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Wo kommt künftig der Nachschub an Seltenen Erden und Edelmetallen her?

Handy als Rohstoff-Lieferant

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Mehr als 100 Millionen Euro liegen ungenutzt in unseren Schubladen. Und zwar in Form von etwa 72 Millionen alten Handys, schätzt das Bundesumweltamt. Denn Mobiltelefone sind eine wahre Schatztruhe: In jedem Handy stecken etwa 250 Milligramm Silber, 24 Milligramm Gold, neun Milligramm Palladium und neun Gramm Kupfer. Das hört sich im ersten Moment nicht nach viel an, aber rechnet man den Gesamtrohstoffwert hoch, summiert er sich auf mehr als 100 Millionen Euro.

Verschwenderisch gehen wir auch mit den Wertstoffen in alten Elektrogeräten um. Ausrangierte Toaster, Mixer, Waffeleisen oder Föhne landen meist im Hausmüll. So vernichten wir Europäer Elektroschrott im Wert von zwei Milliarden Euro jährlich. Das hat die Europäische Union ermittelt. Doch das soll sich künftig ändern. Denn schon bald könnten Rohstoffengpässe das Wirtschaftswachstum Westeuropas bedrohen. Deswegen startet die EU jetzt eine Initiative gegen die Ressourcen-Knappheit. Ein wichtiger Eckpfeiler ist dabei die bessere Verwertung von Elektroschrott.

Germanium - wichtig für Sensoren und Glasfaserkabel © Jurii / CC-by-sa 3.0

Nachschub für 14 Rohstoffe ist kritisch

Wie wichtig es ist, dass wir schnell handeln, zeigt eine Untersuchung der EU-Kommission. Schon jetzt gilt die Verfügbarkeit von 14 der von der Industrie stark nachgefragten Rohstoffe als kritisch. Dazu gehören beispielweise Kobalt, das in Lithium-Ionen-Akkus eingesetzt wird, Germanium, das für die Produktion von Glasfaserkabeln und Infrarotsensoren benötigt wird, sowie Tantal für Handys. Prognosen zufolge wird sich die Nachfrage nach vielen dieser Rohstoffe bis 2030 verdreifachen. Ohne konsequentes Recycling ist der Bedarf nicht mehr zu decken.

Auch die Vereinten Nationen betonen, dass die Industrieländer ihren Umgang mit Ressourcen radikal ändern müssen, um einer weltweiten Krise zu entgehen. „Der Abfall des einen ist der Rohstoff des anderen. In der Green Economy des 21. Jahrhunderts wird der Abfall- und Recyclingsektor eine tragende Rolle spielen“, sagt der Leiter des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner. Er forderte Entwickler dazu auf, schon beim Design eines Geräts an dessen spätere Wiederverwertung zu denken: „Denn es ist zwei- bis zehnfach effizienter, Metall wiederzuverwerten, als es aus dem Boden zu holen“. So enthalten 41 Handys genauso viel Gold wie eine Tonne Golderz.

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Fraunhofer Magazin / Birgit Niesing
Stand: 10.05.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die Molekül-Sortierer
Neue Formen des Recyclings für den Rohstoff-Bedarf von morgen

Handy als Rohstoff-Lieferant
Wo kommt künftig der Nachschub an Seltenen Erden und Edelmetallen her?

Sortieren im Molekül-Maßstab
Wie Molecular Sorting beim Recycling helfen soll

Mikroben als Recycling-Helfer
Rückgewinnung von Gold und anderen Metallspuren durch bakterielles Leaching

Störstoffe raus
Molekulares Recycling bei Glas und Holz

Schatztruhe Müllverbrennung
Metalle aus Schlacke und Abgas als Ressource

Lohnt sich das?
Wie ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll sind die Technologien

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