellung und Computersteuerung war übrigens das Monster aller Monster, jenes berühmte und von so manch Wechselfällen heimgesuchte »Bol’shoi Teleskop Azimutal’nyi« (BTA, das »Große Altazimut-Teleskop«) in Nizhny Arkhyz, Russland. Tatsächlich übertrifft es zumindest an Masse jedes andere Fernrohr auf Erden, denn eine ausreichend dimensionierte Waage würde beim BTA überzeugende 840 Tonnen anzeigen. Weniger überzeugend aber schienen die Leistungen dieses 6-Meter-Teleskops zu sein. Überhaupt umgab das im Jahr 1976 auf dem Mount Pastukhov im Kaukasus errichtete Gerät eine Aura des Mysteriösen; dies vor allem, weil kaum nennenswerte Ergebnisse zu vernehmen waren. Später wurde bekannt, dass der Pyrex-Hauptspiegel unbrauchbar war und sogar Risse aufwies. Er wurde 1978 durch einen beständigeren Spiegel ersetzt, doch auch er ist sehr temperaturempfindlich, außerdem sind die Sichtbedingungen auf dem Berg nicht ideal und die riesige, 58 Meter hohe Kuppel trägt mit dazu bei, die Luftqualität massiv zu verschlechtern.

So fortschrittlich die Idee hinter dem altazimutalen BLT auch war, ist es doch eine Art Dinosaurier. Die modernen, leichten, aktiven Kompaktteleskope sind auf dem Vormarsch, darunter vor allem das 6,5-Meter-Multi-Mirror-Telescope MMT auf dem Mount Hopkins in Arizona und immer wieder auch Zwillingssysteme wie Gemini, Keck oder die 6,5-Meter-Magellan-Teleskope auf dem Cerro Manqui, von denen nun das erste vollendet ist. Es wurde zu Ehren des berühmten amerikanischen Astronomen übrigens Walter-Baade-Teleskop getauft.

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Stand: 21.01.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Big Eyes
Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos

Die Lichtfallen der Astronomen
Mount Palomar und mehr

Immer größer und immer besser
Die Teleskope von Galilei, Herschel und Rosse

El Dorado für Sternenfreaks
La Palma und seine Riesenteleskope

Mit Sieben-Meilen-Stiefeln in eine neue Dimension
Keck, VLT, Gemini, Subaru oder MMT

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Die Keck-Teleskope liefern kosmische Impressionen

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Mit Achtmeter-Riesen auf der Suche nach astronomischen Sensationen

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Von 100-Meter Teleskopen und neuen "Superaugen" im All

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